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Deutschland & Welt

10. Dezember 2016 | 00:17 Uhr

Anti-Rassismus-Demo in Dallas : Fünf Polizisten erschossen - Verdächtiger in Dallas soll tot sein

vom
Aus der Onlineredaktion

Zehn weitere Polizisten sind verletzt worden. Die Polizei geht von zwei Scharfschützen aus. Ein Mann behauptet, dass noch Bomben versteckt seien.

Dallas | Der Heckenschütze, der sich in einem Parkhaus in der US-Stadt Dallas verschanzt hatte, soll nach Angaben mehrerer US-Medien tot sein. Der Mann habe sich selbst getötet, berichteten unter anderem die „Dallas Morning News“ und der Sender CBS11. Eine offizielle Bestätigung der Polizei gab es dafür zunächst nicht. In anderen Berichten war von einer Festnahme die Rede.

Der Mann hatte sich am frühen Freitagmorgen einen längeren Schusswechsel mit der Polizei geliefert. Während einer Demonstration gegen Polizeigewalt hatten nach offiziellen Angaben Heckenschützen fünf Polizisten getötet und mindestens sechs verletzt. Die Polizei hat mindestens drei Verdächtige festgenommen. Anlass für den Protestmarsch war der Tod von zwei Schwarzen, die in anderen US-Städten durch Polizeischüsse ums Leben gekommen waren.

 

„Die Schützen wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten“, sagte Polizeichef David Brown vor Journalisten. Das Motiv ist nach Angaben der Polizei noch unklar.

<p>Szenen wie aus einem Film: Die Polizei versteckt sich vor den Schüssen hinter einer Mauer.</p>

Szenen wie aus einem Film: Die Polizei versteckt sich vor den Schüssen hinter einer Mauer.

Foto: Smiley N. Pool/ap/dpa
 

Nach den Schüssen hatte sich der wahrscheinlich mittlerweile tote Verdächtige nach Angaben von Brown in einem Parkhaus verschanzt. Der Mann habe auf die Polizei geschossen, Verhandlungen seien zunächst erfolglos geblieben. Der Verdächtige habe zudem angegeben, dass in der Stadt Bomben versteckt seien.

US-Präsident Barack Obama wurde beim Nato-Gipfel in Warschau über die Lage in Dallas unterrichtet. Das teilte sein Sprecher Josh Earnest mit. Der Präsident habe sein Team gebeten, ihn laufend über die Situation in der Stadt zu informieren.

Die Polizei nahm drei weitere Verdächtige fest. Dabei handelte es sich nach den Worten von Brown um eine Frau, die in der Nähe des Parkhauses festgenommen wurde, und zwei Männer, die zuvor in einem Wagen geflüchtet waren. „Wir sind aber noch nicht vollständig sicher, dass wir alle Verdächtigen in Gewahrsam haben“, sagte Brown. Bürgermeister Mike Rawlings forderte die Bevölkerung auf, den Tatort zu meiden.

Was wir wissen
  • Die ersten Schüsse sind um 20.45 Uhr am Donnerstagabend gefallen.
  • Fünf Polizisten sind ums Leben gekommen. Einer von ihnen arbeitete für das Nahverkehrsunternehmen DART, wie das Unternehmen mitteilte.
  • Mindestens sechs weitere Beamte wurden verletzt.
  • Bei den Tätern handelte es sich nach Angaben der Polizei um Heckenschützen.
  • Ein Verdächtiger habe sich in einem mehrstöckigen Parkhaus verschanzt, sagte Brown am frühen Morgen. Die Polizei verhandele mit ihm. Er habe damit gedroht, weitere Polizisten zu töten. Zudem habe er angegeben, dass Bomben im Parkhaus und in der Stadt versteckt seien.
  • Die Polizei nahm drei Verdächtige fest. Darunter sei eine Frau, die in der Nähe des Parkhauses gefasst wurde. Bei den beiden andere handele es sich um zwei Männer, die in einem Auto geflohen waren.
  • Die Polizei gehe davon aus, dass die Festgenommenen zusammengearbeitet haben, sagte Brown.
  • Die Polizei veröffentlichte auf Twitter das Bild eines Mannes. Dieser stellte sich danach der Polizei.
Was wir nicht wissen
  • Zur Identität der Festgenommenen machte die Polizei keinerlei Angaben.-
  • Es ist unklar, ob es weitere Verdächtige gibt. Brown sagte, er sei nicht vollständig überzeugt, dass bereits alle Verdächtigen in Gewahrsam seien.
  • Ob tatsächlich Bomben gelegt wurden, ist unklar.
  • Sprengstoffexperten untersuchten nach Angaben der Polizei ein verdächtiges Paket.
  • Das Motiv für die Tat ist noch unbekannt.
  • Ob der Mann auf dem von der Polizei veröffentlichten Foto zu den Tatverdächtigen zählt, ist nicht klar. Medienberichten zufolge könnte er zu den Mitorganisatoren des Protestmarsches gehören.
 

Bei einem der Toten handelt es sich offenbar um einen Polizisten im Dienst des Nahverkehrsunternehmens DART. Drei weitere wurden verletzt, wie DART auf Twitter mitteilte. Die Polizei forderte die Bürger auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden. Der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen, wie die „Dallas Morning News“ meldete.

Augenzeugen berichteten von Chaos, als die ersten Schüsse kurz vor 21 Uhr (Ortszeit) am Donnerstag fielen. Passanten suchten Schutz in Hauseingängen oder Bushaltestellen. Als die ersten Schüsse zu hören waren, habe sie zunächst gedacht, es handele sich um Feuerwerkskörper, sagte eine Zeugin dem Sender KTVT, die von „mindestens 30 Schüssen“ sprach. In einem von CNN veröffentlichten Video waren eine Reihe von Schüsse zu hören. „Hier ist wirklich jemand bis an die Zähne bewaffnet“, sagt ein Zeuge. Ein anderes Video zeigte einen Schusswechsel zwischen einem Verdächtigen und der Polizei.

Zuvor liefen die Proteste in der Stadt friedlich. Anlass war der Tod von zwei Schwarzen innerhalb von zwei Tagen: In Falcon Heights (Minnesota) war der 32 Jahre alte Philando Castile im Krankenhaus gestorben, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. In Baton Rouge (Louisiana) hatten zwei Polizisten den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und aus nächster Nähe erschossen.

US-Präsident Barack Obama hatte auf diese Vorfälle betroffen reagiert. Er beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.

 

Und auch Hillary Clinton machte via Twitter ihre Bestürzung über die jüngsten Vorfälle deutlich.

 

In den vergangenen Jahren gab es einige Fälle in den USA, in denen Polizisten Gewalt gegen Schwarze angewendet hatten.

Eine Auswahl der Fälle:

Juli 2015 Cincinnati (Ohio) Weißer Polizist erschießt unbewaffneten Schwarzen - -
April 2015 North Charleston (South Carolina) Weißer Polizist erschießt Schwarzen Anklage: Mord -
Nov. 2014 Ferguson (Missouri) Weißer Polizist erschießt unbewaffneten schwarzen Teenager Keine Anklage Jury sieht keine Beweise für Straftat
Juli 2010 Oakland (Kalifornien) Weißer Bahnpolizist erschießt unbewaffneten Schwarzen Anklage: Mord Urteil: Zwei Jahre wegen fahrlässiger Tötung
Nov. 2006 New York Polizisten feuern mehrfach auf unbewaffneten Schwarzen Anklage: fahrlässige Tötung Urteil: Freispruch
April 2001 Cincinnati (Ohio) Polizist erschießt unbewaffneten Schwarzen. Anschließend Unruhen Anklage: fahrlässige Tötung Urteil: Freispruch
März 1991 Los Angeles Autobahnpolizisten schlagen Rodney King zusammen Anklage: Körperverletzung Urteil: zunächst Freispruch. Revision: Zwei Polizisten erhalten jeweils 30 Monate Haft

 

Über die tödlichen Schüssen in Dallas zeigten sich Prominente in den USA bestürzt. Sänger John Legend (37) schrieb auf Twitter, das Töten durch Polizisten abzulehnen bedeute nicht, das Töten von Polizisten gutzuheißen. „Wir brauchen Frieden auf unseren Straßen.“ Der Tweet wurde innerhalb einer Stunde rund 16.000 Mal geteilt.

 

Schauspielerin Patricia Arquette (48) schrieb wenig später: „Bitte hört auf, euch gegenseitig umzubringen. Keine Schusswaffen mehr. Keine Gewalt mehr. Kein Mord mehr. Schrecklich.“

 
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erstellt am 08.Jul.2016 | 07:50 Uhr

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