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Kultur

09. Dezember 2016 | 12:35 Uhr

Museen : Dresden baut Museum für Archiv der Avantgarden

vom

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) erforschen, bewahren und präsentieren künftig das weltgrößte Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts von Egidio Marzona. Der international bedeutende Kunstsammler und Mäzen schenkt Sachsen das etwa 1,5 Millionen Objekte umfassende einzigartige Konvolut, dies wurde am Mittwoch in Dresden besiegelt.

«Ich habe das Gefühl, dass es der richtige Ort sein kann», sagte Marzona danach. Der Freistaat stellt für die Sammlung, die vom Expressionismus und Futurismus, Informel, Pop und Fluxus bis zur Postmoderne und den Jungen Wilden reicht, ein eigenes Haus samt personeller Ausstattung zur Verfügung.

Dafür wird ein barockes Gebäude am Elbufer gegenüber der Altstadt für rund 20 Millionen Euro saniert, gab Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bekannt. Es soll 2019 fertig sein. Tillich sprach von einem «glücklichen Tag» und einem Signal, sich gerade jetzt der Kulturstadt zuzuwenden. «Sachsen hat nicht den besten Ruf in den letzten Monaten», erklärte er mit Verweis auf «eine kleine Minderheit», der Weltoffenheit und Internationalität wenig oder nichts bedeuteten.

Dass «einige Irregeleitete» die Stadt in Verruf gebracht hätten, «hat mich nicht abgeschreckt, im Gegenteil», bekannte Marzona. Mit der Schenkung wolle er die Bürgerschaft unterstützen und Beispiel geben, sich für die Weiterentwicklung der Kultur in Dresden zu engagieren. Die designierte SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann sieht darin eine «einmalige historische Chance» für die SKD. Der Verbund forschender Museen könne seine Kompetenz weiter ausbauen und in idealer Weise an die hiesigen Anfänge der Avantgarde in der Kunst anknüpfen, erklärte sie unter Verweis auf Reformbewegung, «Brücke» oder Neue Sachlichkeit.

Bei der Erforschung des Archivs setzt sie auf Internationalität, bei Präsentation und Vermittlung auf Innovation. Die Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin soll intensiviert werden. Beide Institutionen profitierten gleichermaßen von der Großzügigkeit des Sammlers, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einer Mitteilung. Das Archiv der Avantgarden in Dresden sei keine Konkurrenz für Berlin, dem Marzona bereits Teile seiner Sammlung und seines Archivs übereignete, «sondern eine Bereicherung für die Kulturnation Deutschland».

Der 1944 in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) geborene Marzona gilt als einer der weltweit wichtigsten Sammler zeitgenössischer Kunst und großen Mäzene der Gegenwart. Sein seit Ende der 1960er Jahre angelegtes Archiv der Avantgarden umfasst Briefwechsel, Manifeste, Skizzen und Collagen, Plakate, Fotografien und Filme. Dazu kommen Kataloge, Künstlerbücher und Zeitschriften sowie exemplarische Kunstwerke wie Skulpturen, Gemälde bis zu Designobjekten. Er habe viele der Künstler persönlich gekannt und spüre große Verantwortung und Verpflichtung, diese Dinge an den richtigen Ort zu führen, sagte er. «Mir fällt eine große Last von den Schultern.»

Pressemitteilung der SKD

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erstellt am 22.Jun.2016 | 16:49 Uhr

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