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Kultur

28. September 2016 | 20:46 Uhr

Jüdisches Museum Rendsburg : Ausstellung: Schlüsselszenen zu Schindlers Liste

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine Sonderausstellung mit Illustrationen und Grafiken von Erhard Göttlicher wird am Donnerstag im Jüdischen Museum Rendsburg eröffnet.

Rendsburg | Der Künstler hatte nur eine kurze Bedenkzeit. Erhard Göttlicher war gefragt worden, ob er den Auftrag annehmen wolle, den Vorabdruck eines Romans zu illustrieren. Das Magazin „Stern“ plante 1982 die Veröffentlichung des Buches „Schindlers Liste“ des australischen Schriftstellers Thomas Keneally. „Mir wurde im Büro des Art-Direktors ein Stapel von Manuskripten überreicht.“ Der Grafiker überflog nur einen Absatz. Dann war für ihn die Sache klar. „Ich habe schnell mein Ja-Wort gegeben.“

Die Originalgrafiken des Schindler-Zyklus sind ab heute bis zum 1. Mai im Jüdischen Museum Rendsburg zu sehen, das sich seit 2001 in der Trägerschaft der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf befindet. Erhard Göttlicher, der von 1971 bis 1994 zahlreiche Illustrationen für den „Stern“ anfertigte, zeichnete für die Keneally-Geschichte 15 Schlüsselszenen, die er mit schonungsloser Genauigkeit umsetzte. Die großformatigen Werke zeigen ausgemergelte Menschen, Tote und Männer in Nazi-Uniform. Der Roman erzählt von Oskar Schindler, der 1200 Juden aus dem Holocaust rettete. Das Buch diente 1993 auch als Vorlage für Steven Spielbergs weltberühmten Film „Schindlers Liste“, der mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde.

„Der Roman-Vorabdruck mit den Illustrationen wurde sofort ein großer Erfolg“, erinnert sich Erhard Göttlicher. Der 69-jährige Künstler, der in Uetersen lebt, gehört seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Vertretern eines malerischen „Realismus der Gegenwart“ in Deutschland. Er war Professor für Illustration und Zeichnen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. In Schleswig-Holstein ist der Maler und Grafiker unter anderem durch seine Teilnahme an den Ausstellungen und Symposien der „Norddeutschen Realisten“ bekannt geworden.

„Wir freuen uns, dass wir Erhard Göttlicher mit einer großen Einzelausstellung würdigen können“, sagt Dr. Carsten Fleischhauer, Leiter des Jüdischen Museums Rendsburg. Denn neben den 15 Schindler-Grafiken präsentiert die Schau über 30 weitere Werke Göttlichers, die die NS-Herrschaft, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust thematisieren. Besonders eindringlich sind die Illustrationen zu Bühnenstücken des 1938 im Exil gestorbenen österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horvath, die jetzt erstmals seit 30 Jahren öffentlich gezeigt werden. Außerdem gehört ein Dokumentationsraum zu der Präsentation in Rendsburgs ehemaliger Synagoge, in dem unter anderem ein ehemaliger „Schindlerjude“ über seine Rettung berichtet.

Auch Mietek Pemper überlebte die NS-Zeit. Der 2011 im Alter von 91 Jahren verstorbene jüdische Deutsch-Pole hatte als Schreiber des KZ-Kommandanten Amon Göth in Krakau-Plaszow unter Lebensgefahr die Namen von Häftlingen an den Fabrikanten Oskar Schindler geliefert. Dieser hatte seine Emaillewarenfabrik als kriegswichtig einstufen lassen und konnte dadurch Juden aus dem KZ als billige Arbeitskräfte anfordern. Schindler übernahm auch Pemper als Zwangsarbeiter und rettete ihn damit vor der Ermordung.

US-Regisseur Steven Spielberg holte sich später für seinen Film den Rat von Mietek Pemper. Und auch Erhard Göttlicher arbeitete für seinen Schindler-Zyklus eng mit dem Helfer von Oskar Schindler zusammen. „Ich wollte keine Fehler machen“, sagt Göttlicher. Daher habe er jede fertige Illustration zur Kontrolle per Fax an Mietek Pemper in Augsburg geschickt. „Er wusste ja genau, wie die realen Personen ausgesehen haben.“ Der Zeitzeuge segnete die Grafiken entweder ab oder schlug Korrekturen vor. Erhard Göttlicher: „Ich habe mich dann strikt daran gehalten.“

 

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erstellt am 25.Feb.2016 | 08:12 Uhr

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