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Kultur

03. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Museen : Deutsches Burgenmuseum öffnet auf der Heldburg

vom

Stolze Burgen und verwunschene Ruinen sind von Alters her von Mythen und Legenden umwoben. Sie wurden besungen und werden heute von Wanderern erobert. Über ihren Zweck und den Alltag ihrer Bewohner ist oft wenig bekannt. Das Deutsche Burgenmuseum will das ändern.

Von der Ritterrüstung über gotische Malerei bis zum Topf aus der Burgküche: Unter dem Titel «Mythos Burg» informiert das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg in Thüringen seit Donnerstag über Rolle, Entwicklung und den Alltag der Burgen vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

Die 250, teils einzigartigen Exponate, sollen auf 1700 Quadratmetern auch so manche Film-Legende über ständige Ritterkämpfe, Saufgelage und das turbulente Alltagsleben auf den Burgen gerade rücken. Nur etwa jede dritte Generation auf einer Burg war nach Schätzungen von Historikern belagert worden. Auch Folterkeller hat es nicht auf jeder Burg gegeben. Der Alltag war vielmehr vom Organisieren des Lebens oder dem Eintreiben von Steuern bestimmt.

Die 15 historischen Räume, in denen erst kurz vor Eröffnung Handwerker und Ausstatter ihr Werkzeug zusammenpackten, geben Prunkbett, Musikinstrumenten und jahrhundertealtem Spielzeug den angemessen Rahmen. Für die Museumsausstattung flossen nach Angaben des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, das das inhaltliche Konzept erarbeitete, rund zwei Millionen Euro. Es steuerte neben dem Historischen Museum Berlin auch viele Leihgaben bei, wie Generaldirektor Ulrich Großmann sagte, der auch im Vorstand des Burgenmuseums ist.

Die Sanierung des 1982 bei einem Brand schwer beschädigten Schlosses kostete nach Angaben der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bisher 8,2 Millionen Euro. 7,2 Millionen Euro gaben davon EU, Bund und das Land Thüringen, wie Direktor Helmut-Eberhard Paulus sagte. Die Stiftung als Eigentümer der Anlage gab 1 Million Euro.

Rund 25 000 Burgen und Ruinen im deutschsprachigen Raum gibt es nach Expertenangaben noch heute. Etwa noch einmal so viel sind über die Jahrhunderte verschwunden. Zwar zählen allein die Burgen und Schlösser in Deutschland pro Jahr rund 25 Millionen Besucher, von der allgemeinen Geschichte erfahren sie vor Ort jedoch oftmals wenig. Bereits 1997 entstand so bei Museumsleuten die Idee, ein Deutsches Burgenmuseum aufzubauen. Fast 20 Jahre dauerte es, bis das ehrgeizige Projekt in Erfüllung ging. Ein Standort musste gefunden, Fördergelder angezapft werden. Erwartet werden bis zu 50 000 Besucher im Jahr.

Die Veste Heldburg mit ihren Türmen, Schlossmauern und dem 114 Meter tiefen Brunnen eignet sich dafür hervorragend. Mit ihren auf unterschiedlichen Epochen zurückgehenden Bauten stehe sie exemplarisch für die Entwicklung vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, sagte Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) zur Eröffnung. Sie war mittelalterliche Verteidigungsanlage, wehrhaftes Schloss und Ort der Burgenromantik. Meiningens «Theaterherzog« Georg II. ließ die Anlage im 19. Jahrhundert nach seinen romantischen Vorstellungen verändern.

Ihm schwebte ein Märchenschloss vor: Das Ensemble bekam ein mittelalterliches Aussehen. Auch Gemächer und Säle im Französischen Bau, die zum Museumsrundgang gehören, entsprachen seinen romantischen Vorstellungen von einer mittelalterlichen Burg. Die Musiker Johannes Brahms und Max Reger, die Maler Ernst Haeckel und Franz von Lehnbach waren dort einst Gast des «Theaterherzogs».

Bis 1945 bewohnten seine Nachkommen die Burg, darunter Regina von Sachsen-Meininingen, die spätere Frau Otto von Habsburgs. Nach der deutschen Teilung war dort ein Kinderheim untergebracht. 1982 wurde die Burg bei einem Feuer schwer beschädigt und verfiel. Nach 1990 sei die Veste an der einstigen innerdeutschen Grenze zu einem Symbol der Wiedervereinigung geworden, sagte Paulus. Dies sei auch ein Grund, warum das Engagement der Menschen in der Region für dieses Denkmal - wie bei etlichen anderen Projekten deutschlandweit - nicht eingeschlafen sei. Die Heldburg ist weit bis nach Franken hinein sichtbar und wird deshalb auch «Fränkische Leuchte» genannt.

Noch ist die Sanierung der Veste nicht abgeschlossen. Es fehlt auch noch Gastronomie. Aber es sei etwas angestoßen worden, was Zukunft haben könne, sagte Paulus. «Tradition im eigentlichen Sinn sollte niemals Nostalgie sein.»

Deutsches Burgenmuseum

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erstellt am 08.Sep.2016 | 15:56 Uhr

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