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Fernsehen

03. Dezember 2016 | 12:49 Uhr

ARD-Sonntagskrimi aus Köln : „Tatort“: Tod aus der Vergangenheit

vom

Eindringliche Bilder und eine berührende wie spannende Geschichte tischen uns Ballauf und Schenk auf. Frank Kobers Kritik.

Es ist dunkel, eine Krankenstation, fahles Neonlicht. Wir sehen eine beunruhigte Ärztin, eine scheue Krankenschwester. Und wir sehen böse Narben in Großaufnahme – gebrannt, geätzt, gepeitscht in dunkelhäutige Körper. Dann wird ein Brief unter einer Tür hindurchgeschoben. Mysteriös, mysteriös.

Zwei Filmminuten später liegt vor dem Krankenhaus ein Mann tot in seinem Blut. Dr. Patrick Wangila, ein Arzt aus dem Kongo. Zuverlässig, präzise, ja, fehlerlos, so beschreiben Kollegen den Mann, der vor ein paar Jahren der Bürgerkriegshölle in seiner Heimat entflohen war. Und allseits beliebt. Bei Patienten wie Kollegen. Vor allem den weiblichen (u.a. Julia Jäger, Laura Tonke). Warum aber wurde er niedergestochen?

Hatte er Probleme mit der afrikanischen Flüchtlingscommunity? War er in schiefe Geschäfte verwickelt? Oder hatte er gar eine Affäre, die womöglich seiner Frau (Anne Ratte-Polle) die Sicherungen durchbrennen ließen?  Die Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) sind zunächst ratlos. Bis sie in einem Flüchtlingsheim von einer Razzia hören, bei der kürzlich eine junge Frau aus dem Kongo zu Tode kam. Was war passiert, als Dr. Wangila hier als Rettungsarzt eintraf? Und wie hing das mit dem Mord an ihm zusammen?

Ein schockierender Fall, den uns da Rainer Butt (Buch) und Torsten C. Fischer vor Augen führen. Denn was als stinknormale Ermittlung beginnt, entpuppt sich bald zu einem Politikum ersten Ranges. 

Von wegen heile Integration eines afrikanischen Flüchtlings. Mit voller Wucht prallen die Gräuel des Bürgerkriegs im Ost-Kongo in unser Wohlstandsbiotop. Mehr noch: Dr. Wangilas dunkle Vergangenheit holt ihn und seine entrückt-naiven Helfer in Deutschland ein. Und hinterlässt erneut – böse Narben. Diesmal in den Seelen und Herzen einiger verdammt netter Leute in Köln.

Ein spannender wie berührender „Tatort“. Mit einem großartigen Ensemble und eindringlichen Bildern. Müssen wir uns an solche Filme gewöhnen – in diesen Zeiten?

„Tatort – Narben“: 1. Mai, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 01.Mai.2016 | 11:45 Uhr

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