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Kultur

10. Dezember 2016 | 06:04 Uhr

„So long Marianne“ : Leonard Cohen sah seinem Tod entgegen – und seiner toten Muse

vom

In einem emotionalen Abschiedsbrief an seine Muse schrieb Cohen schon im Juli, er werde bald sterben.

Mit dem Welterfolg „So long Marianne“ setzte der kanadische Sänger seiner Muse einst ein musikalisches Denkmal. Auf der griechischen Insel Hydra hatten sich die beiden in den 60er Jahren kennengelernt und stürmisch ineinander verliebt. Dann verliefen sich ihre Wege.

Doch kurz vor ihrem Tod - nur wenige Monate vor Cohens Tod, der in der Nacht zum Freitag bekannt wurde - hatte das einstige Paar noch einmal Kontakt, wie der „New Yorker“ jüngst berichtete. Marianne Ihlen hatte Krebs und lag im Sterben, da schrieb Cohen ihr im Juli folgenden Brief:

„Marianne, wir sind nun beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam anfangen, zu vergehen – und ich denke, dass ich dir bald folgen werde. In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen. Du weißt, dass ich dich immer für deine Schönheit und deine Weisheit geliebt habe, aber ich muss gar keine Worte mehr darüber verlieren, denn du weißt das alles schon. Aber jetzt wünsche ich dir eine gute Reise. Good Bye, meine liebe Freundin. In unendlicher Liebe, ich sehe dich ganz bald.“

 

Wenige Tage später starb Marianne in Norwegen. Nach Angaben ihrer Familie hatte sie den Brief noch gelesen. Wie der britische „Guardian“ berichtet, wurden ihr die Zeilen auf dem Sterbebett vorgelesen. „Wir brachten ihr den Brief am nächsten Tag und sie war bei vollem Bewusstsein und so glücklich, dass er ihr etwas geschrieben hatte“, sagte der langjährige Freund Jan Christian Mollestad.

Ihlen ist auf der Rückseite des Covers von Leonard Cohens zweitem Album „Songs from a Room“ zu sehen. Sie ist dort, in ein weißes Tuch eingewickelt, an einem Tisch sitzend abgebildet.

 

Molestad erzählte gegenüber CBC, dass Ihlen in dem Moment, als er ihr den Satz mit der ausgestreckten Hand vorlas, tatsächlich ihre Hand von sich streckte. „Nur zwei Tage später verlor sie das Bewusstsein und starb“, so ihr Freund. „Ich schrieb Leonard einen Brief zurück und sagte ihm, dass ich kurz bevor sie von uns ging noch einmal ‚Bird On The Wire‘ summte, weil sie sich dem Song so sehr verbunden fühlte. Dann küsste ich ihr auf den Kopf, sagte ‚So Long, Marianne‘ und verließ den Raum“.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 10:31 Uhr

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