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Kultur

09. Dezember 2016 | 06:55 Uhr

Ausverkauftes Konzert : In Rage: Sleaford Mods live in Hamburg

vom

Sie nehmen kein Blatt in den Mund, sind voller Wut und live eine Wucht - in ihren Songs rechnen die Sleaford Mods mit dem Establishment ab.

Ein Laptop auf drei Bierkisten und dazu ein Standmikro: Auch nach ihrem großen Durchbruch im vergangenen Jahr zeigen sich die Sleaford Mods bei ihrem ausverkauften Auftritt in der Hamburger Fabrik (25.11.) ohne großes Bühnentamtam.

Braucht das Duo aus Nottingham auch gar nicht, die schiere Energie der beiden Engländer springt sofort auf die Fans über. Der «Guardian» urteilte über Beatbastler Andrew Fearn und Chefmotzer Jason Williamson einmal, die Combo sei «derzeit der mitreißendste Liveact im Musikgeschäft».

Musikalische Genies sind die so unterschiedlichen Typen sicher nicht. Die Songs von Fearn, der meist lächelnd mit Bier in der Hand zu seinen Beats wippt und ins Publikum winkt, sind eingängig, aber nicht brillant oder wegweisend. Die Klangfarbe Williamsons, der in seiner manischen Art immer wieder mit der Hand über den Hinterkopf wedelt und im Affengang um das Mikro wackelt, ist nicht außergewöhnlich.

Aber im Zusammenspiel kreieren sie diese verblüffende Wucht. Williamson spuckt, rotzt und schmeißt seine Wasserflasche auf den Boden. Seine wütendende Motzerei auf die feine Londoner Gesellschaft und die aufkommende Möchtegern-Elite ist derb und beleidigend. Der Wortschwall lässt jeden Durchschnittsbriten erröten. Der Gossenslang wird bei den Sleaford Mods zur Poetik der Gestrandeten, der im Abseits stehenden.

Die Rage ist echt, beide kennen die Armut und die Hoffnungslosigkeit Mittelenglands aus eigener Erfahrung. Fearn braucht für seine Abrechnung mit Establishment und Kleinbürgertum nur einen Fingerdruck auf der Playlist seines Laptops. Egal, ob er neue Songs von der EP «T.C.R.» oder das Highlight «Fizzy» anklickt: Vor der Bühne wird zu dem basslastigen Mix aus Hip-Hop, Alternative und Punk gestoßen und gegrölt. Fearn wippt weiter, Williamsons haut noch eine Tirade unter das tanzende Volk.

Zur Zugabe nach einer Stunde gibt es die Lokalhymne «Tied Up In Nottz». Gefüllte Becher wie in der Heimat fliegen zwar nicht. Beim Gang in die Kälte vor der Tür klebt aber zumindest der Schweiß auf der Haut.

Website Sleaford Mods

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erstellt am 27.Nov.2016 | 10:11 Uhr

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