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Deutschland & Welt

11. Dezember 2016 | 09:07 Uhr

Angela Merkel bis Syriens Weisshelme : Friedensnobelpreis 2016: Das sind die heißesten Kandidaten

vom
Aus der Onlineredaktion

Am Freitag wird der Friedensnobelpreis vergeben. shz.de gibt einen Überblick über mögliche Kandidaten.

Oslo | Die Jury des Friedensnobelpreises hatte in diesem Jahr eine schwierige Aufgabe zu meistern: Noch nie waren mehr Menschen und Organisationen für die prestigeträchtige Auszeichnung nominiert. 376 Kandidaten stehen auf der Liste für den Nobelpreis 2016. Wen das norwegische Nobelkomitee aus der Rekordzahl von Vorschlägen ausgewählt hat, verkündet es am Freitag (11 Uhr) in Oslo. shz.de berichtet ab 10 Uhr im Liveticker - hier geht es dorthin.

Unter den in diesem Jahr nominierten Kandidaten finden sich zahlreiche würdige Menschen, die eine Auszeichnung dieser Art verdient hätten. Einige der Favoriten stechen durch ihre eindrucksvollen Beiträge zur Friedensförderung heraus, doch das zuständige Komitee vergibt die Friedensauszeichnung nicht selten an überraschende Rezipienten.

Eine Übersicht über die Kandidaten:

Griechische Inselbewohner

Rund 200 Flüchtlinge hatte der Kutter an Bord, der im April 2015 vor Rhodos auf die Felsen lief.
Rund 200 Flüchtlinge hatte der Kutter an Bord, der im April 2015 vor Rhodos auf die Felsen lief. Foto: Loukas Mastis

Hunderttausende Unterstützer und mehrere namhafte Wissenschaftler weltweit fordern, den Friedensnobelpreis an die Bewohner der griechischen Ägäisinseln zu vergeben. Was zunächst etwas kurios anmuten mag, hat durchaus einen verdienten Grund: Ihr selbstloser und vorbildlicher Einsatz im Rahmen der derzeitigen Flüchtlingskrise.

Zum Gesicht der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer auf den ägäischen Inseln wurde im Sommer des vergangenen Jahres der griechische Soldat Antonis Deligiorgis. Der damals 34-Jährige hatte im April 2015 mehrere Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet, deren Boot an der Küste von Rhodos zerschellt war.

Angela Merkel

Selfie mit Flüchtling: Dieses Foto von Bundeskanzlerin Merkel ging um die Welt.
Selfie mit Flüchtling: Dieses Foto von Bundeskanzlerin Merkel ging um die Welt. Foto: Bernd von Jutrczenka

Die Bundeskanzlerin galt wegen der offenen Haltung, die sie im Rahmen ihrer Flüchtlingspolitik an den Tag legte, besonders im vergangenen Jahr als große Favoritin auf die weltbekannte Auszeichnung. Wenngleich sie mit genau dieser politischen Einstellung die Geister mittlerweile mehr denn je spaltet, gehört die Kanzlerin auch bei der diesjährigen Verleihung zum Kandidatenkreis.

Juan Manuel Santos & Timoleon Jimenez

Historische Geste: Präsident Juan Manuel Santos (links) und Farc-Anführer Timoleón Jiménez (rechts) reichen sich die Hand.

Historische Geste: Präsident Juan Manuel Santos (links) und Farc-Anführer Timoleón Jiménez (rechts) reichen sich die Hand.

Foto: dpa

Die kolumbianische Regierung und die Farc-Rebellen hatten einen Friedensvertrag nach knapp vierjährigen Verhandlungen unterzeichnet. Der Vertrag sollte den ältesten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas mit mehr als 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen beilegen. Doch nun sind alle Hoffnungen zunächst wieder zerstört. Der Grund: Die Kolumbianer stimmten Anfang der Woche überraschend gegen den Vertrag.

Damit dürften die Chancen des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos und des Kommandeurs der linken Guerillaorganisation, Timoleón Jiménez alias Timochenko, auf den Nobelpreis wieder gesunken sein - obwohl sie den Vertrag viele Jahre aushandelten und deswegen als heiß gehandelte Kandidaten gelten.

Syriens Weißhelme

Die syrischen Weißhelme gelten als Kandidat für den Friedensnobelpreis.
Die syrischen Weißhelme gelten als Kandidat für den Friedensnobelpreis. Foto: Syria Civil Defense Idlib / Hand

Für ihr Engagement bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg ist die Organisation „Weißhelme“ bereits mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Die unbewaffnete und unparteiische Gruppe besteht aus 3000 Freiwilligen, die in diesem Konflikt ohne Ansehen der Person Leben retten. Seit ihrer Gründung im März 2013 wurden 141 Helfer landesweit getötet.

Auch zahlreiche Hollywood-Promis haben sich für eine Auszeichnung der freiwilligen Helfer eingesetzt, die ihr Leben riskieren, um ihre Mitmenschen nach Bombenangriffen aus den Trümmern zu retten.

Denis Mukwege

Dr. Denis Mukwege thematisiert die Probleme seines Landes Kongo auf der internationalen Bühne.
Dr. Denis Mukwege thematisiert die Probleme seines Landes Kongo auf der internationalen Bühne. Foto: imago/Belga

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege ist ein Dauerkandidat auf der Liste der bekannten Nominierungen. Der Gynäkologe und Menschenrechtsaktivist hat seit 1999 operative Eingriffe an über 40.000 Mädchen und Frauen durchgeführt, die zuvor sexueller Gewalt zum Opfer gefallen waren. Im April wurde ihm der Four Freedoms Award in der Kategorie „Freiheit von Not“ zuteil.

Papst Franziskus

Papst Franziskus während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.
Papst Franziskus während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Foto: Giorgio Onorati

Papst Franziskus tritt weitaus politischer auf als seine Vorgänger, sein Engagement gilt vor allem den Armen in aller Welt. Der bescheidene Papst ist bekannt dafür, sich regelmäßig für obdachlose Menschen einzusetzen und sich außerdem mit kritischen Äußerungen bezüglich der Kirche nicht zurückzuhalten.

Seit seiner Wahl im März 2013 wurde Franziskus schon mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert. Ähnlich wie Merkel zählte auch er zum engsten Favoritenkreis bei der letzten Verleihung. Der womöglich politischste Papst aller Zeiten wäre im Falle eines Sieges das erste Oberhaupt der Katholischen Kirche mit einem Friedensnobelpreis.

Edward Snowden

Edward Snowden lebt mittlerweile in Russland, nachdem er 2013 geheime Dokumente der NSA geleakt hatte.
Edward Snowden lebt mittlerweile in Russland, nachdem er 2013 geheime Dokumente der NSA geleakt hatte. Foto: Glenn Greenwald / Laura Poitras

Manch einer mag die Kandidatur des Ex-NSA-Agenten als unerwartet empfinden, doch Edward Snowden hat den Kampf gegen die US-Geheimdienste gewagt und damit der Demokratie und folglich auch dem Frieden gedient. Dafür wurde der „Whistleblower“ bereits in den vergangenen beiden Jahren für den Friedensnobelpreis nominiert, 2014 erhielt er den Alternativen Nobelpreis.

Die Begründung seiner Nominierung hatte das Stockholmer Komitee des Alternativen Nobelpreises bereits damals parat: Snowden verdiene die Auszeichnung, „weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt“.

Swetlana Gannuschkina

<p>Die russische Bürgerrechtlerin Swetlana Gannuschkina 2011 in ihrer Wohnung in Moskau.</p>

Die russische Bürgerrechtlerin Swetlana Gannuschkina 2011 in ihrer Wohnung in Moskau.

Foto: dpa

Auch die amtierende Preisträgerin der alternativen Auszeichnung werden in diesem Jahr gute Chancen eingeräumt. Die russische Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina kämpft für die Rechte von Flüchtlingen in Russland, seit den 1970er Jahren baute die 74-Jährige ein landesweites Netzwerk mit Beratungsstellen für Vertriebene und Flüchtlinge auf.

Gannuschkina gilt als scharfe Putin-Kritikerin, was ihr Engagement nicht ungefährlich macht. Viele ihrer Weggefährten im Kampf für Menschenrechte in Russland wie die Journalistin Anna Politkowskaja sind ermordet worden.

Welche bekannten Persönlichkeiten haben den Preis bereits erhalten? Eine Übersicht:

Hintergrund: Die berühmtesten Friedensnobelpreisträger

Barack Obama: Der Preis an den amtierenden US-Präsidenten ist einer der umstrittensten in der Geschichte des Nobelpreises. Obama ist aber längst nicht der einzige Bewohner des Weißen Hauses, der die Auszeichnung bekommen hat. Vor ihm wurde die Ehre etwa schon Theodore Roosevelt (1906) und Woodrow Wilson (1919) zuteil.

Martin Luther King Jr.: Vier Jahre, bevor er ermordet wurde, erhielt der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King 1964 den Friedensnobelpreis.

Mutter Teresa: Die Helferin der Armen und Kranken, die im September heiliggesprochen wurde, bekam den Nobelpreis 1979.

Nelson Mandela: Für seinen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika verlieh die Nobeljury Mandela (noch vor seiner Zeit als erster dunkelhäutiger Präsident des Landes) 1993 die Auszeichnung.

Willy Brandt: Bekanntester deutscher Nobelpreisträger ist wohl der damalige Bundeskanzler Willy Brandt. Der SPD-Politiker wurde 1971 für seine Ostpolitik geehrt, die zur Entspannung im Kalten Krieg beitrug.

Arafat, Peres und Rabin: Der Ende September gestorbene israelische Altpräsident Schimon Peres bekam den Preis 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Izchak Rabin und dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat für ihre Bemühungen um ein Ende des Nahost-Konfliktes.

Die EU: Mit dem Nobelpreis für die Europäische Union würdigte das norwegische Komitee 2012 deren Beitrag zu Frieden in Europa.

Kofi Annan und die UN: Zuvor hatte die Jury eine andere große Organisation ausgezeichnet: 2001 bekamen die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan den Nobelpreis.

 

(mit dpa)

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erstellt am 07.Okt.2016 | 06:40 Uhr

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