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Sendestart für Staffel 30 : 30 Jahre Großstadtrevier – neue Folgen ab Montag

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Das Großstadtrevier ist eine der langlebigsten Serien im deutschen Fernsehen. Der NDR würdigt den Kult-Krimi am Samstag.

Hamburg | Es ist eine Erfolgsstory: Seit 30 Jahren gibt es das Großstadtrevier. Heute ist es aus dem ARD-Vorabendprogramm nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder also, dass am Montag (18.50 Uhr) der Startschuss für die Folgen der 30. Staffel fällt. Dann jagen die Beamten des 14. Hamburger Polizeireviers auf dem Kiez wieder Verbrecher und die Band Truckstop besingt in der Titelmusik „große Haie, kleine Fische“. Das ist heute so und das war auch am 16. Dezember 1986 so, als das Großstadtrevier erstmals im Fernsehen lief.

Zwischen dem realen 14. Polizeikommissariat und dem Großstadtrevier im TV liegen in Hamburg einige Kilometer - und bei der Polizeiarbeit bisweilen Welten. Dabei ist die Krimiserie seit 30 Jahren näher dran am Polizeialltag als andere und von der Polizei preisgekrönt worden.

Damals ließ Jan Fedder noch auf sich warten. Die 2014 verstorbene Mareike Carrière sorgte von Beginn an für Aufsehen. „Mensch, der Bulle ist 'ne Frau“, hieß es in ihrer ersten Schicht. Jürgen Roland (1925-2007), der Großstadtrevier-Erfinder, mischte lange noch kräftig mit. Der Krimi-Altmeister („Stahlnetz“) hatte die Idee zu der Serie über die Mühen und Konflikte im Polizeialltag: „Der Polizist auf der Straße hat für eine Entscheidung manchmal zwei Sekunden, wofür der Richter zwei Monate hat.“ Schon in der Konzeption der Serie griff er das seinerzeit viel diskutierte Thema „Frauen als Polizistinnen im Streifendienst“ auf, wie die Macher der Serie noch einmal erinnern.

In der neuen Staffel geht es wieder um Polizistin Ellen Wegener, als die Carrière vielen Zuschauern bekannt geworden war. 62 Episoden lang blieb sie dabei, die Doppelfolge um ihren Tod schaffte 1994 die höchste Einschaltquote in der Großstadtrevier-Geschichte.

Die Polizistin stirbt, just nachdem ihr endlich jener Kollege einen Heiratsantrag gemacht hat, der 1992 in Folge 37 als „Der Neue“ im Hawaii-Hemd auf der Wache erschienen war: Dirk Matthies, St.-Paulianer mit großem Herz und Kodderschnauze. Der Kiez-Bulle wird zur Paraderolle von Jan Fedder, längst ist er das Gesicht der Serie. Beliebt war er zu Beginn nicht:

Wie Dirk Matthies zum 14. Revier kam erklärt er in seiner ersten Folge:

In den 16 Episoden der Jubiläumsstaffel warten auf ihn und seine Kollegen diverse Begegnungen mit der Vergangenheit und alten Bekannten wie Peter Heinrich Brix, der 15 Jahre lang Lothar Krüger war. Fedder selbst, gesundheitlich angeschlagen, fährt als Matthies nicht mehr Streife, sondern ist Milieuermittler. Innendienst muss in der Jubiläumsstaffel plötzlich Hariklia „Harry“ Möller (Maria Ketikidou) schieben.

Maria Ketikidou ist seit Staffel 8 dabei.
Maria Ketikidou ist seit Staffel 8 dabei. Seit 1994 gibt Schauspielerin die Zivilfahnderin. Mit der Tochter griechischer Eltern, habe Jürgen Roland früh ein Thema eingeführt, „das noch heute aktuell ist - Polizisten mit Migrationshintergrund“, erinnern sich die Macher. Foto: Imago/Revierfoto

Gleich in der ersten neuen Folge („So viele Jahre“) weckt der Fall Adelheid Martens ungute Erinnerungen bei Matthies, handelt es sich doch um jene Apothekerin, die seine Ellen damals vergiftet hatte. „Das ist sehr eindringlich“, sagt Fedder im Interview. „Nun nach all den Jahren der Mörderin zu begegnen, die schon alt und dement ist, geht an die Nieren.“

Interview mit Jan Fedder

Bevor Sie als Dirk Matthies Ihren Dienst angetreten haben, hatten Sie einzelne Auftritte im „Großstadtrevier“. Warum hat es bis Folge 37 gedauert, bis Sie dauerhaft eingestiegen sind?

Ich habe damals lange gebraucht, um mich selbst zu überzeugen, weil ich zu der Zeit sicherlich auf der anderen Seite stand. Ich wohnte ja auch damals schon auf St. Pauli - und dann kriegst du als St. Paulianer plötzlich das Angebot, einen Bullen zu spielen. Da musst du sehr lange nachdenken. Auf St. Pauli haben sich alle über diese Idee kaputtgelacht, aber sie haben mich akzeptiert.

Heute kann ich nur sagen: Es war die richtige Entscheidung. So lange schon dabei - großartig! Hätte mir das früher jemand prophezeit, hätte ich gelacht.

Hatten Sie nie die Sorge, als Schauspieler für alle Zeiten auf die Rolle des Kiez-Polizisten festgelegt zu werden?

 Nö! Irgendwann kriegst du zwar weniger Angebote, weil alle wissen, dass du ausgebucht bist. Aber ich spiele den Polizisten im „Großstadtrevier“, ich tobe mich aus als Komödiant in „Büttenwarder“, und ich mache immer wieder mal einen Spielfilm als Charakterdarsteller - was will der Mensch mehr? „Großstadtrevier“ drehen wir ab 14. März 2017 weiter, „Büttenwarder“ im Sommer. Und mit Produzent Markus Trebitsch, mit dem ich den „Hafenpastor“ gemacht habe, plane ich eine Geschichte, die so klasse ist, dass sie fast ein Siegfried-Lenz-Stoff sein könnte.

Wie stark mischen Sie sich noch in die Geschichten ein, die fürs „Großstadtrevier“ umgesetzt werden?

Eigentlich kaum noch. Neulich gab es zwar mal ein Buch, das habe ich ziemlich umgeschrieben. Eine Räubergeschichte, die stimmte vorne und hinten nicht. Und da ich ja selbst mal ein bisschen „Räuber“ war, musste ich da einfach ran. Aber insgesamt ist das jetzt so eine Maschinerie - die läuft im Gegensatz zu früher von alleine.

Außerdem bin ich kein anstrengender Schauspieler. Ich spiele meine Sachen, und wenn ich etwas ändern will, mache ich das spontan und direkt. Und dann geiht dat los!

Was hat sich verändert in all den Jahren, die Sie dabei sind?

Heute ist natürlich vieles anders als damals. Mit Jürgen Roland haben wir Dinger gedreht, die viel näher an der Realität dran waren. Allein schon wie wir geraucht haben wie die Schlote! Vieles von damals ist aber heute bei dem Anstand der Filme eben nicht mehr machbar. Jürgen hat mich geliebt, ich habe ihn geliebt, so konnten wir tun und lassen, was wir wollten. Aber die Hauptsache beim „Großstadtrevier“ ist ohnehin, dass die Hauptrolle die Freie und Hansestadt Hamburg spielt. Hamburg ist der Star der Serie. Dann kommt lange nix und dann erst wir. 

Und wie lange wollen Sie noch dem „Großstadtrevier“ treu bleiben?

Ich bin jetzt 20 Jahre mit meiner Marion zusammen, das ist eine unendliche, tiefe, große Liebe - und so geht es mir auch mit dem „Großstadtrevier“. Natürlich ist mir der Dirk ans Herz gewachsen. Inzwischen unterscheidet uns beide kaum noch etwas, ist alles fast ineinander verschmolzen. Die Entscheidung weiterzumachen, liegt ja nicht nur bei mir, aber ich würde es gerne so lange es nur irgendwie geht. Gesundheitlich erlebe ich seit langem ein Auf und Ab. Im Moment ist es wieder ganz gut, die letzten Wochen waren es nicht. Ich kann leider nie sagen, wann, wo, wie, was.

 

 

Zur Person

Jan Fedder ist ein echter Hamburger Jung - dort geboren, aufgewachsen und nach wie vor in der Hansestadt lebend. In Wolfgang Petersens Kinoerfolg „Das Boot“ (1981) war er als Bootsmaat Pilgrim an Bord, in „Neues aus Büttenwarder“ ist er seit bald 20 Jahren Bauer Brakelmann. Er bekam mehrere Preise, darunter den Deutschen Fernsehpreis für seine Hauptrolle in „Der Mann im Strom“ nach Siegfried Lenz und verschiedene Ehrenkommissarstitel der Polizei.

 

 
Dirk Matthies (Jan Fedder) und Ellen Wegener (Mareike Carrière) sind ein Paar. Kurz nach dem Hochzeitsantrag stirbt Ellen.
Dirk Matthies (Jan Fedder) und Ellen Wegener (Mareike Carrière) sind ein Paar. Kurz nach dem Hochzeitsantrag stirbt Ellen. Foto: Imago/United Archives
 

Neben ihm im Streifenwagen saßen später noch einige attraktive Kolleginnen, etwa Britta Schmeling, Andrea Lüdke, Dorothea Schenck, Ann-Cathrin Sudhoff und Anja Nejarri - mit keiner aber hatte Matthies wieder ein Verhältnis.

Jan Fedder und Ann-Cathrin Sudhoff (als Svenja Menzel) 2003 bei der Vorstellung der neuen Folgen.
Jan Fedder und Ann-Cathrin Sudhoff (als Svenja Menzel) 2003 bei der Vorstellung der neuen Folgen. Foto: Imago/Hogreve

Die moosgrün-beige Uniform hat auch in der Serie im Laufe der Zeit ausgedient. Sie wurde 1976 eingeführt und von Designer Heinz Oestergaard geschaffen. Es ist die einzige Uniform, die bei Landespolizei und Bundesgrenzschutz/Bundespolizei ein einheitliches Erscheinungsbild vorweisen konnte. Heute nutzt die alte Uniform nur noch Bayern. Alle anderen Bundesländer statten ihre Polizei mit Uniformen in blauer Farbgebung aus. In Hamburg seit 2005. Hier gibt es allerdings verschiedene Modelle. In einer Übergangsphase bis 2018 wird aber auch Bayern auf die blaue Uniform umsteigen.

Hintergrund: Echte Polizisten am Set vom „Großstadtrevier“

Er ist nicht nur länger beim „Großstadtrevier“ dabei als die Stars Jan Fedder und Maria Ketikidou, sondern im Gegensatz zu ihnen auch ein echter Polizist: Thorsten Käufer, 54 Jahre alter Polizeioberkommissar, der seit 1989 regelmäßig seine Dienstuniform gegen die aus dem Kleiderfundus der Vorabendserie tauscht. „Wir machen das nur an unseren freien Tagen, rein privat, und bekommen dafür eine Gage“, erzählt Käufer. Gemeinsam mit drei Polizei-Kollegen gehört er zu den Komparsen im 30 Jahre alten ARD-Dauerbrenner. Schon Serien-Erfinder Jürgen Roland wollte echte Polizisten in seiner Krimiserie haben. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Normalerweise ist Käufer als Motorradfahrer für das Polizeikommissariat 25 im Einsatz. In dessen Bereich steht auch das Gebäude in Hamburg-Bahrenfeld, in dem die Innenaufnahmen fürs „Großstadtrevier“ gedreht werden. „Bei uns in der Wache geht es im Vergleich zur sehr überschaubaren Besetzung der Großstadtrevier-Wache zu wie im Ameisenhaufen“, erzählt er. Und anders als in der Realität, wo es 26 Polizeikommissariate in der Stadt gibt, ist das „Großstadtrevier“ für ganz Hamburg zuständig.

Er gehört zu denen, die mit ihren Hinweisen an Autoren und Regie dafür sorgen, dass sich die Polizeiarbeit in der Serie dann doch nicht zu weit entfernt von der Wirklichkeit. „Man kann ja vieles machen, und es ist eben Fernsehen, aber manches ist zu sehr Wunschdenken“, berichtet er. „Als Polizist gehen einem die Nackenhaare hoch, wenn man sieht, was gelegentlich so getan und gebogen wird. Etwa wenn man einen Ladendieb mit der Waffe bedrohen oder ihm hinterherrufen soll: ,Stehen bleiben oder ich schieße!‘“

Das „Großstadtrevier“ bekomme das aber gut hin, auch das ZDF-Pendant „Notruf Hafenkante“, findet der Experte. „Aber beim ,Tatort‘ mit Til Schweiger muss ich abschalten. Das hat mit Polizeiarbeit nix mehr zu tun“, stöhnt er. „Wir arbeiten nach Recht und Gesetz und können nicht mal eben einem Zeugen ein Geständnis rauspressen, losprügeln und wild um uns schießen“, sagt der Polizist, der bei seinen eigenen Dreharbeiten, wo an einem ganzen Tag etwa sechs Filmminuten entstünden, vor allem eines gelernt hat: Geduld zu haben - „und sein Handy auf lautlos zu stellen“.

„Uns muss man natürlich nicht mehr viel erklären. Wir sind alle schon etliche Jahre dabei und wissen, wie der Hase läuft“, sagt Käufer und betont: „Wir sind im Endeffekt keine Schauspieler, sondern Schwenkfutter. Wir stehen im Hintergrund und tragen unsere Akten planlos durch die Gegend - das war's.“ Seine Arbeit als Polizist sei da spannender. „Heute zum Beispiel, als wir in Blankenese drei Einbrecher festnehmen konnten. Das Gelände groß abgesperrt, mit dem Hund rein und auch noch fündig geworden - das war eine schöne Sache.“

Käufers drei erwachsene Töchter sind weder bei der Polizei noch beim Film gelandet - er hingegen will beides so lange wie möglich miteinander vereinbaren.  (dpa)

 
Längst haben die blauen Uniformen Einzug in die Kultserie gehalten.
Längst haben die blauen Uniformen Einzug in die Kultserie gehalten. Foto: Imago/Future Image

Ab Mitte März wird wieder gedreht, auch mit Fedder. „Es ist mir eine Ehre, dass ich als Kapitän eines der letzten drei Schlachtschiffe - nämlich ,Tatort‘, ,Lindenstraße‘ und ,Großstadtrevier‘ – den Kahn über den ARD-Atlantik steuern darf“, sagt er. „Ich gebe mir Mühe und führe das Ding durch alle Stürme und Flauten.“

Vor dem Auftakt der neuen Staffel zeigt das NDR am Samstagabend einen siebenstündigen Großstadtrevier-Marathon zum 30-jährigen Jubiläum.

Uhrzeit Titel Folge (Jahr)
20.15 Uhr „Großstadtrevier - Heile Welt“ 351 (2014)
21.05 Uhr „Großstadtrevier - Bretter, die die Welt bedeuten“ 289 (2010)
21.55 Uhr „Großstadtrevier - Der Neue“ 37 (1992)
22.45 Uhr „30 Jahre Großstadtrevier“ Dokumentation (2016)
23.45 Uhr „Großstadtrevier - Ein Tag wie jeder andere“ 179 (2004)
0.35 Uhr „Großstadtrevier - Mensch, der Bulle ist 'ne Frau“ 1 (1986)
1.25 Uhr „Großstadtrevier - Ellens Abschied, Teil 1“ 61 (1994)
2.15 Uhr „Großstadtrevier - Ellens Abschied, Teil 2“ 62 (1994)
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erstellt am 03.Mär.2017 | 15:00 Uhr

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