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„Shining“ und „Einer flog über das Kuckucksnest“ : Killer-Smile, Genie und Verführer - Jack Nicholson wird 80

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Hollywoods männliche Meryl Streep: Mit zwölf Oscar-Nominierungen hält Nicholson den Schauspieler-Rekord, dreimal holte er Gold.

Los Angeles | Könnte Toni Erdmann mit seinem Spaß-Gebiss den Hollywood-Veteranen Jack Nicholson aus dem Ruhestand locken? Der dreifache Oscar-Preisträger, der an diesem Samstag (22. April) seinen 80. Geburtstag feiert, stand zuletzt 2010 für die Liebeskomödie „Woher weißt du, dass es Liebe ist?“ mit Reese Witherspoon vor der Kamera, allerdings nur in einer kleinen Nebenrolle. Umso mehr horchten Nicholsons Fans auf, als im Februar Berichte über ein geplantes US-Remake von Maren Ades Hit-Komödie „Toni Erdmann“ durch Hollywood kursierten.

Nicholson könnte die schräge Vaterrolle von Peter Simonischek (70) in der deutschen Vorlage übernehmen, schrieb das renommierte Filmblatt „Variety“. Offiziell ist noch nichts bestätigt, aber mit Maren Ade hätte der Hollywood-Star schon einen Fan sicher. Er sei einer der besten Schauspieler überhaupt, sagte die deutsche Regisseurin Ende Februar vor der Presse in Santa Monica nach ihrem „Spirit Award“-Gewinn für „Toni Erdmann“. „Es gibt so viele Filme mit ihm, die ich sehr liebe“, zitierte „Variety“ aus dem Interview. Sie würde sicher Spaß daran haben, sich ein Remake ihres Films anzuschauen, wollte selbst bei einer Neuverfilmung aber nicht mitmischen, betonte Ade.

Um den exzentrischen, unberechenbaren und genialen Leinwand-Star war es zuvor ungewöhnlich ruhig geworden. Nicholsons letzter großer Auftritt auf der Oscar-Bühne liegt vier Jahre zurück. 2013 präsentierte er die Anwärter in der Top-Sparte „Bester Film“. Aus Washington wurde First Lady Michelle Obama hinzu geschaltet, um „Argo“ als Gewinner zu verlesen. 

Nicholson gab sein charmantes „Killer-Lächeln“ zum Besten und flirtete auch noch ungeniert mit der damals 22-jährigen Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence. Lawrence war sichtlich überrascht, als Nicholson mitten in ein Live-Interview hineinplatzte und die junge Gewinnerin mit Komplimenten überfiel. „Sie sehen aus wie eine frühere Freundin von mir“, schwärmte der Altstar. Und pirschte sich dann noch einmal - jetzt mit Sonnenbrille - an Lawrence heran. Die schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. Das Video sorgte im Netz für Lacher, der Leinwand-Macho wurde mit Spott bedacht.

Nicholson hat wenig ausgelassen in seinem Leben. Er hat fünf Kinder von vier Frauen, die Ehe probierte er nur einmal aus, 1962 bis 1968 mit Schauspielkollegin Sandra Knight. Mit Anjelica Huston, Tochter von US-Regisseur John Huston, führte er 13 Jahre lang eine stürmische Beziehung. Sie zerbrach endgültig, als er die beste Freundin seiner Tochter Jennifer, das Model Rebecca Broussard, schwängerte.

Nicholson war 1937 als uneheliches Kind einer 18-jährigen Tänzerin in New Jersey zur Welt gekommen. Er wuchs bei ihren Eltern auf und erfuhr erst mit 37 Jahren, dass seine ältere „Schwester“ June in Wahrheit seine Mutter war.

Seine große Hollywood-Karriere fing klein an, mit Botenjobs in der Trickfilmabteilung von Metro-Goldwyn-Mayer. Eine seiner ersten Filmrollen verdankte er dem Trash-Meister Roger Corman in dem Gruselstreifen „Little Shop of Horrors“ („Der kleine Horrorladen“). Seinen Durchbruch feierte er als alkoholsüchtiger Rechtsanwalt George Hanson in dem Road-Movie „Easy Rider“ (1969). Der Film mit Henry Fonda und Dennis Hopper als Motorradfahrer auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer wurde zum Kult. Nicholson brachte er die erste von zwölf Oscar-Nominierungen ein.

Den ersten Oscar als bester Hauptdarsteller verdiente er sich als Insasse einer Irrenanstalt. Die zerrissene, rebellische Figur des aufmüpfigen Klinikpatienten Randle McMurphy im vielfach preisgekrönten Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ von 1975 ist bis heute seine Paraderolle.

Es folgten Hits wie Roman Polanskis „Chinatown“ (1974), Stanley Kubricks  „The Shining“ (1980) und „Die Ehre der Prizzis“ (1985). Seine beiden weiteren Oscars nach dem „Kuckucksnest“ erhielt er für seine Rolle als ehemaliger Astronaut und Säufer in „Zeit der Zärtlichkeit“ (1983) und als grantiger Neurotiker in der sarkastischen Komödie „Besser geht's nicht“ (1997).

Dazwischen zeigte er als Joker in der Comic-Verfilmung „Batman“ (1989) sein diabolisches Grinsen. Eine neue Seite offenbarte der Altmeister 2002 in Alexander Paynes Tragikomödie „About Schmidt“, in der er ohne jede Eitelkeit auch die hässlichen Spuren des Alterns zeigt. In „Was das Herz begehrt“ (2003) mit Diane Keaton war Nicholson in einem wenig kleidsamen Krankenhaushemd und mit blankem Po zu sehen. In „Das Beste kommt zum Schluss“ spielt er einen schwer krebskranken Mann mit kahlem Schädel und zerfurchten Gesichtszügen.

„Ich wollte immer ein Charakterschauspieler sein“, sagte Nicholson 2008 bei der Deutschlandpremiere der Tragikomödie in Berlin. „Ich habe bislang kaum einen Schauspieler mit weniger Eitelkeit gesehen“, pflichtete Regisseur Rob Reiner („Harry und Sally“) bei. „Aber in Wirklichkeit halte ich mich natürlich für den schönsten Menschen der Welt“, fügte Nicholson scherzhaft hinzu.

In seiner letzten Hauptrolle spielte er den todkranken Millionär Edward, der im Krankenhaus mit seinem Bettnachbarn Carter (Morgan Freeman) eine Liste mit all den Dingen verfasst, die sie noch vor ihrem Tod erleben wollen. Er selbst habe anders als die Filmfiguren keine derartige Liste, erzählte Nicholson bei der Premiere. Die einzige Möglichkeit, der Angst vor dem Tod zu entkommen sei, ganz im Hier und Jetzt zu leben. Mit seinem bisherigen Leben sei er zufrieden, versicherte der Star. „Ich würde alles wieder genauso machen.“

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erstellt am 21.Apr.2017 | 20:27 Uhr

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