zur Navigation springen

Kultur

05. Dezember 2016 | 15:37 Uhr

Ein Porträt : «Gegen den Hass»: Friedenspreisträgerin Carolin Emcke

vom

Martin Buber, Jürgen Habermas, Susan Sontag: Jetzt hat Carolin Emcke selbst den Preis bekommen, den einst große Vorbilder von ihr erhielten. Die Autorin ist vor allem eines - eine Kämpferin.

Die neue Friedenspreisträgerin Carolin Emcke gehört zu den profiliertesten Journalistinnen der Republik. Einen Namen hat sie sich vor allem mit ihren Berichten aus Kriegs- und Krisengebieten gemacht, denen das Mitleid mit den Geschundenen oft bis an die Schmerzgrenze eingeschrieben ist.

Darüber hinaus ist die promovierte Philosophin aber auch einewichtige Intellektuelle, die sich etwa über die wachsendeAggressivität und die Polarisierung in unserer Gesellschaft Gedankenmacht.

«Gegen den Hass» heißt ihr neuer Band, der jetzt zur FrankfurterBuchmesse herausgekommen ist. Darin schreibt sie gegen den religiösenund nationalistischen Fanatismus an - und setzt ein Menschenbild derVielfalt entgegen. Wenn es um Rassismus und die Herabsetzung vonMinderheiten geht, sei es Pflicht der Zivilgesellschaft zuwidersprechen, verlangt sie.

Politisches und Privates - Emcke hat 2013 über die Entdeckung ihrereigenen Homosexualität ein Buch veröffentlicht - gehören für die49-Jährige untrennbar zusammen. Ihr Leben ist für sie gleichbedeutendmit sozialem Engagement.

Genau dafür hat ihr der Stiftungsrat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zugesprochen. «DasWerk von Carolin Emcke wird somit Vorbild für gesellschaftlichesHandeln in einer Zeit, in der politische, religiöse und kulturelleKonflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen», heißt es in derBegründung.

Begonnen hat Emcke ihre journalistische Karriere 1998 als Redakteurinbeim «Spiegel», der sie bald in Krisenregionen wie Kosovo,Afghanistan, Pakistan, Irak und den Gaza-Streifen schickte. 2004erschien ihr erstes Buch «Von den Kriegen - Briefe an Freunde», indem sie diese Erfahrungen aufarbeitet und die eigene Rolle alsBeobachterin reflektiert.

1967 in Mülheim an der Ruhr geboren und in behüteten Verhältnissenaufgewachsen, studierte sie in Frankfurt, London und in HarvardPhilosophie, Politik und Geschichte. Ihren Magister machte sie beiJürgen Habermas, der zusammen mit anderen Aushängeschildern derFrankfurter Schule bis heute gern von ihr zitiert wird.

Seit 2007 ist Emcke als freie Publizistin tätig, über Jahre hinwegvor allem mit vielfach ausgezeichneten Reportagen und Essays für «DieZeit». Seit 2014 hat die Wahlberlinerin eine Kolumne in derWochenendausgabe der «Süddeutschen», die sie vorübergehend ausgesetzthat. Mit ihrer Mischung aus Coolness und Verbindlichkeit ist die gernschwarz gekleidete Tough-Frau auch in öffentlichen Diskussionengefragt - etwa bei ihrer monatlichen Reihe «Streitraum» an derBerliner Schaubühne.

In ihrem Buch «Stumme Gewalt» (2008) hat sie sich mit derRoten-Armee-Fraktion auseinandergesetzt. Emcke war Patenkind des 1989von der RAF bei Frankfurt ermordeten Deutsche-Bank-Chefs AlfredHerrhausen. Im Buch plädiert sie für einen Verzicht auf Gewalt undRache und die Einsetzung einer Art Wahrheitskommission. Den Mord anihrem Onkel nennt sie «eine traumatische Erfahrung». Bei derVerarbeitung könne letztlich auch ein solches Buch nicht helfen. «Manmuss damit ringen und hadern.»

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Die Preisträger

der Schaubühne

zur Startseite

von
erstellt am 23.Okt.2016 | 14:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert