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04. Dezember 2016 | 09:14 Uhr

Technik : Noch mehr Lärm für Ruhe: Noise-Cancelling-Kopfhörer

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An der lauten Bushaltestelle, in der ratternden S-Bahn oder im Flugzeug mit seinen dröhnenden Turbinen: Musik aus Kopfhörern gehört bei vielen zum ständigen Begleiter. Doch laute Umgebungsgeräusche trüben häufig das Hörvergnügen.

Abhilfe sollen sogenannte Noise-Cancelling-Kopfhörer schaffen, die mit Antischall arbeiten. Im Fachjargon heißt diese Art der Lärmkompensation auch Active Noise Cancellation (ANC) oder Active Noise Reduction (ANR).

«Unter dem Begriff Antischall versteht man das Auslöschen von vorhandenem Schall durch zusätzlichen, künstlich erzeugten Schall», erklärt André Jakob vom Akustik-Ingenieurbüro Advacoustics. Dabei müsse der zusätzlich generierte Schall genau dem vorhandenen Störschall entsprechen, aber in seiner Phase exakt entgegengesetzt sein. «Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, heben sich die beiden Schallsignale gegenseitig auf, weil dann ein Wellenberg auf ein Wellental trifft und umgekehrt», so der Elektrotechnikingenieur.

Bei speziellen Kopfhörern registrieren Mikrofone die Umgebungsgeräusche, und clevere Elektronik sorgt dafür, dass die eindringenden Schallanteile eliminiert werden, während die Musik davon weitgehend unberührt bleibt. Für diese Aufgabe brauchen die Kopfhörer einen separaten Akku, der etwa per USB geladen wird.

«Noise Cancelling funktioniert besonders bei tiefen Frequenzen sehr gut, etwa dem Rumpeln der Radreifen auf den Schienen oder dem tiefen Dröhnen von Flugzeugtriebwerken», erklärt Martin Mertens, Chefredakteur der Fachzeitschrift «Ear In». «Entsprechend sehe ich den Haupteinsatzzweck bei Bahn- oder Flugreisen, auf denen man diesen nervenden Geräuschen länger ausgesetzt ist.» Dafür sei die Technik ursprünglich auch entwickelt worden.

Insbesondere Vielreisende sollten sich die intelligenten Kopfhörer also einmal näher anschauen. Die meisten Noise-Cancelling-Modelle lassen sich auch ohne Musik betreiben, damit man unterwegs einfach Ruhe zum Lesen oder Arbeiten hat. Mertens zufolge muss man für gut funktionierende Modelle rund 150 Euro ausgeben. Die Unterschiede zwischen In-Ears und Bügelkopfhörern mit Auto-Lärmkompensation seien überschaubar: «Over-Ear-Kopfhörer schirmen vielleicht die Schallübertragung über den die Ohren umgebenden Schädelknochen besser ab als In-Ears, aber das ist zu vernachlässigen.»

Nicht für jeden lohnt es, in Noise-Cancelling-Kopfhörer zu investieren, glaubt Mertens. In vielen Fällen böten konventionelle Kopfhörer geschlossener Bauart bereits ausreichende Schallisolation und seien teils deutlich preiswerter. Maßangefertigte In-Ears, die nach Abformungen der Gehörgänge gefertigt werden - sogenannte Otoplastiken -, die auch Customized In-Ears oder Customized Monitors genannt werden, isolierten oft sogar besser als aktives Noise Cancelling. Der Grund: Diese Technik stammt aus dem professionellen Gehörschutz. Allerdings muss man hierfür deutlich mehr ausgeben als für viele Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung.

Stichwort aktiv: Kopfhörer mit Antischall-Technik entfernen störende Umgebungsgeräusche eben nur, wenn der Akku geladen ist. «Viele NC-Kopfhörer klingen ohne Stromversorgung nicht mal gut, weil die Hersteller die Elektronik nutzen, um den Klang der im Kopfhörer eingebauten Treiber zu optimieren», sagt Mertens. Als günstigere Alternative rät er zu akustisch geschlossenen Kopfhörern, die mit hervorragendem Klang und guter Isolierung bereits ab 40 Euro zu haben seien. Diese übertönten schon bei normaler Musiklautstärke den wenigen Schall, der von außen noch durchkommt - und das ohne Akku. «Aber auch normale In-Ears können je nach Bauart und verwendetem Ohrpassstück eine gute Schallisolierung bieten», so Mertens.

Alternativ zu Noice-Cancelling-Kopfhörern hat Gerald Himmelein vom «c't»-Fachmagazin sogenannte Mickymausohren ausprobiert, wie sie etwa Bauarbeiter als Gehörschutz nutzen. Das Ergebnis: Selbst schrille Geräusche werden wesentlich besser als von den getesteten Kopfhörern mit aktiver Geräuschreduktion weggefiltert. «Auch in den Mitten ist der passive Gehörschutz den Kopfhörern überlegen, von Gesprächen bleibt nur unverständliches Gebrummel übrig», sagt der Experte. «Im Bassbereich hingegen liegen wieder ANC-Kopfhörer vorn.»

Im Gegensatz zu Kopfhörern drückt der Gehörschutz aber schmerzhafter gegen den Kopf, und die starke Abdichtung kann die Ohren stark erwärmen. Wer mit Mickymausohren Musik hören möchte, muss darunter In-Ears tragen, am besten mit optimal sitzenden Ohreinsätzen.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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