zur Navigation springen

Auslaufmodell Auto : Die Deutschen würden auf das Auto gerne verzichten

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Umweltbewusstseinsstudie 2016 zeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen auf ihr liebstes Kind verzichten würde – nur müssen die Alternativen stimmen.

Berlin | Die Deutschen wollen nicht mehr so stark auf das Auto angewiesen sein. Das geht aus einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten repräsentativen Umweltbewussteinsstudie 2016 des Bundesumweltministeriums hervor. Stattdessen wünscht sich eine Mehrheit mehr Alternativen zum Pkw. Satte 91 Prozent der über 4000 Befragten gaben an, dass das Leben besser werde, wenn die Notwendigkeit von Autofahrten abnehme. 79 Prozent plädierten für eine Stadtentwicklung, die an ihrem Wohnort die Alternativen zum Auto stärkt. Unter bestimmten Bedingungen – dazu gehören vernünftige Radwege und ÖPNV – sind die meisten bereit, auf ein Privatautomobil zu verzichten.

„Weniger Autos, ein leistungsfähiger und günstiger öffentlicher Nahverkehr, gute und sichere Fahrradwege – all das wünschen sich viele Menschen, weil es ihre Lebensqualität verbessert und die Umwelt schützt. Das ist eine starke und wichtige Botschaft sowohl für die Umweltpolitik als auch für die Stadtentwicklungspolitik. Sie wird uns Rückenwind geben in unserem Einsatz für die Stadt der kurzen Wege, für neue Radwege und nachhaltige Mobilität“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und schlussfolgerte „Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen.“ Verschiedene Städte auf der Welt haben ihre Verkehrs-Strategie bereits auf eine zukünftige Autofreiheit ausgerichtet.

Erst vor wenigen Tagen berichtete der „Spiegel“ allerdings von einer weiter ansteigenden Anzahl der Pendler in Deutschland – mit einer Gefahr für körperliche und geistige Gesundheit. Auch laut der Umweltbewussteinsstudie ist das Auto ist nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel in Deutschland. 70 Prozent der Befragten nutzen es mehrmals in der Woche. Allerdings könne sich die große Mehrheit der Autofahrer vorstellen, unter bestimmten Bedingungen mehr zu Fuß zu gehen oder auf das Rad umzusteigen. Je nach Größe des Wohnorts können sich 46 bis 61 Prozent der Autofahrer vorstellen, auf Busse und Bahnen umzusteigen.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, sagte: „Saubere Luft und mehr Grün in der Stadt – das geht nur mit mehr Bussen und Bahnen und mit weniger Autos. Der öffentliche Personennahverkehr ist das Rückgrat der Stadtmobilität. Er muss aber gestärkt werden und vor allem ausreichend finanziert sein. Wenn wir umweltschädliche Subventionen endlich abbauen und mehr Gelder für den ÖPNV bereitstellen, gelingt das auch.“ Die umweltschädlichen Subventionen des Verkehrssektors belaufen sich laut Berechnungen des UBA derzeit auf mehr als 28 Milliarden Euro pro Jahr.

Weniger überraschend zeigt die Studie auch, dass einkommensschwächere Menschen die größten Leidtragenden der negativen Auswirkungen der etwa 45 Millionen Pkw in Deutschland sind. 40 Prozent der Befragten mit kleinem Einkommen fühlen sich durch Lärm besonders belastet, bei den Besserverdienenden waren es nur 27 Prozent. Auch von Luftverschmutzung fühlen sich Befragte mit niedrigem Einkommen (45 Prozent) deutlich stärker belastet als Menschen mit hohem Einkommen (28 Prozent).

zur Startseite

von
erstellt am 12.Apr.2017 | 15:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen