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Ganz leise : Peter Silberman: Stille Songs als Therapie

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Aufs Äußerste reduzierte Lieder als Tinnitus-Therapie: Bei Peter Silberman, dem Sänger der gefeierten Band The Antlers, wird daraus ein kleines Slowcore-Meisterwerk.

Was tut ein Sänger, wenn sein Gehör nicht mehr mitspielt und «eine Art Niagara-Fälle im Kopf» produziert? So erlebte Peter Silberman, Frontmann der US-Indiepop-Band The Antlers, seinen massiven Tinnitus und Hörsturz. Das Tosen und Rauschen im Ohr war niederschmetternd - und furchteinflößend.

«Ich musste mir ein Leben ohne Musik vorstellen, den Verlust dessen, was im Mittelpunkt meines Lebens stand», erzählt der vielgepriesene Falsett-Vokalist über die Vorgeschichte seines Solo-Debüts «Impermanence» (Transgressive/Pias/Rough Trade). Zum Glück kam es anders.

Silberman machte aus dem äußerst fragilen Zustand seines Hörsinns das Bestmögliche und produzierte in Abgeschiedenheit und Konzentration zusammen mit dem langjährigen Freund Nicholas Principe ein Album am Rande der Stille. Herausgekommen sind sechs wunderschöne Ambient-Pop-Lieder mit ganz viel Luft zwischen den einzelnen Tönen, sparsamem Gitarrengezupfe, etwas Akkordeon, minimalistischen Keyboards - und dieser so prachtvollen Stimme.

Wer die drei Antlers-Platten «Hospice» (2009), «Burst Apart» (2011) und «Familiars» (2014) kennt, weiß den Vokalisten Peter Silberman schon lange zu schätzen. Während die Band-Arrangements oft recht üppig, zum Teil mit tollen Streicher- und Bläser-Arrangements ausgestattet waren, ist «Impermanence» eine einzige Feier des hohen, fast femininen Gesangs des Amerikaners.

Seine mantra-artigen Textzeilen zelebriert Silberman mit außergewöhnlicher Sensibilität, und er lässt sich ganz viel Zeit. «Es geht nicht um die Noten, die man spielt, sondern um die Noten, die man weglässt», dieses Miles-Davis-Zitat diente als Orientierung für ein Album, das in seinen besten Momenten an die Balladenkunst eines Jeff Buckley oder David Sylvian erinnert.

Vor allem «New York» ist hervorzuheben, ein traumhafte Slowcore-Ode an die Heimatstadt des Sängers. «Ich hoffe, dass "Impermanence" Menschen dabei helfen kann, sich mit einer Übergangssituation zurechtzufinden», sagt Silberman. Jetzt bleibt nur gute Besserung zu wünschen und zu hoffen, dass er sich demnächst wieder fit genug fühlt für ein weiteres Antlers-Meisterwerk. 

Website Peter Silberman

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erstellt am 12.Mär.2017 | 13:20 Uhr

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