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Zickzackkurs : British Sea Power singen wieder Stadionhymnen

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Sie hätten so stadiongroß werden können wie Coldplay, zogen aber lange Zeit spannende Experimente und stilistische Seitenwege vor. Jetzt kehren British Sea Power zu einem kommerzielleren Sound zurück.

Berlin (dpa)  - Als «Band aus Großbritannien, die melodischen Gitarrenpop mit experimentellen Elementen aus Post-Punk, Elektro und auch Krautrock produziert», definiert ein anonymer Wikipedia-Kollege das Sextett British Sea Power. Ja, gut getroffen.

Auf den Alben seit dem Debüt «The Decline Of British Sea Power» (2003) waren diese Elemente in unterschiedlicher Ausprägung spürbar. Allein die drei jüngsten Platten deckten ein weites Feld ab: «Machineries Of Joy» (2013) bot tolle, düstere Gitarrenrock-Epen; «From The Sea To The Land Beyond» (2013) war ein ganz überwiegend instrumentaler, äußerst atmosphärischer Dokumentarfilm-Soundtrack; und auf «Sea Of Brass» (2015) näherten sich BSP dem eigenen Output in wagemutigen neuen Arrangements mit einem Bläser-Ensemble.

Von der breiten Masse der Plattenkäufer wurde dieser sehr respektable stilistische Zickzackkurs seit längerem nicht mehr so honoriert wie beim Erfolgsalbum «Do You Like Rock Music?» von 2008. Vielleicht auch deswegen legen British Sea Power nun mit «Let The Dancers Inherit The Party» (Caroline) ein Werk vor, das mit etwas glatteren Poprock-Sounds an alte Erfolge anknüpfen könnte.

Die Texte sind zwar weiterhin oft politisch (und folgerichtig nicht gerade optimistisch), aber die zwölf Songs haben nun wieder hymnische Melodien zum Mitsingen. Ein Stück heißt programmatisch «Keep On Trying» (frei übersetzt: Einfach weitermachen), im Refrain skandieren die Sänger Yan und Hamilton Wilkinson überraschenderweise auf Deutsch «Sechs Freunde». Die Band versichert sich auf diesem Album nach längerer Experimentierphase also ihrer Freundschaft - und ihrer Fähigkeit, Britrock-Hits zu schreiben.

Das können British Sea Power wirklich, mit fetten Gitarren, bombastischen Keyboard-Effekten und großen Chor-Harmonien (etwa in «Electrical Kittens», «Saint Jerome» oder «Want To Be Free»). Ob man ihre gelegentliche Annäherung an die Simple Minds der 80er Jahre, an U2, Travis oder Coldplay nun super findet oder inkonsequent rückwärtsgewandt, bleibt jedem BSP-Fan überlassen. Einige neue Repertoire-Highlights (Tipp: «Praise For Whatever», das Lied mit der markanten Albumtitel-Textzeile!) dürften aber für jeden Geschmack dabei sein.

Konzerte: 18.5. Hamburg, 19.5. Berlin, 21.5. Wien, 23.5. Zürich, 24.5. München, 25.5. Köln

British Sea Power

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erstellt am 12.Apr.2017 | 10:51 Uhr

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