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Kultur

03. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

Kunst : Oskar Schlemmer in Metz: Figurinen-Tanz im Centre Pompidou

vom

Das Centre Pompidou in Metz würdigt den deutschen Künstler Oskar Schlemmer. Die Ausstellung rückt das Thema Tanz in den Fokus und wurde vom Enkel des Künstlers kuratiert.

Lebensgroße Figurinen, die Titel wie «Der Abstrakte», «Drahtfigur» und «Goldkugel» tragen. Sie stehen auf einem Laufsteg im Centre Pompidou im Metz - Originale und Rekonstruktionen der Kostüme des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer, die derzeit im Centre Pompidou Metz zu sehen sind.

Zusammen mit rund 80 Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen, Plakaten und Fotografien des deutschen Künstlers rücken sie die Bedeutung des Tanzes im Gesamtwerk von Schlemmer (1888 - 1943) in den Mittelpunkt der aufwendigen und spielerischen Werkschau. Sie ist bis zum 16. Januar zu sehen.

An einem schweren Velour-Vorhang vorbei gelangt man in die auf über 1000 Quadratmeter verteilte Ausstellung «Tänzermensch». Keine Zwischenwände, nur ein riesiger offener Raum. Man habe eine Bühnensituation schaffen wollen, sagte Raman Schlemmer, der Enkel des Künstlers, der Deutschen Presse-Agentur. Der lange lineare Laufsteg stehe auch dafür, dass der Tanz und das Triadische Ballett Oskar Schlemmer sein ganzes Leben lang beschäftigt haben.

Schlemmer gilt als Erneuerer der Kunst und bedeutender Vertreter der Klassischen Moderne. Dadurch, dass er die Malerei in den Raum übertragen wollte, vereinte er Kunst und Theater. Seine Frage nach der Beziehung zwischen Figur und Raum führte ihn in der Malerei zur Darstellung schematisierter Körper und zu den Bildmotiven der aufstrebenden Rückenfigur und des Geländers, auf der Bühne zum Triadischen Ballett. Hier suchte er nach einer geometrisch-mathematischen Organisation des Tanzes, bei der die Körper wie Marionetten wirken.

In der Ausstellung sind nun mehr als zehn Figuren des Triadischen Balletts zu sehen, darunter auch die Goldkugel. Von dieser Kostümfigur gibt es zwei Originale, eine davon befindet sich im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart. Schlemmer war selber Tänzer und zeitlebens zwischen Kunst und Theater hin- und hergerissen. Auch wenn er als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt, weltbekannt wurde er nicht zuletzt durch seine Bühnenbilder und Kostüme.

Die Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen, die rechts und links an den Wänden hängen, stellen Bezüge zu den Kostümen seines experimentellen Balletts dar. Vor allem zeigen sie, wie präzise Schlemmer jedes Detail der Kostüme und jede Position und Bewegung der Tänzer seines Triadischen Balletts festgelegt hatte.

Die Leihgaben stammen aus der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität Köln und vor allem aus dem von Raman Schlemmer geleiteten Bühnenarchiv. Eine Sammlung, die er seit dem Tod seiner Mutter Ute Jaina Schlemmer im Jahr 2010 allein verwaltet. Gemälde aus deutschen Museen fehlen.

Um den Nachlass von Schlemmer streiten sich seit Jahren die Enkelkinder Raman und Janine Schlemmer. Die juristischen Scharmützel führten dazu, dass Schenkungen angefochten und Abdruckrechte verweigert wurden und immer weniger Ausstellungen stattfanden. Die im Jahr 2014 in der Staatsgalerie Stuttgart organisierte Retrospektive wurde als Comeback des Künstlers gefeiert. Es war das Jahr, in dem 70 Jahre nach seinem Tod die Urheberrechte abgelaufen waren. 

Oskar Schlemmer. L'homme qui danse

Die Ausstellung ist geöffnet von Montag bis Donnerstag von 10:00 bis 18:00 Uhr, von Freitag bis Sonntag bis 19:00 Uhr. Tarif normal: 12,00 Euro, ermäßigt 10,00 Euro.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 10:44 Uhr

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