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Deutschland & Welt

09. Dezember 2016 | 10:41 Uhr

Unterbringung in Thisted : Heftige Zustände in Dänemarks Asylbewerber-Zeltlager: Die nächste Leiterin wirft hin

vom
Aus der Onlineredaktion

Es war nie als Dauerlösung gedacht, doch inzwischen leben viele Asylbewerber seit zehn Monaten unter Zeltplanen. Die Mitarbeiter des Lagers in Thisted sind den wachsenden Problemen nicht mehr gewachsen.

Thisted | Monatelang hat sie für bessere Umstände gekämpft – jetzt gibt sie auf: Die bisherige Leiterin des umstrittenen Zeltlagers für Asylbewerber in Thisted, Mika Røsholt, hat ihren Job gekündigt. „Für mich ergibt das hier nicht mehr hundert Prozent Sinn“, sagt sie, nachdem viele der der einkasernierten Asylbewerber bereits seit knapp zehn Monaten unter Zeltplanen ausharren und der Herbst allmählich ankommt.

Angetrieben von der mächtigen Dansk Folkeparti in der Oppostion setzt Dänemarks rechtsliberale Minderheitsregierung in der Flüchtlingspolitik auf Abschreckung. Teil des 2015 beschlossenen Paketes war die Errichtung des Zeltlagers in Thisted, in der besonders zugigen Nordwestecke Jütlands.


Es kämen, sagt sie, „vornehmlich härtere“ Flüchtlinge ins Lager, die Probleme mitbrächten, die die Mitarbeiter von früher nicht gewohnt seien. Zuletzt habe es gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, in die auch das Personal verwickelt worden sei. Das berichtet TV Midtvest. „Es ist ärgerlich, dass das hier zu einer Dauerlösung für die Bewohner geworden ist und ich schaffe es nicht mehr, die Bewohner und das Personal zu motivieren", so Røsholt.

Aus wenigen Wochen wurden zehn Monate

Einer der Bewohner, die schon seit Dezember in dem Zeltlager im nördlichen Jütland ausharren, ist Barzan Mahomodi. Auf seinen wenigen Quadratmetern in einer Box im Sportsaal des Lagers hat er viel Zeit gehabt, nachzudenken. Auch über die Mitteilung, die ihm bei seiner Ankunft gemacht wurde: „Ihr sollt hier nur zwei oder drei Wochen wohnen“. Aber jetzt sind aus drei Wochen fast zehn Monate geworden. „Sie haben ihr Versprechen nicht eingehalten“, sagt der 28 Jahre alte Iraner. Er ist mit seiner Unzufriedenheit nicht alleine. Die Registrierungszahlen des Lagers zeigen, dass im Laufe der Zeit immer weniger Asylbewerber aus dem Lager in andere Unterkünfte verteilt wurden. 50 Menschen müssen seit zehn Monaten unter Zeltplanen leben.

Asylbewerber werden ängstlicher, verschließen sich

Røsholt prangert die fatalen Auswirkungen auf die Asylbewerber an, die diese lange Zeit im Wartezustand auf sie hat: „Es ist nicht so, dass die Bewohner frustriert werden oder aufmüpfig gegen uns, sondern eher, dass sie sich verschließen, deprimiert und auf eine Art ängstlich werden“, berichtet sie.

Anders sieht es mit Neuankömmlingen aus. Sie seien oftmals anders gestrickt, würden aggressiv auftreten. Sie habe die Ausländerbehörde darauf aufmerksam gemacht – ohne Folgen. Sie könne nicht damit umgehen, dass immer mehr psychisch labile Personen in das Zeltlager kämen, so Røsholt zu „TV Midtvest“.

Ministerin Støjberg sieht „nichts Verkehrtes“ am Zeltlager

Integrationsministerin Inger Støjberg sieht trotz des Notrufes aus Thisted keinen Anlass, etwas grundlegendes zu ändern: „Die Zeltlager bleiben“, sagt sie. „ Ich sehe nichts Verkehrtes an der Art, wie wir in Dänemark Asylbewerber behandeln. Es dauert lange, bis der eigenen Antrag behandelt wird und das will ich gerne ändern“, sagt die Venstr-Politikerin. Dann könnten „die wirklich Verfolgten hier bleiben und die nicht Verfolgten etwas schneller nach Hause geschickt werden“.

Die dänische Integrationsministerin Inger Støjberg.
Die dänische Integrationsministerin Inger Støjberg. Foto: Thomas Eisenkrätzer

Das Zeltlager in Thisted sei kein Erstaufnahmelager sondern ein Asylbewerberheim, deshalb sei es nicht verwunderlich, dass der Aufenthalt länger dauern kann, so Støjberg weiter. Die Sicherheit im Lager will sie nicht über den Weg einer Verbesserung der Lebensumstände, sondern durch Videoüberwachung verbessern.

Røsholt ist bereits die zweite Leiterin seit Dezember, die ihren Job im Zeltlager Thisted hinwirft.

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erstellt am 29.Aug.2016 | 11:00 Uhr

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