zur Navigation springen

Kultur

26. März 2017 | 11:23 Uhr

Es bleibt lustig : Alles schlimm - Ronja von Rönnes Kolumnen als Buch

vom

Die Welt ist nicht toll. Auch nicht als junger Mensch in Berlin. Darüber zu schreiben, ist nicht einfallsreich. Aber im Fall von Ronja von Rönne wenigstens lustig. Ihre Kolumnen gibt es nun als Buch, sein Titel ist Programm: «Heute ist schlecht - Beschwerden ans Leben».

Auf der Welt gibt es viele schlimme Orte. Ikea zum Beispiel. AfD-Demos. Oder Berlinale-Partys. Dort jedenfalls war Ronja von Rönne. Die scharfsinnigen Beobachtungen dazu finden sich nun in dem Buch «Heute ist schlecht - Beschwerden ans Leben».

Das Buch vereint einen Großteil ihrer schon auf ihrem Blog «Sudelheft» oder in der «Welt am Sonntag» veröffentlichten Texte. Ein paar neue Geschichten hat die 25-jährige Bloggerin und Journalistin zwar auch geschrieben, trotzdem dürften die meisten Geschichten denen, die von Rönne regelmäßig lesen, bekannt vorkommen. Lustig ist es immer noch.

«Das Problem an eigenen Leben: Sie werden langweilig. Man kennt sich seit einigen Jahrzehnten, man weiß, was man morgens frühstückt, wie oft man duscht und was man gerne anzieht.» Von Rönne bringt ganz gut auf den Punkt, warum man manchmal gerne aus dem eigenen Leben flüchten will: «Im Prinzip ist man sich selbst der ödeste Beziehungspartner überhaupt.»

Die kurzweiligen Texte sind in drei Gruppen gegliedert, was man natürlich nicht ganz ernst nehmen muss: «Warum es schlimm ist», «Wo es schlimm ist» und «Was dagegen hilft». Von Rönne erklärt unter anderem, sie sei immer so wütend, weil ihre Mutter einst all ihre Werbegeschenke wegwarf - es waren CD-ROMs. Oder wie ätzend sie es findet, wenn Menschen T-Shirts mit Mottosprüchen tragen. Sie gibt Tipps gegen Schüchternheit oder Depression (was ihr einige Kritik einbrachte) oder fährt aufs Land, wo sie am Ende etwas sehr seltenes tut: lächeln.

Von Rönnes oft kurzen Texte sind klug und allermeistens witzig, der Ton ist konsequent schnoddrig und selbstironisch. Das muss man mögen. Das Problem ist: Selbst wenn man es mag, nervt es nach einer Weile. Das Buch ist daher keines, das man gern am Stück durchliest. Dazu sind manche Geschichten auch viel zu dicht. Besser man macht sich nach der Lektüre eigene Gedanken dazu, wie schlimm dieses Leben ist - ja, schlimm.

Das Kaufhaus liegt im Sterben: «Jeder Einkauf dort gleicht einer lebensverzögernden Maßnahme, die das Unvermeidliche hinauszögert.» Fremde Kulturen will der Deutsche nur im Urlaub kennenlernen: «Die hiesigen Flüchtlingsheime beklagen sich jedenfalls nicht über den Ansturm aufgeschlossener Bürger, die sonst in Kontaktanzeigen schreiben, dass sie fremde Kulturen interessant finden.» Und dann das Gift aller Beziehungen - Eifersucht: «Am Anfang war ich nur auf Menschen eifersüchtig. Mittlerweile hasse ich jeden Gegenstand mit einem weiblichen Artikel. Die Tischkante. Die Badezimmertür. Die Angst. Alles Schlampen.»

Von Rönne blickt natürlich nicht optimistisch aufs Leben, denn Optimismus ist halt nicht lustig. Stattdessen schaut sie sich die Dinge aus scharfer Distanz an, spitzt zu und übertreibt. Nicht allein deswegen ist sie wohl auch erfolgreich - und umstritten.

Bekannt wurde die 25 Jahre alte Schriftstellerin vor zwei Jahren mit einem provokanten Text zum Feminismus («Warum mich der Feminismus anekelt»), was ihr über Wochen die Schlagzeilen im Feuilleton sicherte. Später distanzierte sie sich von dem Text. Noch im selben Jahr gewann sie beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen inoffiziellen Nebenpreis, 2016 erschien ihr erster Roman «Wir kommen».

Nimmt man aus dem Kolumnenbuch nun etwas Neues mit? Richtige Freunde zu haben, das hilft. Und das Internet kann auch mal aus bleiben.

- Ronja von Rönne: Heute ist leider schlecht - Beschwerden ans Leben, S. Fischer Verlage, 205 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-596-03703-2.

Heute ist leider schlecht - Beschwerden ans Leben

Von Rönnes Feminismus-Text

Blog

zur Startseite

von
erstellt am 07.Mär.2017 | 13:23 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert