zur Navigation springen

Kultur

10. Dezember 2016 | 04:16 Uhr

Schwarzmaler mit Wiener Schmäh : Rainhard Fendrich: Eine neue Ernsthaftigkeit

vom

Seit 36 Jahren gehört Rainhard Fendrich zur österreichischen Musik-Folklore wie der Prater zu Wien. Mit seinem neuen Album «Schwarzundweiss» bleibt sich der wortgewandte Künstler treu - andererseits zeigt er sich pessimistischer denn je.

 Rainhard Fendrich war schon immer ein exzellenter Beobachter. Bereits bei seinem ersten Hit «Zweierbeziehung» nahm er die Zuneigung eines Autofahrers zu seinem motorisierten Gefährt köstlich aufs Korn.

Später hielt er mit «Macho Macho» seinen testosteron-gesteuerten Geschlechtsgenossen und mit «Schickeria» den großtuerischen Stadtmenschen den Spiegel vor. Trotz mitunter ätzender Texte - man konnte dem Schelm aus Wien einfach nicht böse sein. Der Fendrich, dieses spitzbübische Lächeln, dieses fernsehtaugliche Charisma. Nein, dachte man sich, der meint das ja gar nicht böse. Mittlerweile kann man sich da nicht mehr so sicher sein. 

Schon sein letztes, 2013 erschienenes Album «Besser wird's nicht», war von so dunklen Vorahnungen und Inhalten geprägt, dass es auch zu dem 2011 verstorbenen notorischen Wiener Schwarzmaler Ludwig Hirsch gepasst hätte. Nicht viel optimistischer fällt jetzt Fendrichs neues, am 7. Oktober erscheinendes Album «Schwarzoderweiss» aus.

«Ich will nicht belehrend wirken, aber die Kunst war seit jeher ein Reflektor der Zeit», sagt der 1955 in Wien geborene Sänger, Songschreiber und Schauspieler. Auf den 14 Titeln seiner neuen CD reflektiert der Künstler nun über so manches: die Handy-Abhängigkeit («Wenn du was willst»), den Fremdenhass (Titelsong), über das Älterwerden und den Jugendwahn («Du bist schön») oder über die Rollen-Klischees von Mann und Frau («Graumelierte Herren»).

Typisch Fendrich, könnte man sagen. Andererseits hat sich in das Klang- und Wortbild eine neue Ernsthaftigkeit eingeschlichen. Und ein unterschwelliger Pessimismus dazu. Wenn er wie bei dem an «Macho Macho» erinnernden «Liselotte» seinen augenzwinkernden Wiener Schmäh bemüht, mag der Witz nicht so recht zünden. Vielleicht, weil dem 61-Jährigen seine frühere Leichtigkeit abhanden gekommen ist? Vielleicht aber auch, weil der Spaß recht humorbefreite Song-Nachbarn hat.

Titel, wie «Frieden» und «Die Heile Welt». Beide Songs erinnern nicht nur wegen des dramatischen Klaviers an Udo Jürgens, sondern auch weil Fendrich diese Lieder mit einem bislang unbekannten Pathos anstimmt. Fordert nach 36 Karrierejahren seine frühe Inspirationsquelle endlich ihren Tribut? «Udo Jürgens war immer ein großes Vorbild von mir. Er hat mich geprägt. Als Bub habe ich ihn sehr häufig imitiert», gibt Fendrich zu. 

Auch das in düstere Moll-Akkorde getauchte «Wer schützt Amerika» hätte sich gut in Udo Jürgens Werk gemacht. Zumindest musikalisch. Textlich aber unterscheiden sich die beiden österreichischen Liedermacher-Ikonen deutlich voneinander. Für Rainhard Fendrich kein Wunder: «Udo hatte ja immer den Michael Kunze als Textschreiber, er war nur Komponist. Ich mache beides.» Und beides macht er, wie er sagt, sehr gerne.

Er gehe nun mal hellhörig und weitäugig durch das Leben. Er beobachte, sauge auf und bewerte. «Manches Thema kommt dann immer wieder. Wenn mich das dann nicht los lässt, dann fange ich an zu recherchieren. Daraus entsteht dann ein Gedicht, ein Lied, ein lyrischer Vers», beschreibt Fendrich seine Arbeitsweise.

Einen Anspruch auf Wahrheit erhebt er aber nicht: «Ich möchte nicht sagen, dass ich mit meinen Aussagen zu 100 Prozent Recht habe. Aber ich will Diskussionen anregen.» Das dürfte ihm mit «Schwarzoderweiss» allemal gelingen.

Website Rainhard Fendrich

Tourdaten: 09.02.2017 Hof (Saale), 10.02.2017 Berlin, 11.02.2017 Hamburg, 13.02.2017 Frankfurt am Main, 14.02.2017 Regensburg

15.02.2017 Nürnberg, 17.02.2017 Wien, 18.02.2017 München, 19.02.2017 Essenbach, 02.03.2017 Salzburg, 03.03.2017 Linz, 04.03.2017 Graz, 05.03.2017 Passau, 07.03.2017 Innsbruck, 08.03.2017 Kempten, 09.03.2017 Ludwigshafen am Rhein, 01.09.2017 Kufstein.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Okt.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert