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Deutschland & Welt

10. Dezember 2016 | 00:22 Uhr

Ethik und Erbkrankheiten : Klon-Technik beim Menschen: Erstes Kind mit drei Eltern geboren

vom
Aus der Onlineredaktion

Die DNA der Mutter ist eigentlich gut, doch die Zellhülle sorgt für eine tödlich Krankheit beim Nachwuchs. Die medizinische Lösung dieses Problems ist Neuland und dürfte vielen nicht gefallen.

Mexico | Ein in Mexiko geborenes Baby jordanischer Eltern besitzt laut einem Bericht der Zeitschrift „New Scientist“ das Erbgut von drei Menschen. Um eine Erbkrankheit bei dem Neugeborenen zu vermeiden, hatten die Mediziner das Erbgut von zwei Frauen kombiniert. Die gebärende Mutter sei zwar selbst gesund, übertrage in den Kraftwerken der Eizelle (Mitochondrien) jedoch das Leigh-Syndrom. Unter der Fehlentwicklung der Nervenzellen litten bereits zwei der früh verstorbenen Kinder der Mutter.

In Deutschland wäre das Verfahren durch das Embryonenschutzgesetz nicht erlaubt. Das Gesetz verbietet Eizellspenden.

Ein US-Arzt übertrug die Eizelle der Mutter, die 99 Prozent der Erbinformationen speichert, in die gesunden Mitochondrien der Spenderin. Die kombinierte Zelle wurde dann mit Samen des Vaters befruchtet. Für den so genannten Spindel-Transfer entschied sich das muslimische Paar aus religiösen Gründen. Bei der anderen Methode wäre die befruchtete Eizelle der Mutter zerstört worden.

Das Kind kam laut dem Bericht bereits im April auf die Welt. Von fünf Embryonen überlebte einer. Aus rechtlichen Gründen wurde die Behandlung in Mexiko durchgeführt. Auch in Großbritannien wäre ein solches Verfahren erlaubt, berichtet „Spiegel Online“.

Deutsche Mediziner betrachten die Neuigkeiten äußerst skeptisch, weil die Risiken nicht ausreichend erforscht wurden. Es sei eine Technik aus dem Bereich des Klonens, gibt Wolfram Henn vom Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum in Homburg gegenüber der Agentur epd zu bedenken. Seine Bedenken sind zuallererst medizinisch, dann ethisch. „Mediziner in Deutschland sind sich schon eher einig, dass diese Anwendung in Mexiko ziemlich voreilig gewesen ist“, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Wenn sich allerdings herausstellen sollte, dass ein solches Verfahren Neugeborene sicher vor schweren Erbkrankheiten schützen könne, könne das Urteil auch anders ausfallen, so Henn. Er fordert eine gesellschaftliche Debatte und einen klaren rechtlichen Rahmen.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 17:02 Uhr

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