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Kultur

05. Dezember 2016 | 03:31 Uhr

Eine Flüchtlingsgeschichte : Nujeen Mustafa: Im Rollstuhl von Aleppo nach Deutschland

vom

Im Rollstuhl ist Nujeen Mustafa ohne ihre Eltern aus Syrien geflohen. Durch acht Länder führte ihre Odyssee. In Deutschland ist ihre Reise noch nicht zu Ende. Die 17-Jährige hat große Pläne.

«Ich trotze der Tragödie mit einem Lächeln», sagt Nujeen Mustafa. Im Rollstuhl ist die heute 17-Jährige aus Syrien nach Deutschland geflohen. Durch acht Länder - mit dem Boot, dem Zug, dem Bus, im Taxi, geschoben von ihrer Schwester.

Einen Monat dauerte ihre abenteuerliche und lebengefährliche Flucht. Nun hat sie ein Buch darüber geschrieben. Co-Autorin ist Christina Lamb, die schon Malala Yousafzai half bei ihrem Bestseller «Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft». Malala bekam vor zwei Jahren den Friedensnobelpreis.

«Flucht in die Freiheit - Im Rollstuhl von Aleppo nach Deutschland» heißt das Buch, das Lamb zusammen mit Nujeen Mustafa geschrieben hat. Der Verlag HarperCollins bringt es in diesem Herbst in 13 Ländern heraus, die deutsche Ausgabe liegt seit vergangener Woche in den Buchhandlungen. Das Buch soll den Lesern vermitteln, «dass man nie aufgeben darf», sagt Nujeen Mustafa. Ihr Traum sei es, Astronautin zu werden. Ob das klappt? «Ich werde mein Bestes dafür tun.» Aufgeben ist keine Option.

Interviewfragen beantwortet sie mühelos auf Englisch und Deutsch - Englisch hat sie sich in Syrien selbst beim Ansehen von TV-Seifenopern beigebracht, Deutsch lernte sie binnen weniger Monate in Deutschland, das sie nicht als neue Heimat sieht, sondern als Zwischenstation. «Ich werde definitiv zurückkehren nach Syrien. Es ist das schönste Land der Welt», sagt sie.

Als Flüchtling sieht sie sich nicht, sondern als Gast. «Es ist unsere Pflicht als Gäste in Deutschland, einen guten Eindruck zu hinterlassen.» Die Geflohenen müssten beweisen, dass der Rest Europas falsch lag und Deutschland Recht hatte, im vergangenen Jahr die Heimatlosen ins Land zu lassen.

Am schlimmsten sei es in Slowenien im Gefängnis gewesen, erzählt sie, am gefährlichsten auf dem Meer. Damals habe sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Meer gesehen, «und ich konnte mich gar nicht freuen, weil ich Angst um mein Leben hatte». Aber einfach ins Flugzeug steigen? «Wie langweilig! Ich habe so viel gesehen. Hey, ich bin jung und ich war schon in acht Ländern!» Am schönsten seien die grünen Berge in Europa gewesen, «genau wie im Fernsehen».

Ihre Heimat wurde in Schutt und Asche gebombt, auf der Flucht nahmen Geschäftemacher sie aus, ihre Eltern hängen noch immer in der Türkei fest, «aber ich möchte nicht meine Zeit damit verschwenden zu hassen», sagt die 17-Jährige heute. «Ich glaube an den guten Kern in jedem Herzen.» Mit zwei Schwestern und einem Bruder lebt sie heute in der Nähe von Köln und führt ein «ganz normales Leben», wie sie sagt, mit Schule, Freunden, Familie und vielen Terminen. «Ich glaube, ich bin schon ein bisschen deutsch geworden.»

- Nujeen Mustafa mit Christina Lamb: Nujeen - Flucht in die Freiheit - Im Rollstuhl von Aleppo nach Deutschland, HarperCollins, 432 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3959670753.

HarperCollins

Karte mit Fluchtweg

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erstellt am 20.Okt.2016 | 14:58 Uhr

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