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Kindernachrichten

25. Mai 2016 | 07:18 Uhr

Klima-Serie : Neue Nachbarn im Wattenmeer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Nordsee ist jetzt so schön warm – dank Klimawandel. Da fühlen sich auch die Meeräsche und Pazifische Austern wohl.

Die Krabbe begrüßt die Sommergäste. Die Scholle mosert ein bisschen neidisch über die Besucher aus dem Süden, die sich nur bei Wärme hier blicken lassen. Als Touristen kennen die Dicklippigen Meeräschen schon seit Jahrzehnten das Wattenmeer. Im Sommer, das fanden sie schon immer, hat es gerade die richtige Temperatur.

„Und das Essen an der Nordseeküste – blubb blubb – ist auch lecker“, sagt die Meeräsche. Denn sie frisst sich hier im flachen Wasser durch den Meeresboden. Sie grast alles ab, von Algen über den Schlickkrebs bis zur Wattschnecke. Es macht ihr auch gar nichts aus, wenn sie beim Mittagessen in Strandnähe mal ein bisschen Sand schluckt. Denn sie hat einen besonderen Magen, der alles zerkleinert und das, was er nicht braucht, wieder ausscheidet.

Und so kam sie jeden Sommer – mit ganzen Schwärmen von Artgenossen. Im Herbst zogen die guten Schwimmer früher immer wieder in den Süden, denn sie mögen es gern etwas wärmer als die Miesmuschel und ihre Mitbewohner.

Doch mit dem Klimawandel wird das Wattenmeer immer wärmer. Um durchschnittlich 1,7 Grad ist die Temperatur in den vergangenen 50 Jahren gestiegen. „Wenn es so schön warm ist, dann bleiben wir doch einfach gleich hier“, überlegen sich die Fische. Und so sind die Meeräschen nun das ganze Jahr über Nachbarn von Krabbe, Scholle und Miesmuschel. Die stört das nicht. Im Wattenmeer ist viel Platz.

Der Klimawandel verändert die Tierwelt im Wattenmeer. Bisher hat hier noch keine Art eine andere vollkommen verdrängt, sagen Wissenschaftler. Insgesamt hat der Temperaturanstieg bisher eher zu einer größeren Vielfalt geführt. Manche Arten kommen von selbst, wie die Meeräsche. Andere werden von Menschen hergebracht, wie zum Beispiel die Pazifische Auster. Weil sie so lecker ist.

Die früher heimische Europäische Auster ist in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgestorben. Weil die Menschen sie so gern aßen, haben sie zu viele davon herausgefischt. Dann holten sie die Pazifische Auster aus dem Pazifischen Ozean hierher und züchteten sie in Farmen. Sie dachten, es sei hier so kalt, dass die fremden Tiere sich nicht ausbreiten könnten.

Doch da haben sich die Menschen geirrt. Die Austern sind ausgebrochen und haben sich in der Nordsee breitgemacht. Besonders gern auf den Muschelbänken der Miesmuscheln. Davon gab es dann immer weniger – nicht nur wegen der Einwanderer, sondern auch, weil die Winter wärmer wurden.

Das wiederum machte dem Austernfischer zu schaffen. Denn dieser Vogel frisst nicht etwa Austern. Die kann er gar nicht aufknacken. Er braucht die Miesmuscheln zum Leben. Und weil es davon Jahre lang zu wenig gab, wurden auch die Austernfischer weniger.

Forscher hatten schon befürchtet, dass die Ausbreitung der Austern das Ende für Miesmuschel und Austernfischer bedeutet. Doch dann haben sich die Miesmuscheln durch einige harte Winter wieder vermehrt. So ist es schwer, vorauszusehen, ob die neuen Nachbarn im Wattenmeer ein Bereicherung oder eine Gefahr sind. Für Forscher wie für Scholle, Krabbe und Muschel. > Mehr Infos zum Wattenmeer gibt’s im Multimar Wattforum: www.multimar.de

 

 

 

 

 

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erstellt am 18.Sep.2014 | 01:15 Uhr

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