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Kultur

09. Dezember 2016 | 18:33 Uhr

Reise durch neue Landschaften : Art-Rock-Kollektiv Archive und der Minimalismus

vom

Archive haben die Fans zwei Jahrzehnte lang mit Klangkunstwerken in neue Soundwelten geführt, um sich nun reduziert wie noch nie neu zu verkabeln. Das neue Album «False Fondation» könnte eine Hymne auf das Minimalistische sein.

Berlin (dpa) - Archive machen auch über zwanzig Jahre nach ihrem ersten Album das, was ihnen am meisten Spaß macht. Sie bewegen sich auf unwegsamem Gelände.

«The False Foundation» hat nichts von den vielen Klangschichten des großen hymnischen Progressiv -oder Art-Rock. Das neue Album nimmt ihn eher als Grundlage für elektronische, drumlastige Industrial-Landschaften, immer wieder durchbrochen von glasklarem Synthie-Pop. Das Art-Rock-Kollektiv von Archive ist in einem neuen, dennoch sehr vertrauten Universum angekommen.

«Ich habe es sehr genossen, das Album zu machen. Es ist mir viel näher als die letzten beiden. Es hat die richtige Bewegung, die richtigen Emotionen», sagt Darius Keeler im dpa-Interview. Der Soundtüftler, Meister der harten, auf den Punkt genauen Beats, beweist auch beim neuen Album wieder Liebe zum Detail. «The False Foundation» ist komplett auf ca. 40 Jahre alten Drum-Computern programmiert, nicht auf Laptops. Das Mixen dauerte ganze drei Monate, bis genau dieser satte Sound herausgearbeitet war. Keeler fügte seinem unerschöpflichen Fundus alte russische Keyboards aus den 70er Jahren hinzu, die Schrift auf den Instrumenten musste er erst einmal übersetzen lassen, damit er sie auch bedienen konnte.

So ist der Opener «The False Foundation» noch ein satter, durchaus tanzbarer Electro-Pop. Bei der Single «Driving in Nails» nehmen Archive uns schon dorthin mit, wo sie verwurzelt sind: in die Tiefen von Industrial und Drumlandschaften bis zu einem reduzierten Hypnotic-Sound, der immer wieder versetzt ist mit Progressiv-Rockelementen. Durch dieses Dickicht begleiten uns Pollard Berrier und Dave Pen, die beiden so einprägsamen und vertrauten Stimmen der Band. «Bright Lights» ist wieder ein Song für Pollard Berrier, intensiv und tief. «Pollard hat den Song einfach so aufgeschrieben in zwanzig Minuten, Dave und er probieren ständig neue Dinge aus, es ist toll», zeigt sich Archive-Pionier Keeler begeistert.

Was man beim Hören erahnen kann: «The False Foundation» ist ein sehr männliches Album geworden. Nicht nur, weil die beiden so ausdrucksstarken Stimmen von Holly Martin und Maria Q fehlen. «Dieses Album hat keine weibliche Gefühlslage», sagt Darius Keeler. «Diese Art der Härte, der Brutalität, die wir einfangen wollten, passte nicht zu Holly und Maria», fügt er hinzu.

Archive zeigen sich auf dem zehnten Studioalbum so reduziert wie lange nicht. Es ist, wie auf jedem ihrer Alben, eine Reise durch neue Landschaften, zu der sie einladen. «Mit jedem neuen Album, das wir veröffentlichen, werden die Veranstaltungen größer und ziehen mehr Leute an», erzählt Keeler, den vor allem der Fanzuwachs in Iran, Russland und Israel glücklich macht. In Großbritannien ist es um die Band, die aus dem Süden Londons stammt, eher stiller. «Wir sollten eigentlich in England mehr Präsenz zeigen. Die Leute dort haben einen hervorragenden Musikgeschmack», schmunzelt Keeler.

Tourdaten: 21.11.2016 Berlin - Admiralspalast, 22.11.2016 Hamburg - Docks, 23.11.2016 München - Muffathalle, 25.11.2016 Köln - Kantine

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erstellt am 12.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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