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Kultur

08. Dezember 2016 | 17:15 Uhr

Abschluss des Schleswig-Holstein Musik Festivals : Besucherzahlen beim SHMF: Eine Frage der Perspektive

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Intendant Christian Kuhnt zieht trotz eines leichten Besucherrückgangs ein positives Fazit des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) .

Kiel | Großes Finale: Mit einer Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn geht am Sonntag (20 Uhr) in Kiel das Schleswig-Holstein Musik Festival nach acht Wochen zu Ende. Die Bilanz der Besucherzahlen ist eine Frage der Perspektive. Der Veranstalter zeigt sich zumindest zufrieden, trotz dass weniger Zuhörer den Konzerten lauschten als im vergangenen Jahr.

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Die selbst gesetzte Marke ist überschritten, wenn auch knapp. 150.000 Besucher pro Jahr will SHMF-Intendant Christian Kuhnt mindestens erreichen, 151.000 Besucher waren es in den vergangenen zwei Monaten. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Kuhnt gestern. Dass im Vergleich zum Vorjahr 3000 Besucher weniger kamen und die Auslastung mit 84 Prozent ebenfalls zurückgegangen ist (2015: 88 Prozent), war für den Intendanten kein Problem: „Unsere Erwartungen wurden erfüllt, denn die Besucherzahlen zeigen, dass wir auch mal das stille Fach bedienen können und die Menschen trotzdem kommen.“

Das stille Fach, damit meinte Kuhnt nicht nur den introvertierten, aber trotzdem sehr unterhaltsamen, ungarischen Pianisten András Schiff, der in diesem Jahr mit zehn Konzerten das Solistenporträt gestaltete (und fast immer ausverkauft war), sondern auch die Werke des österreichischen Komponisten Joseph Haydn, dem die Komponisten-Retrospektive gewidmet war. Rund 100 der 178 Konzerte in diesem Jahr beschäftigten sich mit dem Werk des Österreichers.

Das NDR Elbphilharmonie Orchester beim Eröffnungskonzert die gefeierte „Oxford“-Sinfonie von Joseph Haydn.

„Wir wollten Haydn mal in einem ganz anderen Licht präsentieren und zeigen, dass er völlig zu Unrecht im Schatten von Beethoven und Mozart steht“, sagte Kuhnt: „Seine Musik ist so genial, dass sie dringend neu entdeckt werden muss.“ Das gelang in vielen Fällen, auch weil echte Haydn-Spezialisten wie Ton Koopman, Giovanni Antonini und Kristian Bezuidenhout beim Festival dabei waren.

Nach Darstellung von Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) hat das SHMF ein weiteres Mal deutlich gezeigt, „dass es ein Musikfestival von Weltgeltung mit enormem Besucherzuspruch ist“. Das Musikfestival sei eine Visitenkarte für Schleswig-Holstein. Die Landesregierung werde es auch weiterhin mit gut 1,2 Millionen Euro im Jahr fördern. Auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gratulierte Intendant Kuhnt und dessen Team zu einem großartigen Musiksommer.

Christian Kuhnt
Christian Kuhnt Foto: shz

Einer der Höhepunkte dieses Jahres war – auch was die Zahl der Besucher anging – das Festwochenende zum 30-jährigen Bestehen des Festivals. Eine Geburtstagssause an zwei Tagen im Büdelsdorfer Kunstwerk Carlshütte, mit Haydns „Jahreszeiten“ und literarischen Einlassungen von Klaus Maria Brandauer. 3000 Menschen feierten mit und nutzten gleichzeitig die Gelegenheit zum Besuch der Nord-Art. „Für mich waren diese Tage der beste Beleg dafür, wie gut das Zusammengehen der verschiedenen Künste funktioniert“, sagte Kuhnt gestern.

Er wird auch Sonntagabend in Kiel dabei sein („Mein 60. Konzert während des Festivals“), wenn mit Haydns „Schöpfung“ in der ausverkauften Sparkassen-Arena das 30. Schleswig-Holstein Musik Festival zu Ende geht.

Ein Festival, bei dem gerade im Vorfeld viel über die Probleme mit den Spielstätten Kieler Schloss und Lübecker Musik- und Kongresshalle gesprochen wurde; ein Festival, bei dem der Blick natürlich auch in Richtung Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie im kommenden Jahr geht. „Ich sehe die Elbphilharmonie überhaupt nicht als Konkurrenz oder Bedrohung, ganz im Gegenteil: Sie ist eine willkommene Bereicherung für das kulturelle Leben im Norden“, sagt Kuhnt. Aus Intendantensicht eine nachvollziehbar optimistische Aussage, die sich aber noch bewahrheiten muss.

Immerhin: Sicher ist, dass der neue Hamburger Prachtbau im kommenden Jahr auch Spielstätte des SHMF wird. Oder wie Kuhnt es ausdrückt: „Wir sind Hamburg dankbar dafür, dass es dem Land Schleswig-Holstein eine neue Ambiente-Spielstätte gebaut hat.“ Alles eine Frage der Perspektive also – wie bei den Besucherzahlen.

Das Abschlusskonzert wird im Rahmen des ARD-Radiofestivals von NDR Kultur morgen ab 20 Uhr live übertragen. Der britische Dirigent Sir Roger Norrington leitet in der Sparkassen-Arena vor mehreren tausend Zuhörern das NDR Elbphilharmonie Orchester. Neben hochkarätigen Solisten singt der rund 180-köpfige Festivalchor.

(mit dpa)

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erstellt am 28.Aug.2016 | 10:17 Uhr

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