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Deutschland & Welt

07. Dezember 2016 | 11:39 Uhr

Schmähgedicht im „Neo Magazin Royale“ : Jan Böhmermanns Stellungnahme: „Repressalien in der Türkei sind scheiße“

vom

Der Fernsehmoderator kritisiert nach der Einstellung der Ermittlungen Einschränkungen der Meinungsfreiheit in der Türkei scharf.

Während der Menschenrechtsausschuss des türkischen Parlaments die Einstellung der Ermittlungen gegen den Fernsehmoderator Jan Böhmermann wegen dessen inszenierter Schmähkritik an Präsident Recep Tayyip Erdogan als Skandal bezeichnet, hat der ZDF-Moderator sich via Facebook und Youtube zu Wort gemeldet.

Der ZDF-Moderator hatte mit seinem „Schmähgedicht“ über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan neben der Strafverfolgung auch eine Diskussion um die Pressefreiheit ausgelöst. Für das Strafverfahren war eine Ermächtigung der Bundesregierung nötig. Die Staatsanwaltschaft Mainz hatte am Dienstag zur Begründung ihrer Entscheidung erklärt, strafbare Handlungen seien dem Satiriker „nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachzuweisen“.

Böhmermann erläutert darin, dass seine über Tage geplante Darbietung vom 31. März, die bewusst die Grenzen von Satire und Schmähkritik offenlegte, ein „juristisches Proseminar“ gewesen sei. Darum sei er auch froh, dass die Staatsanwaltschaft Mainz nicht die Mühe gescheut habe, die Darbietung in den richtigen Kontext zu rücken.

Sein Lob am „starken öffentlich rechtlichen“ Sender, der ihm juristischen Beistand gewährte, aber das Video zurückgenommen hatte, klingt in Teilen etwas ironisch. Er stehe zu 100 Prozent hinter seinem Sender, sagte Böhmernann. Der professionelle Spaßvogel bestimme alleine die Grenzen des Geschmacks, so Böhmermann in seiner Stellungnahme. Die Kunstfreiheit müsse geschützt bleiben.

Er nutzte seine neue Ansprache vor allem zur heftigen Kritik an der Verfolgung Oppositioneller in der Türkei. „Im Vergleich zu dem, was kritische Journalisten, Satiriker oder Oppositionelle in der Türkei damals und auch jetzt gerade durchmachen, ist dieses ganze Theater um die Böhmermann-Affäre schon wieder ein großer trauriger Witz“, sagte der Satiriker. „Während Sie dieses Video sehen, sitzen in der Türkei Menschen in Haft ohne Chance auf einen fairen Prozess, weil sie sich kritisch mit ihrem Land auseinandergesetzt haben, öffentlich oder in einem großen Kreis eine andere Meinung vertreten haben als erlaubt“, sagte Böhmermann.

Die Verfolgung möglicher Andersdenkender und die Tatsache, dass Deutsche türkischer Abstammung sich vor Repressalien fürchteten, wenn sie ihre Meinung am Telefon sagten, darum sei es ihm eigentlich gegangen. Und das sei „scheiße“. Die Ansprache endet mit Monty-Python-Song „Always Look On The Bright Side Of Life“, was wohl als direkte Ansprache an Erdogan gemeint ist, der sich in den vergangenen Monaten als äußert dünnhäutig erwies, wenn es um Späße um seine Person ging. „Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist es nicht das Problem des Witzes, sondern des Staates“, sagte Böhmermann.

In diesem Youtube-Video kann man sich das Gedicht noch einmal anhören:

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erstellt am 05.Okt.2016 | 17:39 Uhr

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