zur Navigation springen

Fernsehen

09. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Welttag des Fernsehens 2016 : Pro und Contra: Braucht man noch einen Fernseher?

vom

Verbindendes Element in der Familie oder überflüssiges Möbelstück? Zwei Meinungen zum Fernseher.

Pro: Fernsehen schweißt zusammen, sagt Maximilian Matthies:

Seit meiner Jugend besitze ich einen eigenen Fernseher und es würde mir schwerfallen, auf ihn zu verzichten. Weil Fernsehen das Leben leichter macht. Vier Gründe.

Fernsehen ist einfach. Ich schaue in die Programm-Zeitschrift und weiß, ob es sich lohnt einzuschalten – oder nicht. Oft brauche ich aber auch gar nicht nachschauen, sondern ich weiß, was gerade läuft. Zum Beispiel am Sonntagabend. Ich mag es, ohne Nachdenken den Fernseher anzuschalten, um selbst abzuschalten.

Fernsehen ist Sicherheit. Früher gab es Sendungen, die wir in der Familie immer zusammen geschaut haben. Jeder konnte sich danach richten, jeder war im Film. Das hat manchmal zusammengeschweißt. Fernsehen war auch Familie. Heutzutage wird das Fernsehen durch Streaming abgelöst. Die Angebote sind flexibler. Das ist schön. Aber es geht dadurch auch etwas verloren: ein gemeinsamer Anker.

Fernsehen ist flexibel. Ein Fernseher kann nebenbei laufen. Er kann aber auch beachtet werden. Fernsehen bietet viele Programme mit einer großen Auswahl. Ich kann schnell hin und her wechseln oder bei einem bleiben. Ich kann sicher sein, nichts zu verpassen, auch wenn ich etwas verpasse. Ich kann die Uhr nach meinen Lieblingssendungen stellen, ich kann es auch lassen. Ich kann mir durch wiederkehrende Fernsehsendungen eine Struktur geben, an die muss man sich aber nicht halten. Und das hat keine Konsequenzen.

Fernsehen ist wichtig. Über alle Ereignisse auf der Welt halten uns die Fernsehnachrichten auf dem Laufenden. Den ganzen Tag. Wir brauchen nichts dafür zu tun. Im Fernsehen sehen wir Politik-Talkshows, spannende Dokumentation und gute Journale. Wir schauen Sendungen mit unseren Mitmenschen zur gleichen Zeit. Fernsehen liefert uns Gesprächsstoff, und vor allem macht es Spaß.

 

Contra: Ohne Fernseher gibt's weniger Streit - und ein schöneres Wohnzimmer, sagt Anna Gellner:

Als ich vor elf Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich meinen Fernseher vergessen. Oder er passte nicht mehr ins Auto, so genau weiß ich das nicht mehr. Ich weiß nur: Seitdem habe ich ihn nicht ein einziges Mal vermisst. Erst der Welttag des Fernsehens heute lässt mich kurz aufschrecken: Ach ja, dieses Fernsehen, da war ja was.

Warum das so ist? Man könnte jetzt anfangen mit den vielen Shows, die im Fernsehen laufen, die man aber nicht gesehen haben muss (gerne übrigens mit einem Star im Namen). „Deutschland sucht den Superstar“, „Popstars“, „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, „Ich bin ein Star, holt mich wieder rein“, „Germany’s Next Topmodel“, „Adam sucht Eva“, „Schwiegertochter gesucht“, „Bauer sucht Frau“, „Big Brother“, „Frauentausch“. (Okay, ich hör schon auf). Aber das Programm ist nicht das Problem, es gibt ja auch viel Sehenswertes im TV. Und ich würde es dort auch schauen. Wenn ich es tun könnte, wann ich möchte – und nicht, wenn es mir der Programmdirektor vorschreibt.

Es ist nämlich nicht so, dass ich nicht gerne Serien schauen würde. Ich schaue sogar ganz schön viele – und meistens auch ganz schön lange. Netflix und die Mediatheken erlauben es mir, selbst über meine Zeit zu bestimmen. Was gibt es schließlich Schöneres, als sechs Folgen „Orange is the new Black“ mitten in der Nacht am Stück zu gucken, eingekuschelt in die Bettdecke und mit dem iPad auf dem Kopfkissen? Eben.

Das Streamen hat aber noch viel mehr Vorteile. Noch nie musste ich mich mit meinem Freund um eine Fernbedienung streiten. Noch nie ein Kaffeetrinken am Sonntag abbrechen, weil ja gleich der Tatort anfängt. Ich kann auswählen und muss mich nicht berieseln lassen. Und: Noch nie musste ich meine Wohnzimmereinrichtung einer sperrigen schwarzen Kiste anpassen.

Mein alter Fernseher fristet übrigens mittlerweile ein trostloses Dasein im Keller meiner Eltern. Max, du darfst ihn dir gerne abholen!

zur Startseite

von
erstellt am 20.Nov.2016 | 20:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen