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Kindernachrichten

25. März 2017 | 16:49 Uhr

Leute : Blumio rappt die Nachrichten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kommentare im Netz nimmt er gelassen. Gegen Hass und Hetze rappt er an – macht Musik aber auch manchmal einfach nur zum Spaß: der deutsch-japanische Rapper Fumio Kuniyoshi im Kina-Interview.

Blumio ist ein politisch interessierter Rapper. Vor einigen Jahren ist der 31-Jährige mit dem Song „Hey Mr. Nazi“ bekannt geworden. Darin lädt er Menschen, die gegen Ausländer und andere Menschen hetzen ein, diese Menschen doch mal kennenzulernen – denn so werden Vorurteile abgebaut. Für die Internetseite von Yahoo macht er wöchentlich ein Video, das „Rap da News“ heißt, eine Art Nachrichtenrap.

Blumio heißt eigentlich Fumio Kuniyoshi, seine Eltern sind Japaner. Und weil er jetzt auf japanisch rappen will, lebt er seit März im Land seiner Eltern. Am Freitag aber kam er nach Berlin zur Kindermedienkonferenz, auf der die Kina-Redaktion auch für das Kina-Reporter-Projekt ausgezeichnet wurde. Und wir haben ihm einige Fragen der Kina-Reporter gestellt.

Wie hast du den Rap für dich entdeckt?
Meine Generation ist mit den Absolute Beginners, Samy Deluxe und Freundeskreis aufgewachsen. Man hat das dann nachgerappt, und dann habe ich auch angefangen, selber Texte zu schreiben, um alles, was ich zu sagen habe, loszuwerden.

Woher nimmst du die Ideen?
Wenn ich anfange zu rappen, dann sitze ich vor einem weißen Blatt Papier und weiß gar nicht, was mache ich denn. Aber nach und nach fängst du an, die Welt durch einen Filter wahrzunehmen. Und daran bleiben dann Sachen hängen. Das können ganz einfache Sachen sein, eine Fernsehsendung, ein Gespräch mit einem Freund. Irgendwas bleibt dann hängen, wo du denkst, da kann man einen Song draus machen.

Dein Schwerpunkt sind soziale und politische Themen?
In „Rap da News“ auf jeden Fall, das ist ein politisches Format, wo alle denken, ich bin ein rein politischer Mensch. Aber ich mag aber auch Songs, wo einfach nur Spaß abgeht.

Hast du selbst schon mal mit Fremdenfeindlichkeit zu tun gehabt?
Ja klar. Ich bin in Hilden aufgewachsen, das ist eine relativ kleine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Da gab es nicht viele Asiaten. Und ein paar Kinder oder auch Jugendliche sind halt gemein. Wenn die dich ärgern wollen, dann reduzieren sie dich erstmal, sagen „Schlitzauge“ oder „scheiß Japse“. Deswegen ist Rassismus für mich immer wieder ein Thema, weil ich das selbst auch erlebt habe. Weil ich es einfach unfair finde, jemanden wegen seines Aussehens oder seiner Nationalität vorzuverurteilen.

Was hältst du von den politischen Bewegungen in Deutschland momentan – Pegida, AfD? Beunruhigt dich das?
Rassisten gab es schon immer. Das neue Phänomen ist, das eine Partei rechts von der CDU es geschafft hat, das Flüchtlingsthema so für sich zu nutzen. Die tun ja immer so, als wären sie fürs Volk. Aber wenn man sich mal deren Parteiprogramm anguckt, ist an denen ja wirklich nichts sozial. Deren Wirtschaftsprogramm ist gut für die großen Konzerne, gar nicht fürs Volk.

Gibt es in Japan auch ähnliche Tendenzen?
Japan ist halt eine Insel. Allein schon aus geografischen Gründen, gibt es da nicht so viele Ausländer und auch nicht so viele Flüchtlinge. Es ist dort kein großes Thema.

Wie gehst du mit beleidigenden Kommentaren in der Community um?
Das Wort hat weniger Gewicht, wenn es im Internet ist, vor allem in den Kommentaren. Ich glaube, viele machen sich da einfach nicht so viele Gedanken. Die schreiben das einfach so hin, weil sie nicht denken, dass du eine richtige Person bist, mit Gefühlen und so weiter. Wenn mich jemand beleidigt, dann nehme ich einfach nur wahr: Okay, der findet mich doof. Welche Worte er da benutzt, ist nicht so wichtig. Wenn mich da jemand abgrundtief beleidigt, ist es nicht dasselbe, als wenn er mir das direkt sagt. Ich versuche, das nicht an mich heran zu lassen.

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erstellt am 20.Nov.2016 | 18:56 Uhr

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