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Kultur

03. Dezember 2016 | 12:41 Uhr

Der letzte Bee Gee : «In The Now»: Zweites Solo-Album von Barry Gibb

vom

Er sieht sich als Verwalter eines gewaltigen Erbes: Mit den Bee Gees hat Barry Gibb Musikgeschichte geschrieben, mit «In The Now» schreibt er sie fort.

Berlin (dpa) - Er kennt die Achterbahn des Lebens: Welthits, Drogenexzesse, der Absturz in die Bedeutungslosigkeit, Comebacks, private Dramen. Am 1. September feierte der Produzent und Bee-Gees-Sänger Barry Gibb seinen 70. Geburtstag, jetzt ist sein neues Album erschienen.

«In The Now» heißt es - Im Hier und Jetzt. Bezeichnend für den Veteran der Disco-Ära, der mit so vielen persönlichen Tragödien in den vergangenen Jahren klarkommen musste. Erst kürzlich starb seine Mutter Barbara im Alter von 95 Jahren. Von seinen vier Geschwistern ist nach dem Tod seines jüngeren Bruders Andy und der Bee Gees-Zwillinge Robin und Maurice nur noch Lesley am Leben. «Ich habe versucht, die besten Einflüsse meines Lebens zu streifen. Das Album ist sehr autobiographisch, nicht bewusst, sondern unterbewusst», sagte er «Bang Showbiz».

1975 entdeckt Barry Gibb seine Falsett-Stimme, die mit Satinanzügen, goldenen Medaillonkettchen und schulterlangen Löwenmähnen zum Markenzeichen der Bee Gees werden sollte - allerdings gelten sie deshalb nie als besonders cool. Zwei Jahre später werden sie gebeten, Songs für den Soundtrack des Kultfilms «Saturday Night Fever» mit John Travolta zu schreiben. Der Rest ist Popgeschichte. Die Hits dieses Albums, wie «Stayin' Alive», füllen heute noch die Tanzflächen.

Die Disco-Ära hat Barry Gibb auf seinem Album natürlich ausgeklammert - das ist doch auch schon so lange her. Stattdessen hangelt er sich an herzerwärmenden Balladen - «Star Crossed Lovers» hat Gibb seiner Frau gewidmet -, smarten Rock-Pop-Songs («Home Truth Song») und verwegenen Nummern wie «Blowin' A Fuse» entlang, wo eine entfesselte Orgel und eine knackige Gitarre Zwiesprache halten. Ein Album zum Träumen, ein Album zum Tanzen - alles hat Hand und Fuß. Und die Falsett-Stimme ist geblieben.

Barry Gibb aber variiert nicht nur geschickt die Tempi, auch bei den Arrangements gibt es immer wieder schöne Feinheiten: so meldet sich in «Shadows» ganz plötzlich eine Mariachi-Kapelle zu Wort.

Vor allem aber ist «In The Now» ist ein sehr persönliches Album geworden: Den Song «End of the Rainbow» aus dem neuen Solo-Album, erst dem zweiten seiner Karriere, hat Gibb seinem Bruder Robin gewidmet. «Bang Showbiz» sagte er: «Ich habe eine Strophe des Songs für Robin gesungen, als er im Koma lag, etwa zwei Wochen bevor er starb, und ich weiß nicht, ob er es hörte oder nicht. Aber ich sang trotzdem.»

Das Album ist wieder in bewährter Bee-Gees-Manier entstanden - als Familiensache: Die Söhne Stephen und Ashley haben die Songs mit ihrem Vater geschrieben. «Ich muss diese Musik am Leben erhalten», sagte Barry Gibb dem «Rolling Stone»-Magazin. «Bevor meine Brüder starben, hätte ich nie so darüber gedacht. Aber das ist jetzt mein Job. Es ist wichtig, dass sich die Leute an diese Songs erinnern.» Mission erfüllt.

Website Barry Gibb

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erstellt am 13.Okt.2016 | 15:00 Uhr

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