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Deutschland & Welt

26. Juni 2016 | 21:08 Uhr

Kitas in Dänemark : Dansk Folkeparti macht Schweinefleisch zur Pflichtkost

vom
Aus der Onlineredaktion

Kitas in der dänischen Kommune Randers müssen sich nicht mehr mit muslimischen Eltern über den Speiseplan streiten. Schweinefleisch sei „Teil der dänischen Essenskultur“, so die Nationalkonservativen.

Randers | Die rechtspopulistische Dansk Folkeparti hat im Stadtrat des ostjütländischen Randers durchgesetzt, dass Schweinefleisch künftig ein obligatorischer Teil der Speisekarte in den Kindertagesstätten der Kommune ist. „Das hier ist vielerorts ein Problem, wo man einige Dinge, zum Beispiel Schweinefleisch, aufgrund missverstandener Rücksichtnahme und islamischer Regeln, weglässt“, sagt der integrations- und ausländerpolitische Sprecher der Partei, Martin Henriksen.

Es könne nicht sein, dass mancherorts „Teile der dänischen Essenskultur“ nicht willkommen seien. Dadurch, dass Schweinefleisch obligatorisch gemacht werde, würde den Leitungen der Kindertagesstätten die Last abgenommen, sich mit Eltern, die kein Schweinefleisch essen, auseinanderzusetzen. Konkret bedeutet die Initiative, dass auch kommunale Schulen und Kindergärten Fleisch- und Wurstwaren aus Schweinefleisch als regulären Bestandteil in ihre Speisekarte aufnehmen müssen.

Die islamkritische Dansk Folkeparti ist zweitstärkste Kraft im Land und Mehrheitsbeschaffer der Minderheitsregierung von Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen. Durch sie ist der nationalistische Diskurs in der bürgerlichen Mitte angekommen.

Henriksen würde es gerne sehen, wenn die DF-Stadträte im ganzen Lande sich ein Beispiel an den Parteifreunden aus Randers nähmen. Pernille Bendixen, kinderpolitische Sprecherin der Partei und neben der Folketingstätigkeit auch Stadtratsmitglied in Odense, kündigte bereits an, für ihre Heimatstadt eine vergleichbare Regelung anstreben zu wollen.

In den dänischen Medien macht sich derweil die Bezeichnung „Frikadellen-Krieg“ breit. Schon seit Jahren wird in Dänemark wie auch in Deutschland darüber diskutiert, wie sich öffentliche Speisepläne an religiösen Minderheiten orientieren müssen. Akut wurde die Debatte im vergangenen Jahr, als im Kinderhaus Jennumparken in Randers plötzlich das Schweinefleisch von der Speisekarte verschwand. Das geschah jedoch nicht auf Druck der Eltern, sondern schlichtweg aufgrund der Nachfrage. Der Anteil muslimischer Kinder in der Institution war so hoch, dass aus praktischen Gründen kein Schweinefleisch mehr serviert wurde.

Die Dansk Folkeparti setzt sich wo sie nur kann für den Konsum von Schweinefleisch ein. So serviert sie auch beim jährlichen Einbürgerungsfest auf Christiansborg den neuen dänischen Staatsbürgern traditionell Schweinebraten.

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erstellt am 19.Jan.2016 | 16:57 Uhr

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