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Deutschland & Welt

07. Dezember 2016 | 17:27 Uhr

Wikileaks-Gründer in Ecuadors Botschaft : Julian Assange spricht wieder: Seine Akte in Kürze

vom

Wegen Vergewaltigungsvorwürfen lebt Assange seit über vier Jahren in einer Botschaft. Am Dienstag tritt er vor die Medien.

London | Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt nun schon seit über vier Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Im Juni 2012 ist er dorthin geflohen, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Seine Flucht löste damals erhebliche internationale diplomatische Verwicklungen aus.

Nun will Assange am Dienstagmittag von dem Balkon der Botschaft aus vor den Medien sprechen. Zuletzt haben die schwedischen Staatsanwälte im August die Zusage bekommen, ihn zu den Vergewaltigungsvorwürfen zu befragen.

Details zum aktuellen Fall von Julian Assange und Informationen zu Wikileaks in der Übersicht:

Warum lebt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London?

Im Juni 2012 floh Julian Assange in die Botschaft Ecuadors in London und bat dort um politisches Asyl. Dies wurde im August 2012 bewilligt. Seitdem lebt der Wikileaks-Gründer in der Botschaft und hat das Haus noch nie verlassen. Er befürchte nach eigenen Angaben, Schweden könnte ihn wegen seiner Enthüllungen auf Wikileaks an die USA überstellen.

Der gebürtige Australier wollte so einer Auslieferung an Schweden entgehen. Denn dort hatten ihn zwei Frauen wegen Vergewaltigung angeklagt und es wurde ein europäischer Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Bis heute bestreitet Assange jegliche Schuld. Es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, die Anschuldigungen weist er als politisch motiviert zurück, sagte Assange.

Warum fürchtet Assange eine Auslieferung Schwedens an die USA?

In den vergangenen Jahren veröffentlichte die Enthüllungsplattform Wikileaks hunderttausende geheime Dokumente. Unter anderem mehrfach interne Dokumente von US-Armee und –Behörden, die über das Vorgehen der US-Streitkräfte bei den Kriegen in Afghanistan und im Irak berichteten.

Assange droht deswegen ein Strafprozess in den USA. Die Veröffentlichung der Daten sorgte für ordentlichen Wirbel und löste Zorn bei der US-Regierung und Nato aus. Einige Journalisten in den USA forderten damals auch seine Hinrichtung oder gezielte Tötung durch Militär oder Geheimdienste.

Nach eigenen Angaben entkam Assange durch seine Flucht einer Anklage und Verurteilung, möglicherweise der Haft oder sogar Todesstrafe in einem US-Gefängnis.

Wie ist sein psychischer Zustand in der Botschaft?

Assange lebt seit über vier Jahren in einem kleinen Raum mit Bett, Computer, Telefon und Balkonzugang.

In der Botschaft ist er unter „Mr. Guest“ bekannt. Die Botschaftsmitarbeiter haben ihn stets im Auge und schreiben Protokolle über seine Tagesabläufe. Oft zieht er sich zurück und programmiert nächtelang.

Die Jahre in Isolation haben Assange verändert, vor allem körperlich. Der früher viel reisende, gebräunte Mann hat sich verändert. In den letzten Jahren ist er erblasst und wirkte krank, so beschrieben ihn Journalisten der Süddeutschen Zeitung im August 2014. Dazu leidet Assange seit Jahren an einer chronischen Lungenerkrankung.

Wie kam Wikileaks in die Öffentlichkeit?

2010 enthüllte Wikileaks rund 400.000 geheime Akten der US-Armee und -Behörden. So wurden viele Kriegsverbrechen im Irak und Afghanistan an die Öffentlichkeit gebracht.

Die Enthüllungsplattform überließ die Papiere ausgewählten Medien auf der ganzen Welt, wie der „New York Times“, der britischen Zeitung „Guardian“ und dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

Durch die Veröffentlichung dieser Akten konnten tausende Bedrohungsanalysen, Angriffsberichte und Verhaftungsprotokolle der USA von den Kriegen im Irak und Afghanistan analysiert werden.

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erstellt am 03.Okt.2016 | 18:46 Uhr

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