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Deutschland & Welt

09. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Kunst statt Grenzland : Europas Kulturhauptstadt 2017: Wie Aarhus sich zeigen will

vom
Aus der Onlineredaktion

Aarhus ist europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2017. Jetzt stellten die Dänen ihr vielversprechendes Programm vor.

Aarhus | Als die Streicher spielen, kommen die Kinder. Mit Smartphones umwedeln sie die Musiker. Als der Bürgermeister spricht, sind sie wieder da. Er soll Englisch reden, ruft ein Junge, nicht Dänisch. Denn: Als Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2017 will Aarhus sich international geben und spekuliert auf Gäste aus anderen skandinavischen Ländern und Deutschland, England, Polen. Die kalkulierten Störungen der festlichen Eröffnung im famosen Jugendstil-Theater der Stadt sollen Offenheit widerspiegeln und signalisieren: Hier geht es modern und international zu, kinderfreundlich und hemdsärmelig.

Bei der Entscheidung über Europas Kulturhaupstadt 2017 war Sonderburg gemeinsam mit der deutsch-dänischen Grenzregion Sonderjylland-Schleswig angetreten. Die Jury entschied sich 2012 letztlich jedoch für Jütlands intellektuelles Zentrum Aarhus, das gute zwei Autostunden nördlich der Grenze liegt.

Röde Orm auf dem Dach

Auch das Motto ist englisch: „Let’s rethink“. Neu gedacht werden soll Kultur also in der die Stadt im Osten Jütlands, deren Aushängeschild das Aros-Museum für moderne Kunst mit der international berühmten Olafur-Eliasson-Regenbogen-Installation auf dem Dach ist. Was also gibt es zu sehen? Auf dem imposanten Grasdach des Moesgaard-Museums für Frühgeschichte werden Wikinger aufmarschieren. Mehrere Freiluftaufführungen des Röde-Orm-Epos sind geplant, einer der bekanntesten Wikingergeschichten überhaupt. Das Königliche Theater aus Kopenhagen inszeniert sie mit echten Pferden und aufwendiger, realitätsnaher Ausstattung. Weiteres Großereignis ist das zeitgenössische Ballett „Tree of Codes“, eine Interpretation des gleichnamigen Buchs von Erfolgsautor Jonathan Safran Foer. Aufführen werden es das Pariser Opernballett und die Company Wayne McGregor in Zusammenarbeit mit dem allgegenwärtigen Eliasson und dem britischen Soundkünstler Jamie xx.

Restaurierte alte Häuser an der historischen Mühlgasse Møllestien in Aarhus.
Restaurierte alte Häuser an der historischen Mühlgasse Møllestien in Aarhus. Foto: imago/ecomedia/robert fishman

Natur als Objekt

Die Natur steht im Mittelpunkt einer sommerlichen Sonderschau der Aros-Macher. „Garten - Zeitenende, Zeitenbeginn“ nennen sie einen vier Kilometer langen Kunstweg von der Innenstadt zum Ostseestrand. Das Genre Film ist vertreten durch neue Arrangements einer Trilogie der Oscar-prämierten dänischen Regisseurin Susanne Bier. Die Nationaloper erfindet ihren Film „Brothers“ neu für die Bühne. Der Choreograf Palle Granhøj macht „Für immer und ewig“ zu einem Ballett. Und die Aarhuser Konzerthalle und das Betty-Nansen-Theater kreieren eine musikalische Bühnenfassung von „Nach der Hochzeit“. Auch das Thema Essen verstehen die Dänen als Kultur und laden zu zahlreichen Events rund um die neue nordische Küche ein.

Aarhuser Nachtleben.
Aarhuser Nachtleben. Foto: imago/ecomedia/robert fishman

Zu groß für die kleine Stadt?

Klingt alles eine Nummer zu groß für eine gemütliche und bisschen graue Studentenstadt mit 315.000 Einwohnern in ländlicher Umgebung? Das wird man sehen. Sowohl Aros als auch Moesgaard müssen schon ohne besondere Schau keinen Vergleich scheuen. Fast alle Planer der Kulturhauptstadt-Aktionen haben internationale Erfahrung. Die vernetzen sie mit dem Engagement der Bürger aus Aarhus und zahlreichen Umland-Kommunen, in denen ebenfalls überall Aktionen stattfinden. Auch sind die skandinavischen Festivals im Allgemeinen und die im Aarhus und dem Ostsee-Raum im Speziellen stets eine gute Referenz. Ein Ausflug nach Aarhus dürfte sich demnach im nächsten Jahr noch mehr lohnen als ohnehin.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 17:17 Uhr

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