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Deutschland & Welt

09. Dezember 2016 | 22:27 Uhr

Prozessbeginn in Düsseldorf : Islamistischer Prediger Sven Lau wegen Terrorverdachts vor Gericht

vom

Der bundesweit bekannte Hassprediger Sven Lau alias „Abu Adam“steht ab Dienstag vor Gericht. Ist der Aktivist aus der Salafistenszene ein Terrorist?

Düsseldorf | Dem Angeklagten Sven Lau wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in vier Fällen vorgeworfen. Er gilt als Initiator der „Scharia-Polizei“ in Wuppertal. Weiterhin soll Lau von Deutschland aus für die in Syrien aktive Terrorgruppe Jamwa („Armee der Auswanderer und Helfer“) tätig gewesen sein, die eng mit der Terrormiliz Islamischer Staat verbunden sei. Der Prozess gegen den islamistischen Prediger beginnt am Dienstag im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts. Seit neun Monaten sitzt der 35-Jährige in Untersuchungshaft.

Nach Informationen des Spiegel erhebt einer von Laus mutmaßlichen Rekruten, der bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Ismail I., schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten. Demnach soll Lau andere Moslems massiv bedrängt haben, damit sie sich am bewaffneten Kampf in Syrien beteiligen. Außerdem soll der 35-Jährige im Sommer 2013 Einfluss auf die Zusammensetzung einer dschihadistischen Kampftruppe genommen haben, die sich später in Teilen dem „Islamischen Staat“ anschloss.

Die Bundesanwaltschaft sieht Lau als „Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige, insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf“. Den Ermittlern zufolge beschaffte Lau 2013 drei Nachtsichtgeräte für islamistische Kämpfer in Syrien. Außerdem soll er zwei Männern bei der Ausreise geholfen und einem von ihnen Geld überbracht haben. Der Bundesgerichtshof hatte im März eine Beschwerde des ehemaligen Feuerwehrmanns aus Mönchengladbach gegen seine Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr verworfen.

Verurteilung als Terrorist möglich

Der Staatsschutzsenat unter Vorsitz von Richter Frank Schreiber würde unter Umständen sogar noch einen Schritt weiter gehen. Aus Sicht des Senats komme auch eine Verurteilung als Terrorist in Betracht, hat das Gericht Lau und seinen Anwälten mit auf den Weg gegeben.

Er ist neben Pierre Vogel das wohl bekannteste Gesicht des radikalen Islam in Deutschland. Bundesweit brachte Lau seine Botschaften bei Demonstrationen, in Moscheen und in Internet-Videoauftritten unter die wachsende Schar der Anhänger des Salafismus. Ein Gutachter bescheinigt Lau mit seiner „emotionalen Rhetorik“ eine „hohe suggestive Wirkung“ auf junge Muslime.

 

Verfassungsschutz beobachtete Lau schon seit Jahren

Dass aus Laus Umfeld junge Männer nach Syrien verschwinden, war dem Verfassungsschutz, der Lau seit Jahren beobachtet, schon längere Zeit aufgefallen. Doch der Islamist hatte den Verdacht, mit Terroristen unter einer Decke zu stecken, weit von sich gewiesen. Als er im Frühjahr 2015 verhaftet wurde, kam er nach einigen Wochen aus der U-Haft frei - die Beweislage war zu dünn.

Inzwischen sieht sich die Bundesanwaltschaft ausreichend gewappnet. Fast 80 Seiten stark sind die Anklagevorwürfe gegen Lau. 30 Verhandlungstage hat das Gericht bis Mitte Januar angesetzt. Die Ermittler stützen ihre Vorwürfe auf die Auswertung von Videobotschaften, Chat-Dateien, Fotos von Laus Laptop und Zeugen.

Die Tatvorwürfe reichen ins Jahr 2013 zurück. Laut Anklage hat Lau zwei Salafisten aus Deutschland mit Hilfe eines Schleusers in die Reihen Jamwas gelotst. Einer von ihnen soll der in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte Ismail I. sein.

Außerdem soll Lau der Terrormiliz Nachtsichtgeräte und Geld verschafft haben. Der so unterstützte Flügel der islamistischen Jamwa-Miliz soll schon damals dem blutrünstigen „Islamischen Staat“ nahegestanden und sich ihm mittlerweile angeschlossen haben.

Terrorhilfe unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe

Hinter der Fassade humanitärer Hilfe für notleidende Muslime sei die Terrorhilfe geleistet worden, hatten Sicherheitsbehörden nach der Festnahme Laus im vergangenen Dezember berichtet. Laus Verteidiger Mutlu Günal: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe mit Nachdruck“ und prophezeit: „Der Generalbundesanwalt wird sich am Ende des Verfahrens bei Herrn Lau entschuldigen müssen. Er sollte schon mal Geld für die Haftentschädigung zurücklegen.“

„Der größte Fehler der Anklage ist es, sie auf einem Hauptbelastungszeugen aufzubauen, der bereits als notorischer Lügner entlarvt ist“, kritisiert Günal und meint Ismail I., der den Ermittlern zahlreiche unterschiedliche Versionen erzählt habe. Wo die Nachtsichtgeräte, die Lau nach Syrien geschickt haben soll, abgeblieben seien, wisse auch niemand. „Die Anklage wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen“, so der Verteidiger.

Internet-Videos zeigen Lau im Jahr 2013 in Bürgerkriegsgebieten in Syrien. Auf einem Foto soll er auf einem Panzer zu sehen sein. Seinen Reisepass hatten die Behörden schon vor der Inhaftierung eingezogen. Mehrfach soll er gegen das Ausreiseverbot verstoßen haben. Bis 2011 tummelte Lau sich als „Abu Adam“ mit seinem Verein „Einladung zum Paradies“ in Mönchengladbach. Anwohner liefen dagegen Sturm. In den Vereinsräumen brannte es.

Mit Warnwesten „auf Streife“

Für großes Aufsehen sorgte Lau dann 2014 als Initiator der „Scharia-Polizei“ in Wuppertal. Mit Warnwesten gingen dort Salafisten wie in streng-muslimischen Ländern „auf Streife“ gegen Glücksspiel, Alkohol und Musik. Das trug ihm eine weitere Anklage wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Es war wohl eine Werbeaktion für die Wuppertaler Hinterhof-Moschee Darul Arqam.

Bis zu seiner Festnahme im Dezember 2015 lebte er im Süden Düsseldorfs.

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erstellt am 05.Sep.2016 | 20:43 Uhr

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