zur Navigation springen

Kultur

10. Dezember 2016 | 08:07 Uhr

Neues Album „Joanne“ : Lady Gaga - Ein Freak schminkt sich ab

vom

Kleider aus Fleisch waren gestern. Lady Gaga streift mit ihrem neuen Album ein Stück ihrer Extravaganz ab

Bei den MTV Video Music Awards hing sie wie leblos mit Kunstblut beschmiert über der Bühne. Bei den Grammys stieg sie aus einem riesigen Ei. Bei einem Konzert in Texas erbrach der Künstler Millie Brown grüne Flüssigkeit auf ihren halbnackten Körper. Abenteuerliche Auftritte und polarisierende Outfits waren stets das Markenzeichen von Lady Gaga, die sich mit jeder Performance und jedem Song wie ein Chamäleon neu zu färben schien. Mit ihrem fünften Album „Joanne“ hat die Diva sich vom Freak-Status ver- abschiedet.

Was nicht heißt, dass die vorsichtige Rückbesinnung zur Normalität einen Karriereknick für die 30-Jährige bedeuten würde. Doch auf dem gestern erschienenen Album präsentiert sich Lady Gaga von einer ganz persönlichen, ruhigen und ehrlichen Seite, wie schon der Titel verrät: „Joanne“ ist der Mittelname der bürgerlich als Stefani Germanotta bekannten Sängerin. Auf 13 Titeln durchquert die stark vom Country beeinflusste Lady Gaga die Welten von Funk, Pop, Dance und Electro. Sie erweitert ihren musikalischen Horizont, spielt mit Genres und liefert trotzdem die typischen Pop-Titel, auf die Fans gehofft haben dürften. „Diamond Heart“ etwa, oder das vom Queens of the Stone Age-Mann Josh Homme begleitete „John Wayne“, die beide beste Chancen haben, zu Hits bei der Super Bowl-Halbzeitshow im Profi-Football im Februar zu werden.

Doch die Größe von „Joanne“ liegt in den sanfteren Titeln, in denen die wahre Kraft ihrer Stimme abseits von Gaga-Glamour zum Vorschein kommt.

Sie erzählt von Kummer und Schmerz, zum Beispiel in der bewegenden Single für ihre verstorbene Tante. „Der Himmel ist nicht / Bereit für Dich“, heißt es im Text. „Ich bin gläubig, es herrscht Chaos / Wo sind unsere Anführer?“, fragt sie im politischen Stück „Angel Down“. Der Titel erzählt auch von der Angst der Afroamerikaner, von Polizisten erschossen zu werden.

„Die Gefühle auf dem Album haben kein Make-up, keinen Filter. Es geht direkt in die Eingeweide“, sagt sie. „Stimmlich und textlich versuche ich Schwingungen zu erzeugen, bei denen du das Gefühl hast, ich gebe dir eine Umarmung oder eine Art Erlösung. Einen Platz, wo du wütend sein kannst oder an dem du dich geheilt fühlst.“

Wer Lady Gaga so sprechen hört und sich an zitternde Electro-Beats und an Club-Knaller wie „Poker Face“ oder „Bad Romance“ erinnert, fühlt sich kurz in einer verkehrten Welt.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Okt.2016 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen