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Kultur

11. Dezember 2016 | 07:21 Uhr

Gesellschaft : Ab in den Schredder - Kunst gegen sexuellen Kindesmissbrauch

vom

Neben der Berliner Volksbühne weist ab dem 1. August eine Rauminstallation auf das gewaltige Ausmaß von sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland hin. Im Bücherpavillon am Rosa-Luxemburg-Platz wächst bis Ende August ein Berg von geschredderten CDs und DVDs immer weiter in die Höhe.

Er soll ein Sinnbild für das Zerstören von Datenträgern sein, auf denen Missbrauch als Kinderpornografie gespeichert wird. Die Idee entwickelte Künstler Costantino Ciervo zusammen mit dem Pädophilie-Präventionsprojekt «Kein Täter werden» an der Charité, der Berliner Universitätsmedizin. Dort erhalten Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, therapeutische Hilfe. Schweigepflicht gehört zum Konzept.

«Ein Patient brachte als Zeichen für einen Neuanfang CDs mit, auf denen Missbrauchsdarstellungen gespeichert waren», berichtet Jens Wagner, Pressesprecher des Präventionsnetzwerks «Kein Täter werden». «Er hat dann in unserem Beisein alle Datenträger in einer Schredder-Maschine zerstört.»

Die Reste davon werden unter den drei Kubikmetern Schnipseln sein, die den gläsernen Pavillon ab der kommenden Woche füllen. Rund 70 Prozent der Männer, die sich bisher freiwillig am Berliner Standort von «Kein Täter werden» meldeten und eine Diagnose erhielten, haben bereits solche Missbrauchsbilder angeschaut. In Therapien lernen sie, ihre Neigung zu kontrollieren.

Der italienische Künstler Ciervo, der schon an der Biennale von Venedig teilnahm, will plastisch vor Augen führen, was sich sonst nur in Tabellen der Polizei spiegelt: die große Dimension von Kindesmissbrauch, der heute oft auch gefilmt oder fotografiert wird und dann im Internet oder unter dem Ladentisch kursiert. Dagegen steht die Idee des Schredderns. Ein Video am Bücherpavillon zeigt, wie es abläuft.

Die jüngste bundesweite Kriminalstatistik verzeichnet 14 000 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder. Das Dunkelfeld neben den registrierten Fällen gilt als weitaus größer. Es gebe einen schrecklichen Aufwärtstrend bei der Verbreitung und Beschaffung von Missbrauchsabbildungen, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig.

Allein 2015 sei die Verbreitung von Kinderpornografie um 7,7 Prozent auf 2730 Ermittlungs- und Strafverfahren gestiegen. Konsumenten heizten den Markt mit immer neuen, skrupelloseren und grausameren Darstellungen von sexueller Gewalt gegen Kinder an. «Sie machen auch vor Kleinkindern und Babys nicht Halt.»

Hinter jeder Abbildung verberge sich das unendliche Leid eines Kindes, dessen Missbrauch möglicherweise noch andauere, ergänzte Rörig. Das müsse auch Staatsanwälten und Richtern noch klarer werden. Noch stellten sie Verfahren zu Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornografie zu oft ein oder verhängten lediglich geringe Strafen.

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erstellt am 31.Jul.2016 | 15:01 Uhr

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