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Kindernachrichten

10. Dezember 2016 | 06:01 Uhr

Erleben : Rentiere, so weit das Auge reicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kina-Reporter Luis erlebt im Norden Norwegens in seinem Austauschjahr jede Menge Abenteuer.

Das Telefon klingelt. Mein Gastvater geht ran. Ich höre ihn schnell etwas auf samisch sagen und dann ist das Telefonat auch schon beendet. Er sammelt schnell Essen und andere Ausrüstungen zusammen. Dann sagt er zu mir auf norwegisch, dass ich mich beeilen muss, weil die Rentiere im Zaun angekommen sind.

Schon eine Viertelstunde später stehen wir im Rentierzaun und 1000 Rentiere laufen direkt auf mich zu. Zuerst denke ich, dass ich umgelaufen werde. Aber ziemlich schnell wird mir klar, dass die Rentiere zwar sehr nah an einem vorbeilaufen, aber niemals einen Menschen berühren. Als alle Rentiere an mir vorbei sind und das andere Ende des Zaunes ansteuern, beginnen die Rentierhirten zu rennen und die Arme zu bewegen. Das machen sie, um die Tiere in einen kleineren Zaun zu treiben, von wo dann immer 20 bis 40 Rentiere von der Herde getrennt werden. Diese kleinere Gruppe wird dann in einen noch kleineren Zaun getrieben und dort beginnt erst die richtige Arbeit.

Wenn die Rentiere im kleinen Zaun ankommen, müssen zuerst alle Kälber gesammelt werden. Dieses Jahr müssen leider viele Kälber getötet werden. Auch wenn das traurig klingt, muss das gemacht werden, weil es zu viele Rentiere aber zu wenig Futter in der Region gibt. Die Kälber würden daher im Winter als erste verhungern.

Das heißt aber nicht, dass es dieses Jahr wenig Kälber gibt, denn es werden nur circa 10  000 von den rund 20  000 Rentieren in der Region zusammengetrieben.

Wenn die Kälber in ihrem eigenen Gehege sind, werden die Weibchen gefangen. Man muss sie einfach mit einem starken Griff am Geweih festhalten und schnell Hilfe suchen, denn wenn man kein olympischer Gewichtheber ist, ist es nur sehr kurz möglich ein Rentier alleine festzuhalten. Wenn es mir gelingt, alleine ein Rentier zu fangen, habe ich das Gefühl, dass mir die Arme abfallen, so stark sind diese Tiere.

Danach kriegen die Weibchen kurz eine Impfung und das Euter wird kontrolliert, ob es schwanger ist oder gerade war und schon geht es wieder in die Freiheit.

Die Männchen werden zu dieser Zeit im Jahr nicht gefangen, weil es noch Paarungszeit für die Rentiere ist und das Fleisch der Männchen dann einfach nicht gut schmeckt.

Am Ende der Woche war ich froh, dass es vorbei war, weil ich noch nie zuvor etwas so Anstrengendes gemacht habe. Aber ich habe die Zeit auch wirklich genossen, weil es komplett anders war als alles, was ich von zu Hause kenne. Es war toll, den ganzen Tag draußen zu sein und sich nur auf die Rentiere zu konzentrieren und dass alles andere in dem Moment unwichtig war.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 18:40 Uhr

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