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Deutschland & Welt

04. Dezember 2016 | 03:00 Uhr

Labour-Party : Jeremy Corbyn bleibt Labour-Chef - Appell zur Einheit

vom

Nach monatelangen Grabenkämpfen wurde der 67-Jährige im Amt bestätigt. 61,8 Prozent der Parteimitglieder stimmten für ihn.

Liverpool | Der Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, ist nach monatelangen Grabenkämpfen mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt worden. 61,8 Prozent der Parteimitglieder stimmten in einer Urwahl für den 67-jährigen Altlinken. Auf den 46-jährige Abgeordneten Owen Smith als einzigen Herausforderer entfielen lediglich 38,2 Prozent der Stimmen, wie die Partei am Samstag in Liverpool bekanntgab.

Corbyn gilt als Parteirebell, Linksaußen und entschiedener Kriegsgegner. Er war vor allem nach dem Brexit-Referendum im Juni unter massiven Druck geraten. Seine Gegner hielten ihm vor, sich nicht entscheiden genug für den Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt zu haben. Knapp 52 Prozent der Briten stimmten damals für einen Austritt.

Jeremy Corbyn: Kurzporträt

Als Jeremy Corbyn vor einem Jahr zum Vorsitzenden der britischen Labour-Partei gewählt wurde, feierten seine Anhänger ihn als Heilsbringer: Endlich wieder ein echter Linker an der Spitze. Es war ein Neuanfang ganz nach Geschmack der überwiegend linkslastigen Basis.

Der 67-Jährige mit dem weißen Bart gehört seit über drei Jahrzehnten dem Unterhaus an - ebenso lange zählt er zum linken Rand der Partei. Bereits mit 17 Jahren trat er in die Partei ein, Sporen verdiente er sich in der Gewerkschaftsbewegung.

Immer wieder stellte sich der Parteirebell gegen Positionen der Labour-Regierung. Die moderate Linie von Ex-Premier Tony Blair war ihm ein Graus. Mehr als 500 Mal soll der Sohn eines Ingenieurs und einer Mathematiklehrerin gegen die Parteilinie gestimmt haben. Unter anderem war Corbyn erbitterter Gegner des Irakkriegs.

Doch als Parteichef blieb Corbyn glücklos. Nach Misserfolgen bei den Regionalwahlen im vergangenen Mai wurde die Kritik lauter. Vor allem seit dem Brexit-Votum Ende Juni nahm der Druck zu. Die meisten Abgeordneten revoltierten gegen ihn, es wuchs die Angst, dass mit dem Altlinken keine Wahlen zu gewinnen sind.

Auch wegen seiner Haltung im Palästinenser-Konflikt und zur radikalislamischen Hamas sowie zur Schiitenmiliz Hisbollah, die er zeitweise als „Freunde“ bezeichnete, geriet Corbyn ins Kreuzfeuer.

Einige Kritiker hielten ihm gar vor, er setzte sich in diesem Zusammenhang nicht energisch genug gegen antisemitische Tendenzen ein.

 

Unmittelbar nach Bekanntgabe seines Wahlergebnisses rief Corbyn zur Einheit der Partei auf. „Wir haben viel mehr Einigendes als Trennendes“, sagte er in Liverpool. Jetzt komme es darauf an, die Kräfte auf Opposition gegen die neue konservative Premierministerin Theresa May zu konzentrieren.

„Lasst uns alle zusammen für echten Wandel in Großbritannien arbeiten“, appellierte Corbyn. Am Sonntag beginnt in Liverpool ein dreitägiger Labour-Parteitag. Dort wird sich zeigen, ob der Parteichef die Gräben zuschütten kann.

Die rund 650.000 Parteimitglieder und Sympathisanten hatten bei der Brief- und Onlinewahl rund einen Monat Zeit zur Stimmabgabe. Corbyn war bereits vor einem Jahr mit ebenfalls rund 60 Prozent an die Parteispitze gewählt worden, stand aber von Beginn an wegen seiner strikt linken Haltung unter Beschuss der meisten Medien sowie vieler Abgeordneter.

Unter den Parlamentariern geht auch die Angst um, mit Corbyn seien keine Wahlen zu gewinnen. Es gilt in London als nicht ausgeschlossen, dass Premierministerin May trotz gegenteiliger Beteuerungen im kommenden Jahr Neuwahlen ausruft.

Eine breite Mehrheit der Parlamentarier im Unterhaus hatte nach dem Brexit-Referendum eine „Palastrevolte“ gestartet und Corbyn das Misstrauen ausgesprochen. Dutzende Schattenminister liefen Corbyn, der dem Unterhaus seit 30 Jahren angehört, davon. Doch die überwiegend linksorientierte Parteibasis steht nach wie vor hinter dem Altlinken.  

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erstellt am 24.Sep.2016 | 14:39 Uhr

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