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Kultur

03. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Philosophische Seelsorge : Gespräche über Lebenssinn und Wege aus der Krise

vom

Der Traum vom Dauerglück macht anfällig: Wer so denkt, den treffen Unglück und Krankheit oft unerwartet und drücken ihn nieder. Der Philosoph Wilhelm Schmid zeigt, wie man schwierige Lebenslagen anders betrachten kann.

Mit seinem Buch «Gelassenheit» von 2014 traf Wilhelm Schmid einen Nerv. Seither hält sich der kompakte Band beharrlich in den Bestenlisten. Schmidts neues Werk ist mit fast 400 Seiten deutlich dicker und schwergewichtiger. Der Titel «Das Leben verstehen» gibt ein ambitioniertes Ziel vor.

Der Philosoph und Autor erzählt darin von regelmäßigen Kurzzeit-Einsätzen in einem Krankenhaus in der Nähe von Zürich. Dort sprach er über zehn Jahre hinweg mit den verschiedensten Kranken, mit Ärzten, Pflegern und anderen Hospitalmitarbeitern. Er hörte den Menschen viel zu. Und versuchte zu ergründen, was ein gutes, gelingendes Leben ausmacht.

Doch warum tat er das an einem Ort, an dem es oft weniger um Glück und häufig um Krankheit und Tod geht? «Meine Freunde und Familie haben gesagt: Willst du nur eine Schönwetter-Lebenskunst. Oder willst du mit dem wahren Leben zu tun haben? Und dann habe ich mich entschieden: Ich möchte eine Lebenskunst für das wahre Leben. Und das wahre Leben ist das Leben, das auch infrage stehen kann», erzählt der 63-Jährige bei einem Treffen in seiner Berliner Wohnung.

«Krankheit kann blanker Zufall sein. Unglück, wie man das nennt», fasst er seine Erkenntnisse zusammen. «Viele Menschen träumen davon, dass es immer nur Glück gibt, aber es gibt leider auch Unglück. Und ich glaube, es ist besser, das von vornherein mit einzubeziehen.»

Der Bestsellerautor Schmid berichtet in Ich-Form von seinen Unterhaltungen als «philosophischer Seelsorger». Zwischendurch erläutert er auf gut verständliche Weise einige der Säulen der antiken Philosophie.

Bei seinen Arbeitsbesuchen stieß er auf Menschen, die Krise und Krankheit als Chance für sich begreifen. Und er spürt, dass die Suche nach dem Sinn des Lebens viele Leute tief im Inneren umtreibt.

«Sinn finden geht! Auch unter widrigsten äußeren Bedingungen», resümiert er. «Das Erstaunliche an meinen Erfahrungen aus dem Krankenhaus ist, dass nicht ich den Menschen gesagt habe, worin sie Sinn zu finden haben.» Sondern die Leute hätten in den Gesprächen selber herausgefunden, was ihnen weiterhilft.

Schmid greift viele Fragen auf, die sich Leser vielleicht schon einmal selbst gestellt haben: «Haben Schmerzen einen Sinn?» etwa und «Was ist Krankheit?». Das Sachbuch ist in viele Abschnitte unterteilt, so dass man gezielt nach Themen suchen, Teile lesen und andere auslassen kann. Zumal einige zentrale Einsichten gleich an mehreren Stellen in ähnlicher Form vorgetragen werden - was man mehr oder weniger mögen kann.

- Wilhelm Schmid: Das Leben verstehen. Von den Erfahrungen eines philosophischen Seelsorgers. Suhrkamp Verlag 2016, 382 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-518-42569-5.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 14:13 Uhr

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