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Kultur

03. Dezember 2016 | 12:45 Uhr

Ausstellung in Flensburg : Emil Noldes vergessene Briefe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Flensburger Museumsberg zeigt in einer neuen Ausstellung einen sensationellen Fund – handschriftliche Korrespondenzen des Expressionisten.

Das sitzt: „Ich weiß sehr wohl, daß meine Kunst sich nicht an das Flensburger Publicum richtet, auch nicht speciel an das der haimatlichen Provinz.“ Diese Zeilen schreibt ein enttäuschter Emil Nolde 1909 an den damaligen Direktor des Flensburger Museumsbergs, Ernst Sauermann (1880-1956). Es ist die Reaktion auf die erste große Einzelausstellung Noldes, die jedoch in der Fördestadt zumindest keine Käufer anlockte. Und diese Zeilen prangen nun groß in den neu konzipierten Ausstellungsräumen eben jener „haimatlichen Provinz“. Am Freitag eröffneten der Museumsberg und der Kunstverein Flensburg im Hans-Christiansen-Haus die Ausstellung „Nolde in Flensburg“. Sie ist gleichzeitig der Startschuss einer ganzen Reihe von Nolde-Ausstellungen und -Aktionen in Schleswig-Holstein. Denn im kommenden Jahr feiert das Land den 150. Geburtstag des 1867 in Nolde bei Tondern geborenen und 1956 in Seebüll gestorbenen Expressionisten, Emil Hansen, der sich später nach seinem Geburtsort benannte.

Nolde war in den 20 Jahren, die das Hans-Christiansen-Haus als Museum fungiert, immer präsent, aber das neue Konzept von Kuratorin Dörte Ahrens kommt der in die Jahre gekommenen Präsentation seiner Werke sehr zugute. Doch es gibt noch einen weiteren Anlass, sich der Beziehung Noldes zu Flensburg neu zu nähern: Der Kunsthistorikerin Kirsten Fitzke gelang im Rahmen ihrer Provenienzforschung ein bedeutender Fund. In der Kieler Wohnung von Ernst Sauermann stieß sie auf eine umfangreiche Sammlung handschriftlicher Briefe Emil Noldes an den einstigen Museums-Direktor. Teile dieser Korrespondenz werden jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, darunter auch der eingangs erwähnte Brief.

Die Wohnung („300 Quadratmeter in bester Lage“ – mehr möchte man seitens des Museums nicht verraten) sei „sortiert vollgestopft bis hin zu den Locken der Sauermann-Kinder“, so Fitzek. Vor sich hat sie einen alten Aktenordner, dessen Zustand eindeutig klar macht: ,Ich bin Kunstgeschichte.‘ Neben den etwa 50 Briefen Noldes – überwiegend von seiner Frau Ada niedergeschrieben, von Emil unterzeichnet – sind auch Schreiben von wichtigen Historikern wie Gustav Pauli. „Sauermann hat die gesamte Korrespondenz von 1904 bis 1921 zeitgenössisch nach der Arbeit mit nach Hause genommen.“ Deswegen sei in den Archiven des Museumsbergs so wenig aus der frühen Geschichte des Hauses zu finden gewesen, so Fitzke. Seit Juni erforscht sie die Herkunft der Kunstwerke in der Sammlung des Museums. Ein Problem bleibe aber nach wie vor die Zeit des Nationalsozialismus vor 1945. „Hier besteht der Verdacht, dass viele Dokumente vernichtet wurden.“ Die Kunsthistorikerin hofft nun, dass es durch die Ausstellung Rückmeldungen von Menschen geben könnte, die historische Dokumente haben, mit denen sich Licht in dieses dunkle Kapitel bringen lässt.

Doch zurück zu Nolde und Flensburg: Hier begann 1884 bis 1888 die berufliche Laufbahn des berühmten Expressionisten. In der Möbelfabrik von Heinrich Sauermann (1842-1904), Gründer des Museumsberges und Vater des späteren Museumsdirektoren Ernst, lernte Nolde das Handwerk des Möbelschnitzens und -zeichnens. Zwar kehrte er 1888 Flensburg den Rücken, jedoch blieb er der Stadt, dem Museumsberg und den Sauermanns stets verbunden. So ist es vor allem Ernst Sauermann, der Nolde schon früh fördert, seine Werke kauft und den Künstler im Kollegenkreis bekannt macht.

Auf 120 Quadratmetern versammelt die neue Ausstellung 70 Originale des Expressionisten, darunter die drei wohlbekannten Ölgemälde „Gelbe und hellrote Dahlien“ (1937), „Bauernhof“ (1910) und „Hohe Wogen“. Letzteres soll das Lieblingsbild von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein, wie sie in einem Interview verriet. Im Museumsberg sei sie jedoch bislang noch nicht gewesen, erzählt Museumsdirektor Michael Fuhr am Rande der Vorabbesichtigung. Diese drei Werke dominieren die Ausstellung. Dennoch gibt es viel zu entdecken: Neben den handschriftlichen Briefen werden einzigartige Aquarelle, und Grafiken – darunter Radierungen wie „Spuk“ (1905) und Farbdrucke der Bergpostkarten (1887), die in hoher Stückzahl gedruckt Nolde finanzielle Unabhängigkeit bescherten – in Szene gesetzt.

Möglich macht das vor allem eine Finanzspritze in Höhe von etwa 30.000 Euro für ein neues Beleuchtungssystem und unter anderem die multimedial didaktische Aufbereitung der Ausstellung durch den Kunstverein Flensburg.

Ausstellung „Nolde in Flensburg“, bis zum 30. Dezember 2017, Museumsberg Flensburg. Einen Katalog wird es erst im März 2017 geben, wenn die Briefe wissenschaftlich bearbeitet sind.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 10:05 Uhr

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