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Kultur

11. Dezember 2016 | 07:15 Uhr

Geschichte : «Lied der Deutschen» - Festakt zum Jubiläum

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«Wenn ich so wandelte einsam auf der Klippe, nichts als Meer und Himmel um mich sah, da ward mir so eigen zu Muthe, ich mußte dichten» - so berichtet August Heinrich Hoffmann von Fallersleben in seinen Lebenserinnerungen über seinen Aufenthalt 1841 auf Helgoland.

Er vollendete er am 26. August vor 175 Jahren auf der Hochseeinsel das «Lied der Deutschen», dessen dritte Strophe die heutige Nationalhymne ist. Dieses Jubiläum feierte die Hochseeinsel am Freitag mit einem Festakt, zu dem auch eine größere Delegation aus Wolfsburg-Fallersleben gekommen war.

Versammelt haben sich die Gäste auf dem Nordseeplatz, auf dem auch eine Büste an Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874) erinnert. Festredner ist der frühere SPD-Vorsitzende Björn Engholm. «Hoffmanns Freiheits- und Einheitslied blieb der Durchbruch zur Hymne lange verwehrt», sagt der 76-Jährige. Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Werner Gatzer, überreicht eine Sonderbriefmarke und eine Gedenkmünze.

«Jedes Mal wenn ich unsere Hymne höre, fasziniert mich insbesondere der Dreiklang von Einigkeit und Recht und Freiheit», sagt Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU). «Das Besondere daran ist, wie zeitlos die Ideen hinter diesem Dreiklang sind, den August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wenige hundert Meter von hier auf dem Helgoländer Oberland ersonnen hat.»

Von 1840 bis 1842 reiste Hoffmann von Fallersleben im Sommer nach Helgoland, das damals der britischen Krone gehörte. «Hoffmann schätzte auf der Insel die Ruhe und die Natur und nutzte sie für ausgedehnte Spaziergänge entlang der Klippen», sagt die Leiterin des Hoffmann-von-Fallersleben-Museums in Wolfsburg, Gabriele Henkel, der Deutschen Presse-Agentur. Er habe auf der Nordseeinsel nicht nur das «Lied der Deutschen» geschrieben, sondern auch die «Helgolander Lieder».

Der Dichter wohnte im Haus Cassebohm, das sein Sohn später in einem Ölgemälde festhielt. «Im Erker dieses Hauses verfasste Hoffmann das «Lied der Deutschen»», erklärt Henkel. Das Gebäude wurde bei einem Bombenangriff im April 1945 zerstört.

Das Gedicht entstand in politisch unruhigen Zeiten. «Ein einiges Deutschland gab es nicht, nur viele kleine und größere Fürstentümer», sagt die Museumsleiterin. «Hoffmann hatte schon früh soziale Ungerechtigkeit, staatliche Willkür und Unterdrückung der Redefreiheit erfahren.» Das «Lied der Deutschen» sei deshalb ein Sehnsuchtslied. «Es drückt in der dritten Strophe Hoffmanns politisches Ideal aus, einen geeinten fortschrittlichen Nationalstaat, der die Menschen- und Bürgerrechte garantiert.» Bei der Musik griff Fallersleben auf die Melodie von Joseph Haydn zurück, die damals schon sehr populär war, erklärt Musikwissenschaftler Hartmut Fladt.

Zwei Tage nachdem Hoffmann von Fallersleben das «Lied der Deutschen» vollendet hatte, reiste sein Verleger Julius Campe auch auf die Insel und hörte sich das neue Werk an. Campe habe den geschäftlichen Erfolg dieses Liedes wohl geahnt, meint Henkel. «Er akzeptierte nämlich den stolzen Preis und legte Hoffmann die geforderten 4 Louis d'or (französische Goldmünzen) auf seine Brieftasche.» Bereits wenige Tage später habe das Lied als Einzeldruck in den Hamburger Buchhandlungen gelegen - erhältlich für zwei Groschen - und sei zum Verkaufsschlager geworden. «Allein der Buchhandel in Breslau, wo Hoffmann zu der Zeit als Kustos tätig war, hatte vom Deutschlandlied 400 Exemplare bestellt», sagt Henkel.

In der Weimarer Republik wurde das «Lied der Deutschen» schließlich zur deutschen Nationalhymne. Ab 1933 missbrauchten die Nationalsozialisten den Text. Seit Anfang der 50er Jahre wird bei offiziellen Anlässen nur noch die unverfängliche dritte Strophe gesungen. «Bis heute hat das Lied als einigendes Staatssymbol nicht den Rang erlangt, den es besitzen sollte und könnte», betont Engholm.

An die Geschichte des «Lieds der Deutschen» erinnert bis Ende Oktober auch eine kleine Ausstellung im Museum Helgoland. Insel-Bürgermeister Jörg Singer erklärt beim Festakt: «Für die Helgoländer ist Hoffmann von Fallersleben bis heute eine zentrale Figur.»

Hoffmann-von-Fallersleben-Museum

Geschichte Helgolands

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erstellt am 26.Aug.2016 | 15:01 Uhr

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