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Deutschland & Welt

29. September 2016 | 20:41 Uhr

Absturz in der Ukraine : Chaotische Zustände am Wrack von Flug MH17

vom

In der Ukraine suchen Rettungskräfte nach den Opfern des Flugzeugabsturzes. Separatisten behindern die Arbeiten. Fragen und Antworten zum Unglück.

Grabowo | Am Absturzort der malaysischen Passagiermaschine MH17 im Osten der Ukraine sind den Rettungskräften zufolge bisher 197 der 298 Opfer geborgen worden. Die Sucharbeiten würden von bewaffneten prorussischen Separatisten überwacht und erheblich behindert, sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums in Kiew am Sonntag. Der OSZE zufolge sind die sterblichen Überrest zahlreicher Opfer vorerst in die ostukrainische Stadt Tores gebracht worden. Drei Kühwaggons stünden inzwischen auf em örtlichen Bahnhof, sagte Michael Bociurkiw von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Sonntagnachmittag.

Die Waggons sollen bis zum Eintreffen internationaler Experten in Tores bleiben. Zuvor hatte die russische Staatsagentur Ria Nowosti gemeldet, dass der Zug über Ilowaisk nach Donezk fahren werde. Dem widersprach aber Separatistenanführer Alexander Borodaj. „Wir haben nicht vor, die Körper vor der Ankunft der Experten irgendwohin zu bringen. Die Regierung verzögert aber dieses Eintreffen“, sagte er.

Die Aufständischen argumentieren, die sterblichen Überreste hätten seit dem Absturz am Donnerstag in großer Wärme gelegen und hätten „aus hygienischen Gründen“ abtransportiert werden müssen. Hingegen wirft die Führung in Kiew den militanten Gruppen die Vernichtung von Beweisen vor. Die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten bezichtigen sich gegenseitig, die Maschine abgeschossen zu haben. Bei dem Absturz kamen 298 Menschen ums Leben.

An den Arbeiten beteiligen sich etwa 380 Mitarbeiter des ukrainischen Bergungsdienstes. Darunter sind auch Taucher, die einen nahen See absuchen. Der Bereich der Bergungsarbeiten sei von 25 auf 34 Quadratkilometer ausgeweitet worden, hieß es. Höchstwahrscheinlich wurde der Passagierjet über der Ukraine abgeschossen.

Was ist über ukrainischem Luftraum passiert?

Am Donnerstag startete Flug MH17 der Malaysia Airlines um 12.15 Uhr in Amsterdam-Schiphol zu einem zwölfstündigen Flug nach Kuala Lumpur. Die Maschine sollte um 6.10 Uhr malaysischer Zeit in der Hauptstadt landen. Auf öffentlich zugänglichen Flugradaranlagen war das Flugzeug nicht mehr zu sehen - die Verbindung verlor sich in der Nähe zu Russland. An Bord waren laut Malaysia Airlines 298 Passagiere, davon 15 Besatzungsmitglieder.

Die ukrainische Luftraumüberwachung hatte den Kontakt mit der Passagiermaschine von Malaysia Airlines etwa 50 Kilometer vor der Grenze mit Russland verloren. Dies bestätigte die Fluglinie auf ihrer Facebook-Seite. „Malaysia Airlines bestätigt, dass sie von der ukrainischen Luftraumüberwachung informiert wurde, dass der Kontakt mit Flug MH17 um 1415 (GMT) etwa 30 Kilometer vom Tamak-Wegpunkt verloren ging, etwa 50 Kilometer vor der russisch-ukrainischen Grenze.“

295 Menschen sterben bei einem Flugzeugabsturz in der Ostukraine.
295 Menschen sterben bei einem Flugzeugabsturz in der Ostukraine. Foto:Screenshot n.tv

 

Wer war an Bord der Maschine?

Beim Flugzeugabsturz wurden nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines 298 Menschen getötet. Darunter waren 193 Niederländer, 44 Menschen aus Malaysia (einschließlich der 15 Besatzungsmitglieder und zwei Kinder), 27 Australier, zwölf Indonesier (darunter ein Kind), neun Personen aus Großbritannien, vier Deutsche, vier Belgier, drei Philippiner sowie ein Kanadier und ein Neuseeländer.

Zu den Opfern gehörte auch der international renommierte Aids-Forscher Joep Lange. Er sollte an einer internationalen Aids-Konferenz in Melbourne teilnehmen. Auch der Abgeordnete der ersten Kammer des Parlaments, Willem Witteveen, saß in der Maschine. Die sozialdemokratische Partei teilte mit, dass auch Frau und Tochter des Politikers umgekommen waren.

Die Kleinstadt Naarden bei Amsterdam trauert um eine junge Mutter und ihre drei Kinder. Am Haus einer Familie mit vier Kindern im südniederländischen Dorf Neerkant wurden Blumen, Teddybären und Kerzen hingestellt, berichten Reporter. Eine Schule in der Nähe von Utrecht teilte auf Facebook mit, dass drei ihrer Schüler an Bord waren.

Kurz vor dem Abflug witzelte ein Niederländer via Facebook. „Damit ihr wisst, wie die Maschine aussieht, falls sie verschwindet.“ schrieb er im sozialen Netzwerk. Seine Anspielung galt dem erst im Frühjahr verschwundenen Flug MH370 der Malaysia Airlines. Die Maschine war über dem Pazifik verschwunden. Es ist vermutlich das letzte Bild der Maschine, das gerade um die Welt geht. Es gibt allerdings Zweifel, ob das Foto tatsächlich die Maschine zeigt, die in der Ukraine abgestürzt ist.

 

Wo sind die Leichen jetzt?

Drei Kühlwaggon mit den sterblichen Überresten stehen seit Sonntag vorerst auf dem Bahnhof der ostukrainischen Stadt Tores. Das berichtet die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit für Europa (OSZE). Die Separatisten hätten von 167 Opfern in den Waggons gesprochen, diese Zahl habe aber nicht geprüft werden können. Die Waggons sollen bis zum Eintreffen internationaler Experten in Tores bleiben. Zuvor hatte die russische Staatsagentur Ria Nowosti gemeldet, dass der Zug über Ilowaisk nach Donezk fahren werde. Dem widersprach aber Separatistenanführer Alexander Borodaj. „Wir haben nicht vor, die Körper vor der Ankunft der Experten irgendwohin zu bringen. Die Regierung verzögert aber dieses Eintreffen“, sagte er. Die Aufständischen argumentieren, die sterblichen Überreste hätten seit dem Absturz am Donnerstag in großer Wärme gelegen und hätten „aus hygienischen Gründen“ abtransportiert werden müssen. Hingegen wirft die Führung in Kiew den militanten Gruppen die Vernichtung von Beweisen vor. Die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten bezichtigen sich gegenseitig, die Maschine abgeschossen zu haben. Bei dem Absturz kamen 298 Menschen ums Leben.

Und was ist mit den Familien der Opfer? 

Das ukrainische Innenministerium hat in der etwa 300 Kilometer von der Absturzstelle entfernten Stadt Charkow für Angehörige und Hinterbliebene der Opfer Hunderte Hotelzimmer reserviert. In der Großstadt stünden auch Übersetzer und Psychologen bereit.

Wer war es?

In dem seit Wochen andauernden Konflikt in der Ostukraine gibt es drei beteiligte Seiten: die prorussischen Rebellen, die prowestliche Führung in Kiew sowie Russland.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einem „terroristischen Akt“. Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben - wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge.  Er rief die internationale Gemeinschaft zum Schutz vor dem „Aggressor“ Russland auf. „Die ganze Welt hat das wahre Gesicht des Aggressors gesehen“, sagte Poroschenko in einer Ansprache an die ukrainische Bevölkerung. „Der Abschuss eines zivilen Flugzeuges ist ein Akt des internationalen Terrorismus, der sich gegen die ganze Welt richtet.“ US-Präsident Obama geht ebenfalls davon aus, dass die Boden-Luft-Rakete von einem Gebiet abgefeuert wurde, das von prorussischen Separatisten kontrolliert wird. Indirekt wies Obama Russland eine Mitverantwortung zu. Ohne russische Unterstützung sei es den Separatisten nicht möglich,  „so zu funktionieren, wie sie funktionieren“.

Das Trümmerfeld nahe der Ortschaft Grabowo in der Ostukraine.
Das Trümmerfeld nahe der Ortschaft Grabowo in der Ostukraine. Foto:dpa

Moskau weist alle Vorwürfe zurück - und gibt wiederum Kiew die Schuld an der Eskalation der Lage in der Ostukraine. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe. Das russische Verteidigungsministerium hat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA zum Zeitpunkt des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine Radar-Aktivitäten einer ukrainischen Raketen-Stellung registriert. Dabei habe es sich um ein Raketensystem vom Typ „Buk“ gehandelt, das zur Abwehr von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Marschflugkörpern dient.

Nach Darstellung des ukrainischen Verteidigungsministeriums hatte die Luftwaffe am Tag des Absturzes selbst keine Abwehrsysteme vom Typ „Buk“ oder auch Kampfbomber im Einsatz. Die Anlagen würden während der „Anti-Terror-Operation“ gegen die prorussischen Kräfte in der Ostukraine nicht eingesetzt. Es habe keinen einzigen Start einer Rakete gegeben, teilte das Ministerium weiter mit.

Nach Informationen der USA wurde die Maschine wahrscheinlich von einer Boden-Luft-Rakete aus dem von prorussischen Separatisten besetzten Gebiet abgeschossen. „Wir können nicht ausschließen, dass russisches Personal beim Betrieb dieser Systeme geholfen hat“, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power.

 

Hat man die Flugschreiber gefunden?

Ja, am Freitag wurden zwei Flugschreiber sichergestellt. Das teilte ein Sprecher der regierungstreuen Gebietsverwaltung von Donezk mit. Es blieb aber unklar, wo sich die Geräte befinden.

Warum gilt mittlerweile als sicher, dass die Maschine abgeschossen wurde?

Die USA gehen davon aus, dass eine Boden-Luft-Rakete abgefeuert wurde. Es sei noch unklar, wer geschossen habe. US-Präsident Barack Obama sprach von einem Abschuss der Maschine. „Das war kein Unfall“, sagte er. Das entspricht der Einschätzung des US-Geheimdienstes, der von einem Raketenbeschuss ausgeht. Die „Washington Post“ zitierte einen namentlich nicht genannten Geheimdienstbeamten. Auch der Sender CNN zitiert aus einem vorläufigen Geheimdienstbericht, dass prorussische Separatisten das Zivilflugzeug abgeschossen hätten und beruft sich auf einen namentlich nicht genannten Beamten. Der Beamte sei über die Untersuchung informiert, hieß es.

Mit dem möglichen Abschuss wird sich der UN-Sicherheitsrat befassen. Das Flugzeug sei auf einer Höhe von 9100 Meter geflogen, hieß es unter Berufung auf Daten eines Spionagesatelliten der US-Streitkräfte. Der Satellit liefere aber keine Informationen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde.

Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs eingestehen sollen. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing 777-200 mit 298 Menschen an Bord hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlichte die Telefonate, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt. Die prorussischen Separatisten dementieren die Telefonate.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht „sehr, sehr viele Indizien“, die für einen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine sprechen. „Es geht jetzt darum, dass schnellstmöglich eine unabhängige Untersuchung eingeleitet wird.“

Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines gab bekannt, dass es in der abgestürzten Maschine keinen Defekt gab. Bis zum Verschwinden der Maschine hätten alle Systeme normal funktioniert, erklärt das Unternehmen.

Trümmerteile liegen in einem Umkreis von 15 Kilometern vertreut.
Trümmerteile liegen in einem Umkreis von 15 Kilometern vertreut. Foto:dpa
Welche Gerüchte oder Verschwörungstheorien gibt es um den Absturz?

Eigentlich wollte das ukrainische Militär die Maschine abschießen, mit der Kremlchef Wladimir Putin von einer Reise nach Brasilien zurückkehrte - so lautet eine der ungezählten Spekulationen. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der russischen Flugaufsicht habe dies gesagt, behaupten Moskaus Staatsmedien.

Auf Twitter kursieren Bilder, wonach eventuell die Maschine des russischen Präsidenten Ziel eines Angriffs war. Russische Medien berichten, die Maschine von Präsident Putin kreuzte die Route von MH17. Wie unten zu sehen, sind die russischen Farben ähnlich der von Malaysia Airlines.

 

War das Ziel ursprünglich die Maschine von Wladimir Putin?
War das Ziel ursprünglich die Maschine von Wladimir Putin? Foto:dklnews/wikimedia

Eine andere Theorie besagt, dass möglicherweise Geheimdienstler mit militärischen Vorkenntnissen oder „durchgedrehte“ Aufständische die Maschine abgeschossen hätten. Als wahrscheinlich gilt unter Experten, dass die todbringende Rakete von dem System „Buk“ russischer Bauart kam. Wer sie abgefeuert haben könnte, ist umstritten.

Wer hat überhaupt die Waffen für einen solchen Angriff?

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. Das „Wall Street Journal“ schrieb, dass tragbare Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, nicht ausreichen, um ein Verkehrsflugzeug in 10.000 Metern Höhe zu treffen. Nach unbestätigten Berichten haben die Aufständischen behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. Die Raketen sind etwa 5,50 Meter lang und 600 Kilogramm schwer.

Nach neuesten Erkenntnissen der ukrainischen Behörden haben die prorussischen Separatisten in der Ostukraine keine Raketenflugabwehrsysteme vom Typ „Buk“ für den Abschuss von Flugzeugen in ihrem Besitz gehabt. Die Aufständischen hätten - anders als von ihnen selbst im Juni behauptet - keine einsatzfähigen Waffensysteme dieser Art erobert, sagte der ukrainische Generalstaatsanwalt Witali Jarema am Freitag in Kiew Medien zufolge. Aus Sicht der Ukraine führt die Spur nach Russland.

Mit einer Rakete aus dem Buk-Flugabwehrsystem soll die Passagiermaschine getroffen worden sein.
Mit einer Rakete aus dem Buk-Flugabwehrsystem soll die Passagiermaschine getroffen worden sein. Foto:dpa

Dass die Aufständischen das hoch entwickelte System inklusive Radar auch nach so kurzer Zeit auch bedienen könnten, sei jedoch fraglich. „Das ist kein System, was man so ohne weiteres gleich benutzen kann“, sagte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London.  Dafür muss man einen Lehrgang über mehrere Monate absolvieren. Außerdem ist eine Truppe von etwa 20 Mann nötig, um ein solches Luftabwehrsystem zu bedienen.

„Buk“-Staffeln vom Typ M1 bestehen aus einem Fahrzeug mit Überwachungsradar, einem Kommandofahrzeug und mehreren fahrbaren Abschussrampen. Es war also sicher kein Einzeltäter am Werk, sondern ein fachkundiges Team. Deswegen sei es auch schwer vorstellbar, dass prorussische Rebellen ohne einschlägige Ausbildung das Flugzeug mit einem erbeuteten Raketen-System abgeschossen haben, „Es sei denn, eine ganze Bedienmannschaft ist komplett übergelaufen.“

Wieso flog MH17 über das Konfliktgebiet?

Der Überflug von Konfliktgebieten wie etwa der Ostukraine durch Passagiermaschinen ist nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht unüblich. Das Vorstandsmitglied Markus Wahl sagte, im täglichen Betrieb werde zum Beispiel der Irak und Afghanistan überflogen. Selbst im eskalierten Nahost-Konflikt fliegen internationale Fluggesellschaften weiterhin Tel Aviv an, obwohl die Stadt seit Tagen massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wird. Manche sind da vorsichtiger: „Korean Airlines“ teilte laut Itar-Tass mit, seit Monaten nicht mehr über die Ostukraine zu fliegen.

Laut der russischen Agentur Itar-Tass meiden bereits seit Ausbruch der Ukraine-Krise vor Monaten die Flugzeuge von Singapore Airlines, Finnair, Korean Airlines und Asiana ukrainischen Luftraum. Desweiteren meidet auch die polnische Fluggesellschaft LOT diesen Luftraum. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Robert Moren machen die LOT-Piloten „schon seit längerem“ einen weiten Bogen um den Luftraum über der Ostukraine. „Es gibt keine Streckenverbindung, die in der Nähe einer gefährlichen Region durchgeführt würde“, betonte Moren.

Die Lufthansa und die niederländische KLM änderten nach dem Flugzeugunglück in der Ukraine ihre Flugrouten nach Asien. Der ostukrainische Luftraum werde bis auf weiteres weiträumig umflogen, sagte ein Sprecher am Donnerstag in Frankfurt. Zuvor führten die Flugrouten noch durch das Krisengebiet. Mittlerweile sieht man auf dem Flugradar, dass die Ukraine umflogen wird.

Flugzeuge meiden den ukrainischen Luftraum.
Flugzeuge meiden den ukrainischen Luftraum. Foto:Screenshot / flightradar24.com

Nach dem Unglück wurden auch französische Fluggesellschaften bis auf weiteres aufgefordert, den Luftraum über der Ukraine nicht mehr zu benutzen, teilte das französische Verkehrsministerium mit. Die Fluggesellschaft Air France hatte zuvor bereits mitgeteilt, den Osten der Ukraine mit sofortiger Wirkung nicht mehr zu überfliegen. Über die Krim fliege man bereits seit dem 3. April dieses Jahres nicht mehr, hieß es.

Offenbar haben mehrere Flugsicherheitsbehörden im Vorfeld Warnungen vor einem Überfliegen der Region ausgegeben - darunter auch die US-Behörde FAA. Malaysia Airlines hat, so wie eine Reihe anderer Anbieter auch, die Route jedoch weiterhin genutzt, weil es eine kürzere Strecke ist, was bedeutet: weniger Treibstoff und deswegen weniger Kosten.

Kurz nach dem Unglück haben die ukrainischen Behörden beschlossen, den Luftraum vorerst zu sperren. Das teilte die europäische Organisation für die Luftverkehrskontrolle, Eurocontrol, in Brüssel mit. Die Maßnahme gelte vorerst unbefristet. Zuvor wurde von einer Sperre noch abgesehen.

Flugzeugabsturz in der Ukraine.
Flugzeugabsturz in der Ukraine. Foto:Grafik: dpa

Hintergrund: Die Ukraine hatte bereits am 1. Juli den Luftraum bis zu einer Höhe von 32.000 Fuß (gut 9750 Meter) gesperrt. Der Flug MH17 befand sich auf 33.000 Fuß, also 305 Meter höher. Etwa 75 Prozent aller normalerweise über die Ostukraine führenden Flüge fanden auch nach der Sperrung des Luftraums in größerer Höhe statt.

Flog die Maschine in gesperrtem Luftraum?

Verschiedene Medien berichteten, das Flugzeug sei womöglich vom Kurs abgewichen. Malaysias Transportminister wies das zurück. „Die Flugroute war so etwas wie eine Autobahn am Himmel“, sagte Liow Toing Lai in Kuala Lumpur. „Es war eine Route, die die internationalen Luftfahrtbehörden festgelegt haben. Die Maschine ist nie in gesperrtem Luftraum geflogen“, versicherte er. Alle Beteiligten hätten alle Regeln eingehalten. „Aber am Boden sind die Gepflogenheiten der Kriegsführung gebrochen worden. Es sieht so aus, als sei MH17 abgeschossen worden, ein inakzeptabler Akt der Aggression.“ Malaysia sei sehr besorgt, weil die Absturzstelle noch nicht gesichert sei, sagte Liow.

Wer leitet die Untersuchung zur Aufklärung des Vorfalls?

Das ist noch immer nicht definitiv geklärt. Völkerrechtlich ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall auf ihrem Staatsgebiet aufklären zu lassen. Allerdings ist die prowestliche Führung in Kiew selbst in den seit Monaten andauernden Konflikt im Osten des Landes involviert. Die Ukraine hat unter anderem die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) eingeladen hat, sich zu beteiligen. Viele Länder, die Opfer zu beklagen haben, haben bereits eigene Experten in die Ukraine geschickt. Dort ist die Lage aber nach Angaben des Bundeskriminalamtes recht unübersichtlich.

Sowohl der Einsatzort als auch die Führung der Mission müssten noch geklärt werden, sagte ein Sprecher am Samstag. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schlug in einem Brief an die ICAO die Bildung einer aus mehreren Nationen besetzten Untersuchungskommission vor. Der Direktor der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), Ulf Kramer, und ein weiterer Mitarbeiter der BFU seien am Sonntagmittag Richtung Unglücksstelle aufgebrochen, teilte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin mit.

 

Die Absturzstelle von Flug MH17.
Die Absturzstelle von Flug MH17. Foto:Twitter_BBC
Wer ist am Absturzort aktiv?

Die OSZE (Organisation für Zusammenarbeit in Europa) hat Beobachter zur Absturzstelle geschickt. An den Sucharbeiten beteiligen sich 380 Mitarbeiter des ukrainischen Bergungsdienstes. Darunter sind auch Taucher, die einen nahen See absuchen. Zwei Experten des Beundeskriminalamts sollen bei der Identifizierung der Opfer helfen und sind bereits in Kiew angekommen. Auch 15 niederländische und sechs britische Experten kamen in der Hauptstadt Kiew an. Die internationale Polizeiorganisation Interpol schickt ein Expertenteam. Am Sonntag wollten 132 malaysische Experten, darunter Ärzte und Militärs, zum Absturz fahren. Bis zu 900 prorussische Aufständische bewachen das Wrack mit Maschinengewehren und behindern die Suche. Es besteht große Sorge, dass es den beteiligten Kräften in der Ostukraine gelingen könnte, eine Aufklärung der Katastrophe zu verhindern und die Täter damit ihrer Strafe entgehen könnten.

Was ist die Aufgabe der OSZE-Beobachter?

Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind am Freitag an der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs in der Ostukraine eingetroffen. Die Beobachter sollen über die Situation am Ort berichten, sagte eine OSZE-Sprecherin in Wien. Am Samstag berichtete sie, die Beobachter seine zwar nahe an dei Absturzstelle herangekommen und hätten auch Wrackteile gesehen. Frei bewegen können hätten sie sich aber nicht. Bewaffnete hielten sie demnach auf, ein den Beobachtern angekündigter Anführer sei nicht erschienen. Der OSZE-Forderung, nichts an der Absturzstelle zu verändern, wurde der Sprecherin zufolge nicht gänzlich nachgekommen. Gepäckstücke seien fein säuberlich aufgereiht worden.

Wie ist die Situation im Absturzgebiet?

Das Gebiet östlich von Donezk, in dem die Trümmer der abgestürzten Maschine liegen, ist riesig. Die Wrackteile sind nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes über eine Fläche von etwa 35 Quadratkilometern verstreut. Das entspricht in etwa der Größe der Nordseeinsel Borkum. Zudem herrschen in dem Gebiet derzeit hochsommerliche Temperaturen von um die 30 Grad - die Leichen der Opfer müssen also schnellstmöglich gekühlt werden.

Kann man die Täter überführen?

Anhand von Satelliten-Aufnahmen lasse sich bislang nicht feststellen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Fachleute von Militär und Geheimdienst sind aber nach US-Medienberichten dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Die Maschine der Malaysia Airlines hebt um 12.31 Uhr in Schiphol (Amsterdam) ab.
Die Maschine der Malaysia Airlines hebt um 12.31 Uhr in Schiphol (Amsterdam) ab. Foto:dpa

 

Welche internationalen Reaktionen gibt es zum Unglück?

Kremlchef Wladimir Putin hat der malaysischen Regierung sein Beileid übermittelt. Er sei traurig über die „Katastrophe über dem Territorium der Ukraine, die so viele Menschenopfer gekostet“ habe, schrieb Putin in einem am Donnerstag vom Kreml veröffentlichten Telegramm.

Der frühere Boxweltmeister und heutige Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, hat sich betroffen vom Abschuss einer Passagiermaschine mit 295 Menschen an Bord über der Ukraine gezeigt. „Das ist eine Tragödie dramatischen Ausmaßes, die die ganze Welt betrifft“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Freitag). Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt „endgültig verstehen, dass es sich hier um einen Krieg handelt und Russland mit hochmodernen Waffen und ausgebildeten Kämpfern in diesen Krieg eingreift“. Seiner Ansicht nach müsse der russische Präsident Wladimir Putin dafür „endlich zur Verantwortung gezogen werden“.

Großbritanniens Premierminister David Cameron hat sich bestürzt über den Absturz des Passagierflugzeugs in der Ostukraine mit 295 Menschen an Bord gezeigt. „Ich bin schockiert und traurig“, teilte er am Donnerstagabend mit.

Auch Frank-Walter Steinmeier, augenblicklich bei einem Staatsbesuch in Mexiko, äußerte sich bestürzt: „Dass Hunderte völlig Unbeteiligte auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen, versagt mir die Sprache.“ Steinmeier forderte zudem eine internationale Untersuchung des Falls.

Der niederländische König Willem-Alexander hat den Angehörigen von Opfern des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen. „Ich bin tief bestürzt über die entsetzliche Nachricht vom Absturz des Fluges MH17 über ukrainischem Gebiet“, heißt es in einer in Den Haag verbreiteten Erklärung des Hofes.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich schockiert über den Flugzeugabsturz in der Ostukraine gezeigt und eine umgehende und unabhängige Untersuchung gefordert. Merkel trauere um die Opfer des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine, ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Schockierend seien auch die mutmaßlichen Umstände, wonach das Flugzeug aus großer Höhe abgeschossen worden sein soll. „Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so stelle sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar.“

US-Senator John McCain sagte zum Absturz der MH17: „Sollte sich herausstellen, dass Russland oder die Separatisten hinter dieser Katastrophe stecken, dann blüht ihnen die Hölle auf Erden. Dann hat das schreckliche Konsequenzen.“ US-Präsident Barack Obama forderte eine sofortige Waffenruhe Es müsse eine glaubwürdige internationale Untersuchung des Vorfalls geben und die Ermittler dürften dabei nicht behindert werden. Eine militärische Rolle der USA in dem Konflikt sehe er nach wie vor nicht. Der Absturz der Maschine mit 298 Menschen an Bord sei „eine globale Tragödie“ und eine „Schande unaussprechlicher Größe“. Dabei sei mindestens ein US-Bürger ums Leben gekommen. Obama bezeichnete den Vorfall auch als „Weckruf“ für Europa und die Welt.

Australien fordert nach dem Flugzeugabsturz in der Ukraine eine internationale Untersuchung. Das Land werde sich für eine bindende Resolution des Weltsicherheitsrats einsetzen, sagte Premierminister Tony Abbott. Er machte Russland indirekt für die Tragödie verantwortlich. Ohne das Land beim Namen zu nennen, schloss er seine Stellungnahme mit diesen Worten: „Das Schikanieren kleiner Länder durch große, das Herumtrampeln auf Recht und Anstand, alles im Streben nach nationaler Selbstverherrlichung, und die rücksichtslose Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben sollten in unserer Welt keinen Platz haben.“

 

Gilt die Fluggesellschaft Malaysia Airlines als sicher?

Die nationale malaysische Fluggesellschaft Malaysia Airlines war zuletzt mit dem mysteriösen Verschwinden von Flug MH370 in die Schlagzeilen geraten. Die Luftlinie wird von dem Portal AirSafe.com seit 1970 mit drei schweren Abstürzen gelistet:

1977 sei eine entführte Maschine in der Nähe von Johor an der Grenze zu Singapur explodiert. Alle 100 Menschen an Bord seien ums Leben gekommen.

1995 sei eine Maschine bei der Landung im malaysischen Tawau verunglückt. Sie sei über die Landebahn hinausgeschossen. 34 der 53 Menschen an Bord seien ums Leben gekommen.

Im März 2014 verschwand eine Boeing 777-200 auf ihrem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos. Von den 227 Passagieren und zwölf Besatzungsmitgliedern an Bord von Flug MH370 fehlt bis heute jede Spur. Trotz einer äußerst aufwendigen und umfangreichen Suche in mehreren vermuteten Flugkorridoren konnte bisher weder der Flugschreiber noch ein Teil der Maschine gefunden werden.

Dennoch gilt die Fluglinie als zuverlässig. Seit 1972 fliegt Malaysia Airlines in der jetzigen Form. Sie befördert nach eigenen Angaben täglich 37.000 Passagiere zu 80 Zielen im In- und Ausland. Im Jahr seien das mehr als 13 Millionen Passagiere. Die Flotte besteht nach diesen Angaben aus mehr als 80 Flugzeugen der Typen Boeing 747-400, Boeing 777-200, Airbus 330-300, Airbus 330-200, Boeing 737-800 und Boeing 737-400 sowie Airbus A380-800. Seit einem Jahr ist Malaysia Airlines Mitglied des Flugverbundes Oneworld Alliance, einem Konkurrenten der Star Alliance um Lufthansa.

Eine Wand für die Passagiere des verschwundenen Flugzeuges aus Malaysia. Hier können Menschene ihre Hoffnungen und Gebete für sie aufschreiben. Die Abkürzung MH370 steht für einen Flug zwischen den Ländern Malaysia und China.
Eine Wand für die Passagiere des verschwundenen Flugzeuges aus Malaysia. Hier können Menschen ihre Hoffnungen und Gebete für sie aufschreiben. Die Abkürzung MH370 steht für einen Flug zwischen den Ländern Malaysia und China. Foto:dpa
Was ist die Boeing 777 für ein Flugzeug?

Die Boeing 777-200ER (ER = Extendend Range) ist ein Langstreckenflugzeug mit gut 14.000 Kilometern Reichweite. Der Typ fliegt seit 1997 im kommerziellen Dienst. Der US-Flugzeugbauer Boeing lieferte bislang nach eigenen Angaben 422 Maschinen vom Typ 777-200ER aus. Malaysia Airlines hatte nach Angaben des Herstellers 15 Maschinen dieses Typs bestellt.

Die Flugroute der Boeing 777-200ER.
Die Flugroute der Boeing 777-200ER. Foto:dpa

Die Maschine gilt als zuverlässig. Das von einem US-Sicherheitsanalysten gegründete Portal airsafe.com führt nur wenige Zwischenfälle auf. Unter anderem streifte im Juli 2013 eine Maschine der Asiana Airlines beim Landen in San Francisco eine Mauer und verunglückte. Drei Menschen kamen ums Leben, 304 Menschen überlebten. Die gut 63 Meter lange Maschine kann je nach Ausführung zwischen 301 und 440 Passagiere transportieren.

Eine Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines.
Eine Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines. Foto:Darren Koch

 

Muss ich jetzt Angst haben, wenn Flugzeuge über Krisengebiete fliegen?

Nein. Zwar gab es in der Geschichte der zivilen Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere Abschüsse von Passagierflugzeugen, dennoch gilt eine Flughöhe von 10.000 Metern als sicher, da sich viele kriegerische Konflikte in Bodennähe abspielen.

Am 21. Februar 1973 wird über dem Sinai ein libyscher Passagierjet von einem israelischen Kampfflugzeug abgeschossen. Dabei kommen 108 der 113 Insassen der Boeing 727 des Flugs 114 ums Leben.

Am 1. September 1983 wird ein Jumbo-Jet der Korean Airlines wegen angeblicher Verletzung des damaligen sowjetischen Luftraums von einem Kampfflugzeug über internationalen Gewässern westlich der Insel Sachalin abgeschossen. Alle 269 Menschen an Bord von Flug KAL 007 kommen ums Leben.

Am 3. Juli 1988 wird eine iranische Linienmaschine auf einem Kurzstreckenflug nach Dubai über dem Persischen Golf vom US-Kriegsschiff USS Vincennes mit einer Rakete abgeschossen. Alle 290 Menschen an Bord der Maschine des Flugs 655 kommen ums Leben.

Am 4. Oktober 2001 wird eine Tupolew Tu-154 der russischen Fluggesellschaft Sibir auf dem Weg von Tel Aviv nach Nowosibirsk in der Nähe von Sotschi von einer Flugabwehrrakete getroffen. Untersuchungen ergeben, dass die Maschine von einer ukrainischen Flugabwehrrakete getroffen worden war, die sich bei einem Übungsschießen auf der Krim selbstständig gemacht hatte. Alle 78 Insassen des Flugzeugs sterben.

Warum hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bisher nicht den Kriegszustand im Konfliktgebiet verhängt?

Zwar haben viele Funktionäre, aber auch ukrainische Bürger mit Demonstrationen den Kriegszustand gefordert. Das würde dem Militär deutlich mehr Befugnisse im Kampf gegen die prorussischen Separatisten geben. Aber Staatschef Petro Poroschenko lehnt das wohl auch deshalb ab, weil dann sein Plan, vorgezogene Parlamentswahlen abzuhalten, scheitern könnte. Mit der Abstimmung will er sich in der Obersten Rada eine eigene Machtbasis sichern. Er belässt es bisher bei einer „Anti-Terror-Operation“. Die prorussischen Separatisten, die eine von Kiew unabhängige Föderation der selbst ernannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk anstreben, will er entwaffnen. Anschließend will er einen Friedensplan einsetzen.

Was bedeutet der Absturz für den Konflikt in der Ostukraine?

Er erhöht den Druck auf Staatschef Petro Poroschenko, doch noch den Kriegszustand zu verhängen. Aber erst einmal soll aufgeklärt werden, wer Schuld hat an dem Anschlag auf die Passagiermaschine. Sicher ist aber, dass wegen der Vielzahl an getöteten Ausländern nun auch die internationale Aufmerksamkeit für das Konfliktgebiet größer ist.

Russland hatte zuletzt immer wieder ein Ende des Blutvergießens gefordert sowie Friedensverhandlungen unter Beteiligung der Separatisten. Dagegen hatten die EU und USA die ukrainische Militäroffensive unterstützt und sich vor allem darauf konzentriert, Russland mit Sanktionen zu isolieren und unter Druck zu setzen, die Separatisten nicht weiter zu unterstützen.

Die Ukraine ruft international um Hilfe im Kampf gegen Russland - lässt sich der Westen darauf ein?

Vor allem der proeuropäische Teil der ukrainischen Gesellschaft kritisierte zuletzt, dass sich der Westen zu wenig engagiere für eine Demokratisierung der in die EU strebenden Ex-Sowjetrepublik. Der Absturz der Passagiermaschine spielt vor allem dem Teil in der ukrainischen Führung in die Hände, der eine härtere Gangart und sogar ein militärisches Engagement des Westens fordert. Doch schon, als sich Russland in dem Konflikt die Schwarzmeerhalbinsel Krim im März einverleibte, waren die USA und die Nato nur Zuschauer. Mit einer Atommacht wie Russland dürfte sich auch jetzt keiner militärisch anlegen wollen. Mancher in Kiew mag dennoch hoffen, dass im Fall westlicher Militärhilfe Russland die Krim entrissen werden könnte.

Werden Blauhelm-Soldaten in die Ukraine geschickt?

Der CDU-Außenexperte Andreas Schockenhoff hat einen UN-Blauhelmeinsatz in der Region gefordert. „Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir über einen Blauhelmeinsatz unter dem Dach der Vereinten Nationen mit einem entsprechenden Mandat nachdenken müssen“, sagte der Unionsfraktionsvize der „Rheinischen Post“. Eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine schloss Schockenhoff dabei nicht aus. „Wenn eine solche Mission zustande kommen sollte, würde auch Deutschland gefragt sein“, sagte er. Links-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht lehnte eine Beteiligung deutscher Soldaten an einem Militäreinsatz in der Ukraine im Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter umgehend als unverantwortlich ab. Aus der Bundesregierung gab es zunächst keine Stellungnahmen. „Es handelt sich nicht mehr um einen innerstaatlichen Konflikt der Ukraine, sondern es handelt sich um eine Gefährdung des Weltfriedens“, begründete Schockenhoff seinen Vorstoß. Deshalb müsse die internationale Gemeinschaft eine Waffenruhe überwachen - am besten unter Führung der Vereinten Nationen. Während der jüngsten, nur von ukrainischer Seite eingehaltenen Feuerpause seien massiv neue Kämpfer und Waffen in das Gebiet gekommen. Auf jeden Fall seien schwere Waffen, Panzerartillerie und Boden-Luft-Raketen aus Russland an die Separatisten geliefert worden.

Bei der für einen Blauhelmeinsatz nötigen Resolution des UN-Sicherheitsrates dürfe nicht mit Veto-Drohungen auf Zeit gespielt werden, warnte Schockenhoff. Zu den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates gehört auch Russland, das eine Resolution mit einem Veto blockieren könnte.

 

Mit dpa

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erstellt am 19.07.2014 | 10:00 Uhr

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