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Kultur

09. Dezember 2016 | 14:38 Uhr

Youtube-Hit : Mit ihrem Satire-Song erobern die „Boygroup Boys“ alle Herzen

vom

Schnulzige Klänge, schicke Jungs - und ein vorhersagbares Musikvideo: Der Satire-Song „We are the boys“ nimmt die Boyband-Industrie der 90er aufs Korn.

Berlin/Hamburg | Zugegeben, die große Zeit der Boybands ist vorbei. Wer die 90er miterlebt und aus unerfindlichen Gründen noch nicht erfolgreich verdrängt hat, erinnert sich sicher noch an das Erfolgskonzept. Band mit vier bis sechs zusammengecasteten jungen Kerlen ploppten in regelmäßigen Abständen hervor, landeten ein paar vorhersagbare Hits und wurden von Teenie-Mädchen angehimmelt. Die großen Namen sind heute noch präsent und werden immer mal wieder für sinnlose „Was macht eigentlich...“-Berichte aufgewärmt: Take That, Backstreet Boys oder N'Sync.

Die großformatigen Poster mögen von den Wänden der Mädchenzimmer längst verschwunden sein - dennoch landen die „Boygroup Boys“ mit ihrer Persiflage des 90er-Trends einen Youtube-Hit. Naja gut, ein ganz großer Hit ist es mit gut 50.000 Klicks noch nicht, aber in vorhersagbar aufgeschriebenen Netztrendgeschichten gehört die Passage, dass es ein Hit ist, standardmäßig dazu. Die fünf „Boygroup Boys“ jedenfalls besingen in ihrem typisch durchgeskripteten Song nämlich genau jene Beliebigkeit.

„Wir sind die Typen, die auf den Postern deiner Tochter lächeln“, schmalzt der Sänger auf Englisch. „Einer von uns singt, die anderen sehen nur gut aus uns machen den Background-Gesang.“ „Wir machen den Background-Gesang“, singen die Background-Sänger. Im Clip posieren und tanzen die „Boygroup Boys“ zu vorhersagbarer Melodie. Kurzum: Cast, Song und Clip könnten eine Wiederauferstehung aus dem letzten Jahrtausend sein, wäre da nicht der allzu ehrliche Text. Der Song ist als freies Projekt von der Agentur DDB Düsseldorf, der Produktion Markenfilm Crossing und Mokoh Music entstanden.

Immer wieder kritisieren Künstler die Musikindustrie für retortenartig durchproduzierte Musik mit dem künstlerischen Anspruch eines Malen-Nach-Zahlen-Bildes von einem Babykätzchen. Denn während Musiker, die ihre Werke mit einem gewissen Anspruch produzieren und nicht für den Massengeschmack glätten, zuweilen kaum von ihrer Arbeit leben können, landen rein auf den Kommerz ausgerichtete Produkte Charterfolge.

Doch auch die Satire auf Retortenhits zahlt sich aus. Der Musiker Jon Lajoine erhielt mit seinen Persiflagen zu Pop Songs und radiofreundlichen Songs mehrere Millionen Klicks auf Youtube

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Und natürlich kann man auch weniger kommerzielle Musik durch den Kakao ziehen. „Woods of Trees“ machen sich über Black Metal lustig.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 11:41 Uhr

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