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Deutschland & Welt

04. Dezember 2016 | 01:00 Uhr

Verkehr in SH : Gefahr auf der Straße: So verhalten Sie sich bei Wildunfällen richtig

vom

Im Herbst passieren die meisten Wildunfälle. Wie man diese vermeidet und für welche Schäden die Versicherung aufkommt.

Im Herbst werden die Tage kürzer und der Heimweg im Auto immer häufiger in der Dämmerung angetreten. Taucht dann auf der Landstraße plötzlich ein Reh vor dem Auto auf, kann es gefährlich werden. Denn auch das Wild ist zu dieser Jahres- und Tageszeit besonders aktiv. Die schlechten Licht- und Straßenverhältnisse sowie nasses Laub und früher Bodenfrost machen die Straßen außerdem zu Rutschbahnen. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, auf was Sie besonders achten müssen und wie es nach einem möglichen Unfall weiter geht.

Wie kann man einen Wildunfall vermeiden?

Pressesprecher und Biologe Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV) betont, dass das Fahren mit erhöhter Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer eins ist. „Der Bremsweg verkürzt sich bereits bei einer Reduzierung von 100 auf 80 Kilometern pro Stunde um 35 Meter“, so Reinwald, „und diese Meter können entscheidend sein“. Besondere Gefahr herrscht in unübersichtlichen Waldabschnitten sowie an Wald- und Feldrändern. Hier sollte man besonders vorsichtig und vorausschauend fahren.

Foto: Deutscher Jagdverband

Sollte man Wild im Lichtkegel erkennen, gilt es sofort abzublenden und zu hupen. Damit hilft man dem Tier sich zu orientieren und die Situation als Gefahr einzuschätzen. Wenn ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden ist, sollte man auf jeden Fall stark bremsen und das Lenkrad festhalten. „Unser gemeinsamer Appell mit dem ADAC ist: Lieber kontrolliert zusammenstoßen als unkontrolliert ausweichen“, mahnt Reinwald. Jährlich sterben deutschlandweit über 1000 Menschen durch Zusammenstöße mit Bäumen am Straßenrand. Oft kann dann die Unfallursache nicht eindeutig geklärt werden. Doch die Vermutung liegt nahe, dass Wildwechsel für diese Unfälle verantwortlich war.

Wie viele Wildunfälle gibt es?

„Durchschnittlich ereignet sich alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall in Deutschland“, sagt Reinwald. Da von der Polizei jedoch nur Unfälle mit Personenschaden statistisch erfasst werden, weichen die Zahlen des Deutschen Jagdverbands deutlich ab. Zudem spricht Reinwald von einer hohen Dunkelziffer an Unfällen, die nicht dokumentiert werden. Im Schnitt der letzten zehn bis 15 Jahre kam es jährlich zu circa 250.000 Wildunfällen.

2015 gab es einen leichten Rückgang der Unfälle. Jedoch besagt der langfristige Trend, dass mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen die Wildunfälle exponentiell steigen.

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Foto: Deutscher Jagdverband
 

Was tun, wenn es zu einem Wildunfall gekommen ist?

Wenn es zu einem Zusammenstoß mit einem Tier kommt, gilt es in erster Linie, Folgeunfälle zu vermeiden. Das heißt, die Unfallstelle muss mit Warndreieck und Warnblinklicht gesichert werden. Wenn das Tier tot ist, sollte es möglichst mit Schutzhandschuhen von der Straße gezogen werden. „Wenn das Tier noch lebt, sollte man ihm auf keinen Fall zu nahe kommen“, warnt Reinwald. „Selbst ein kleines Reh kann sehr gefährlich werden, wenn es in Todesangst gerät.“

In jedem Fall ist es die Pflicht des Fahrers, sofort die Polizei zu informieren. Das gilt auch, wenn das Tier scheinbar unverletzt flüchten konnte. Die Polizei leitet die Information an den zuständigen Jagdpächter weiter, der gegebenfalls nach dem verletzten Tier suchen muss. Dafür ist es hilfreich, die Stelle des Unfalls und des Fluchtortes zum Beispiel mit einem weißen Taschentuch zu markieren.

Welche Versicherung ist bei Wildunfällen nötig?

Eventuelle Schäden am Fahrzeug müssen gut dokumentiert werden, damit überprüft werden kann, ob sie durch die jeweilige Versicherung übernommen werden. Dazu gehört auch eine sogenannte Wildschadenbescheinigung, die die Polizei oder der zuständige Jagdpächter im Falle eines Unfalls ausstellt. 

„Die Teilkasko zahlt nur dann, wenn der Fahrer einen entsprechenden Nachweis führen kann“, sagt Rechtsanwalt Jens Dötsch von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht. Wichtig ist zudem, welches Tier den Unfall verursacht hat. „Abgedeckt sind in der Regel Schäden durch Haarwild, wozu Rehe, Hirsche, Füchse oder Wildschweine zählen.“ Komplizierter ist es, wenn Fahrer Wildtieren ausweichen und dabei im Straßengaben oder am Baum landen. Dann bezahle die Versicherung nur, „wenn der Fahrer eindeutig nachweisen kann, dass durch das Ausweichmanöver ein größerer Schaden verhindert wurde“, so Dötsch. Dies könne etwa bei einem großen Tier wie einem kapitalen Hirsch der Fall sein.

Jost Kerger, Rechtexperte beim ADAC, rät den Versicherungsschutz auf die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Sollte zum Beispiel ein Nordeuropa-Urlaub anstehen, könnte eine einfache Teilkasko, die nur heimische Tierarten nach dem Bundesjagdgesetzt abdeckt, nicht ausreichen. Weitere Informationen zum Versicherungsschutz finden Sie beim ADAC.

Was ist das Tierfund-Kataster?

Um erstmals in Deutschland eine bundesweite Erfassung von Wildunfällen zu ermöglichen hat der Deutsche Jadgverband in Zusammenarbeit mit dem ADAC und der Universität Kiel das Tierfund-Kataster ins Leben gerufen. Dieses stellt eine bundesweite Erfassung ausgewählter Wildtierarten mit wissenschaftlichen Methoden dar und liefert abgesichertes Datenmaterial. Mit Hilfe einer neuen App soll es noch einfacher werden Wildunfälle zu melden, die dann geprüft und ausgewertet werden können.

Die erhobenen Daten können zum Beispiel Antworten darauf geben, wie sich Wildunfälle vermeiden lassen oder sich die Verkehrsplanung mit Schildern oder Querungshilfen verbessern lässt. Mehr Informationen zum Tierfund-Kataster und wie Sie selbst mitmachen können erfahren Sie hier.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 16:48 Uhr

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