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Kultur

08. Dezember 2016 | 05:06 Uhr

Traumgesicht : Hommage an das Kunsthistorische Museum Wien

vom

Er ist Keramiker und Autor und hat mit dem Familienroman «Der Hase mit den Bernsteinaugen» einen Bestseller verfasst. Für das Kunsthistorische Museum in Wien begab sich Edmund de Waal auf Schatzsuche.

Albrecht Dürer hat in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1525 ganz schlecht geschlafen. Ein Alptraum quälte ihn. Am nächsten Morgen hielt er seine Eindrücke im «Traumgesicht» fest, in dem eine Sintflut auf eine Landschaft stürzt.

Das erst zum zweiten Mal ausgestellte Aquarell des Maler-Genies aus Nürnberg ist das Zentrum der Ausstellung «During the Night», die der englische Keramiker und Autor Edmund de Waal für das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien zusammengestellt hat. «Das Werk ist das absolute Herz der Schau», sagte der 52-Jährige am Montag.

Wie ein Kompass führe es zu den anderen rund 60 ausgestellten Schätzen der Habsburger, in denen Angst, Macht und Machtlosigkeit sowie Kontrollverlust eine Rolle spielen. Während der Schau (11.10.- 29.1.2017) ist auch der durch den Roman berühmte Hase, eine daumengroße japanische Elfenbeinschnitzerei, in Wien zu sehen. Anlass der in Halbdunkel getauchten Ausstellung ist das 125-Jahr-Jubiläum des KHM, eines der bedeutendsten Museen der Welt.

Mehrere Jahre hat das KHM dem Kunstkenner de Waal Zeit gegeben, seine ganz persönliche Auswahl aus dem Bestand der insgesamt sieben verschiedenen Sammlungen des Museums zu treffen. «Ich wollte keine Schau der Meisterwerke machen, die alle kennen», sagte de Waal. Aber Meisterwerke sind es dennoch.

Der «Schüttelkasten» aus dem Schloss Ambras birgt in einer Art hölzernem Schuhkarton einen täuschend echt nachgebildeten Waldboden mit Schnecken, Schlangen und Schildkröten. Sie sind filigran befestigt und bewegen sich bei leisester Erschütterung. Das «Bildnis einer Dame» (1564) von Lucas Cranach dem Jüngeren wirke durch den Schattenwurf mysteriös. «Ist er ihr Schatten, unser Schatten, der Schatten des Malers?». Das Rätselhafte hat de Waal auch an der Papst Leo X. gewidmeten Erstausgabe der gesammelten Werke des griechischen Philosophen Plato gereizt. Denn das 1513 gedruckte Buch steckt in einem Pergamenteinband, der mehrfach verwendet wurde und dessen ursprüngliche Beschriftung noch durchschimmert.

Das Kunsthistorische Museum, 1891 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet, ist die Schatzkammer der Habsburger. Von den rund 7000 Gemälden sind 650 ausgestellt, darunter der berühmte «Große Turmbau zu Babel» von Pieter Bruegel dem Älteren (1525-1569).

KHM zur Ausstellung

Homepage Edmund de Waal

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erstellt am 10.Okt.2016 | 14:29 Uhr

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