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Kultur

03. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Denkmäler : Hermann unter Hochdruck: Ein Nationalsymbol wird gereinigt

vom

Hermann der Cherusker - seit den 80er Jahren ist er nicht mehr gereinigt worden. Doch Flechten und Moose sollen das imposante Denkmal nicht zersetzen. Eine Putzkolonne macht sich deshalb an dem Koloss zu schaffen.

Seit nun 141 Jahren überragt er den Teutoburger Wald: Hermann der Cherusker mit dem Flügelhelm reckt sein Schwert in den Himmel, trotzt Geschichte und Jahreszeiten.

Doch der Zahn der Zeit nagt an dem Wahrzeichen bei Detmold. Moos hat es angesetzt. Flechten überziehen den Sandsteinsockel mit einem dunklen Film. Deshalb hat der Landesverband Lippe nun eine Putzkolonne rangelassen: Unter buchstäblichem Hochdruck rücken Mitarbeiter eines Reinigungsgeräte-Herstellers in dieser Woche den Ablagerungen zu Leibe.

Hubarbeitsbühnen bringen sie auf Augenhöhe mit dem Feldherren Arminius, eingedeutscht Hermann. Mit einer Gesamthöhe von 53,46 Metern für Sockel und Figur ist das Denkmal nach Angaben des Landesverbandes immerhin die höchste Statue Deutschlands. Von oben nach unten arbeiten sich die Putzprofis sich Montag vor, eine Woche soll die Aktion dauern.

«Die Figur haben wir eigentlich nur heiß abgeduscht, von Staub und Schmutz befreit. Unser Fokus liegt nun auf dem Sandsteinsockel mit etwa 2000 Quadratmetern Oberfläche», sagt Thorsten Möwes. Seit 15 Jahren leitet er das Projekt Kultursponsoring bei Kärcher, bei dem weltweit schon über 100 Monumente gereinigt wurden - die Christusstatue in Rio de Janeiro zum Beispiel oder die New Yorker Freiheitsstatue. Nun ist der Hermann dran.

Das Kalkül: Die Leute davon zu überzeugen, dass das, was für den Hermann gut genug ist, auch für Liebgewonnenes in Haus und Hof taugt. Für den Landesverband Lippe ist die Aktion jedenfalls ein Glücksfall, wie Verbandsvorsteherin Anke Peithmann sagt. Angesichts knapper öffentlicher Mittel für den Denkmalerhalt sei man dankbar, dass Kärcher angefragt habe, die Hermann-Statue zu reinigen.

Mit einer halben Million Besucher pro Jahr ist sie immerhin eines der beliebtesten Ausflugsziele in Nordrhein-Westfalen - und ein imposantes Nationalsymbol. Die Pläne für das Denkmal reichen zurück bis ins Jahr 1819 - eine Zeit, in der die Erinnerung an die Befreiungskriege gegen die französischen Besatzer noch lebendig war. Der Bildhauer Ernst von Bandel wollte ein Monument schaffen, dem es gelingt, den einstigen Flickenteppich aus Staaten zu einer deutschen Nation zu einen.

Dafür den Cherusker Arminius auf den Sockel zu heben, war naheliegend. Er steht für einen deutschen Gründungsmythos: für den Sieg der Germanen über die Römer in der Varusschlacht vor rund 2000 Jahren. Bandel gab sein gesamtes Vermögen für seinen Hermann aus. Die Fertigstellung erlebte er nicht mehr.

141 Jahre später schwingen Möwes und seine Mitarbeiter die Düsen der riesigen Hochdruckgeräte. Fahren mit dem Strahl Stein für Stein vorwärts. «Das dient weniger der Optik, sondern dem Erhalt», erklärt Möwes. Mit Hitze, Druck und Wasser lösen sich winzige Pflänzchen und Algen aus dem empfindlichen Gestein. «Flechten können Säure absondern, die den Stein zersetzen», erklärt er. Mikro-Wurzeln über die Wasser in den Stein dringt, machten schon jetzt Probleme, ergänzt Catrin Will von der Unteren Denkmalbehörde in Detmold. Friert das Wasser, platzt der Stein, sagt sie und zeigt auf Flickstellen in großer Höhe. 

«Die Hitze des Wassers tötet die biologischen Ablagerungen erstmal ab, so dass sie nicht so schnell wiederkommen», erläutert Möwes. Zum Glück seien diese natürlichen Feinde die einzige größere Gefahr - nicht wie in Städten, wo Autos und Industrieemissionen den Stein zersetzen: «Hier oben ist die Luft ja sauber», sagt er und genießt noch einen Moment den Ausblick. Bevor er sich wieder Hermann dem Cherusker zuwendet.

Informationen zum Hermannsdenkmal

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erstellt am 07.Sep.2016 | 17:54 Uhr

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