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Kindernachrichten

11. Dezember 2016 | 11:05 Uhr

Menschenskinder : Das Leben nach der Flucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zehnjährige ist aus Syrien vor einem Krieg geflohen. Jetzt wohnt sie in der Türkei mit anderen Kindern.

Raghad ist zehn Jahre alt und denkt gern an früher. An damals, als in ihrem Heimatland Syrien noch kein Krieg war. Raghad (Foto) wohnte mit ihrer Familie in der Stadt Hama. Am liebsten erinnert sie sich daran: „Wir hatten ein Planschbecken auf dem Balkon, in dem mein Vater mit mir und meinem Bruder gespielt hat.“ Doch Raghads Vater ist im Krieg gestorben. Vor drei Jahren floh Raghad deswegen mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in das Nachbarland Türkei.

Heute wohnt Raghad in der türkischen Stadt Gaziantep. Viele Syrer sind dorthin gekommen, weil sie da keine Angst haben müssen zu sterben.

Raghad lebt mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern in einem Heim für Kinder, die keinen Vater oder gar keine Eltern mehr haben. Sie sagt, sie mag die Türkei. Aber nicht so gern wie Syrien.

Raghad lernt sehr viel, weil sie einmal Anwältin werden möchte. Sie will Menschen vor Gericht verteidigen, denen Unrecht getan wurde.

„Ich stehe um fünf Uhr auf“, sagt Raghad. Erst betet sie. Sie ist wie die meisten Syrer Muslimin. Dann zieht sie ihre Schuluniform an. Um sieben Uhr gibt es Frühstück in dem Heim, in dem ihre Familie ein Zimmer hat. Raghad teilt sich ihr Bett mit einem Bruder. Ihre Mutter sagt, dass die Familie seit der Flucht nichts mehr besitzt.

Nach dem Frühstück geht Raghad in eine Schule, in der nur syrische Kinder sind. Sie sind wie sie geflohen. Der Unterricht ist auf Arabisch. Das ist die Sprache, die in Syrien gesprochen wird.

Viele syrische Kinder in Gaziantep können gar nicht zur Schule gehen. Sie müssen zum Beispiel in Nähereien arbeiten, weil ihre Eltern so arm sind.

Nach der Schule lernt Raghad in ihrem Heim weiter: Dort gibt es nach dem Mittagessen noch Englisch- und Türkischunterricht.

Raghad spielt auch gern Verstecken. Sie sagt, ihr Lieblingsversteck sei hinter einem alten Sofa auf dem Hof. Erst will sie zeigen, wo das genau ist. Nach einigem Nachdenken überlegt sie es sich aber doch anders. „Ich will, dass es mein Geheimnis bleibt“, sagt das Mädchen. Denn wenn jeder in der Zeitung sehen könnte, wo Raghads Lieblingsversteck ist, dann wäre es ja kein richtiges Versteck mehr.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 05:07 Uhr

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