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Kindernachrichten

03. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Wissen : Ziemlich nah am Leben im Meer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum Kinostart von „Findet Dorie“ haben wir den Meeresbiologen Robert Marc Lehmann gefragt, was die Meeresbewohner wirklich drauf haben.

Was sind denn Ihre Lieblingscharaktere in „Findet Dorie“, Herr Lehmann?

Also ich habe da zwei: Das eine ist natürlich Dorie, weil sie so unverwechselbar cool ist. Aber tatsächlich ist der Oktopus Hank so gut dargestellt, dass ich mich wirklich während des gesamten Films über ihn schlapp gelacht habe. Das war großartig!

Wie realistisch wird denn das Leben der Tiere im Film dargestellt?

Ich muss ganz klar sagen, dass der Film sehr realistisch ist, was den Lebensraum der Tiere betrifft. Nur, als der Oktopus einmal Auto fährt – da wird’s dann schwierig. Das Schöne ist aber die Darstellung der verschiedenen Fortbewegungsweisen der Tiere, denn das ist genauso, wie ich es im Meer gesehen habe. Das hat Disney-Pixar gut gemacht.

Legen kleine Fische wie der Paletten-Doktorfisch oder der Clownfisch wirklich solch große Entfernungen zurück?

Nein, die schwimmen eher am Heimatriff, nicht über den ganzen Pazifik.

Wie lebt eigentlich ein Paletten-Doktorfisch in der Natur?

Ein Paletten-Doktorfisch ist ein Warmduscher, das heißt, er liebt warmes Salzwasser. Er lebt in Indonesien oder auch Australien im Pazifik. Zu finden ist er am Rande von Korallenriffen. Das wird im Film auch sehr gut gezeigt, denn Dorie guckt immer raus ins Blaue. Da frisst ein Paletten-Doktorfisch den ganzen Tag zum Beispiel vorbeischwimmendes Plankton, oder er zupfmal eine Alge ab. Nachts zieht er sich ins Riff zurück, versteckt sich in einer Felsspalte und fällt in einen richtigen Tiefschlaf.

Hank ist ja eigentlich ein Septopus, denn er hat seinen achten Tentakel verloren. Kann so etwas passieren?

Unter Stress kann so etwas passieren. Bei Hank geschah es möglicherweise im sogenannten Anfassbecken, wo Kinder die Tiere streicheln können. Ich finde solche Becken nicht so gut, denn ein Tentakel kann nicht nachwachsen.

Hank ist ja ein Mimik-Oktopus oder Karnevals-Tintenfisch. Der soll ein perfekter Tarnungskünstler sein. Stimmt das?

Aber hallo! Ein Mimik-Oktopus ist vermutlich der beste Tarnungskünstler, den ich je gesehen habe. Der kann sich verwandeln in einen giftigen Feuerfisch, der kann sich tarnen als Flunder, als Stein. Der kann nicht nur die Farbe wechseln, sondern auch seine Form. Er imitiert giftige, gefährliche Tiere, um sich zu schützen. Denn beispielsweise Muränen, Zackenbarsche oder Seelöwen können ihm gefährlich werden. Die fressen gern Oktopusse. Und die trickst er alle wunderbar aus!

Wie groß ist denn so ein Karnevals-Tintenfisch?

Die sind ziemlich klein, maximal 50 bis 60 Zentimeter. Im Film wirkt er ein bisschen größer, aber das liegt daran, dass Disney hier verschiedenen Oktopusse und ihre Eigenschaften zusammen gewürfelt hat.

Könnte so ein Tintenfisch auch irgendwo ausbrechen?

Oktopusse brechen sehr gerne aus! Ich habe früher selbst welche im Aquarium gehalten. Da war ein großer, schwerer Deckel drauf. Aber trotzdem haben die den immer irgendwie aufbekommen. Die können sogar den Ablauf im Aquarium verstopfen und den Zulauf aufdrehen, sodass alles überläuft. Und dann kümmert sich jemand darum, und damit hat der Oktopus genau das bekommen, was er wollte: Aufmerksamkeit! Die werden allein in Aquarien gehalten und das ist bestimmt langweilig. Deswegen bin heute gegen die Haltung solcher Tiere in Aquarien.

Im Film spielen auch Seelöwen eine Rolle. Smutje und Boje hocken faul auf ihrem Felsen, aber Seelöwe Gerald hat keine Chance, den Felsen zu erklimmen. Ist das in Wirklichkeit auch so?
Ich hab das gerade genauso in der Natur gefilmt. Die suchen sich einen Felsen aus, das ist dann ihrer. Da lassen sie maximal noch ein hübsches Weibchen mit drauf, aber das wars dann auch schon. Die verteidigen ihren Felsen bis aufs Blut!

Was macht eigentlich ein Meeresbiologe?
Um das zu erklären, zeige ich immer gern drei Bilder: das Erste ist von ein paar Pinguinen – das wäre die Lebensform, die ein Meeresbiologe erforscht; das Zweite ist eines von einem Pinguin, der irgendwo hin kackt – das wäre die Lebensäußerung, die ich dann untersuche; das Ganze macht man in der Antarktis, das ist dann das dritte Bild – und damit der Lebensraum, den man erforscht und schützen möchte. Meeresbiologen retten auch Schildkröten und Wale, tauchen mit Haien und tauchen in die Tiefsee. Sie sitzen aber auch im Labor und oft am Computer. Also ein Meeresbiologe macht ganz viele verschiedene, aber immer spannende Sachen!
 

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erstellt am 24.Sep.2016 | 15:00 Uhr

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