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Kultur

03. Dezember 2016 | 22:56 Uhr

Literatur : Nostalgischer Krimispaß: «Fünf schräge Vögel»

vom

Berlin (dpa) – John Dortmunder hat Glück. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, ist er schon wieder im kriminellen Geschäft. Sein Schwager hat einen lukrativen Auftrag eingeholt. Ein wertvoller Edelstein soll aus einer New Yorker Ausstellung gestohlen und einem Mitarbeiter einer Botschaft übergeben werden.

Was sich wie ein direkter Weg zu leicht verdientem Geld anhört, entpuppt sich in Donald E. Westlakes Roman «Fünf schräge Vögel» als Quelle schier endloser Abenteuer und skurriler Situationen. Es sind wahrlich schräge Vögel, die die Pläne des findigen Organisators Dortmunder in die Tat umsetzen wollen. Jeder von ihnen besitzt besondere Fähigkeiten, die bei der Ausführung hilfreich sind, aber trotz allem sind sie vom Pech verfolgt.

Anfangs scheint alles glatt zu gehen, und der Bande gelingt der Diebstahl. Aber schon bald wendet sich das Blatt. Kaum haben sie den Stein, ist er schon wieder weg. Um an die versprochene Prämie für den Smaragd zu kommen, müssen sie einen zweiten Plan ausarbeiten. Wieder gelingt er, und wieder scheitern die Fünf. Und noch einmal, und noch einmal. Ein Bekannter der Gangster kommentiert ironisch: «Ich habe schon von Gewohnheitsverbrechern gehört. Aber das hier scheint mir doch ein weltgeschichtlich einmaliges Gewohnheitsverbrechen zu sein.»

Immer ausgefeilter werden Dortmunders Pläne, immer aufwendiger ihre Umsetzung, immer abenteuerlicher die Aktionen. Geradezu aberwitzig wird der Einsatz des Quintetts, das in seinem Enthusiasmus und seiner Unbeholfenheit überraschend sympathisch wird.

Einen besonderen Reiz erhält «Fünf schräge Vögel» durch sein Alter. Donald E. Westlake (1933–2008) veröffentlichte das amerikanische Original bereits 1970, die deutsche Übersetzung erschien jedoch erst jetzt. So spielt die Geschichte in einer Welt, in der sich moderne Technik hauptsächlich in schnellen Autos zeigte. Und das wichtigste Kommunikationsmittel war in Telefonzellen zu finden.

Zur besonderen Qualität des Romans gehört auch, dass er im Gegensatz zu vielen modernen Krimis nicht auf Gewaltszenen oder psychologische Abgründe setzt. Westlake erzählt die Geschichte geradeaus und mit einer Leichtigkeit, die der humoristischen Seite ausreichend Platz lässt.

Filmfans könnte die Geschichte bekannt vorkommen. 1972 diente Westlakes Roman als Vorlage für den Film «Vier schräge Vögel», in dem kein Geringerer als Robert Redford die Rolle des John Dortmunder spielte.

- Donald E. Westlake: Fünf schräge Vögel. Atrium Verlag, Zürich, 270 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-85535-795-6.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 14:25 Uhr

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