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Deutschland & Welt

07. Dezember 2016 | 09:39 Uhr

„Do it for Denmark. Do it for Mom“ : „Bumst für Dänemark!“: Baby-Boom nach Sex-Kampagne

vom

In Dänemark kommen in diesem Sommer deutlich mehr Babys zur Welt als in den Vorjahren. Ist die Ursache ein virales Werbevideo?

Die jahrelange Baby-Misere in Dänemark hat sich im Jahr 2016 anscheinend in Luft aufgelöst. Hebammen sprechen von einer „verrückten Steigerung“ bei den Geburten. Mehr als 16.200 Babys sollen nach Schätzungen bis Ende August zur Welt kommen, das sind 1200 mehr als im Vorjahr. In Teilen Jütlands fällt der Baby-Boom sogar ziemlich extrem aus. Irgendetwas hat das Kinderkriegen für die Dänen wieder schmackhaft gemacht. Doch was genau steckt hinter der neuen Familien-Lust im Königreiche Dänemark?

Womöglich waren es  die viel diskutierten Werbe-Videos des Reiseanbieters Spies, die die verharzten Stellschrauben der dänischen Fortpflanzungs-Lust gelockert haben. Die Firma trug mit ihren zwei erotisch aufgeladenen Filmchen Hoffnung ins vergreisungsgefährdete Land: Im Urlaub hätten die Dänen 51 Prozent mehr Sex als im Alltag, pries die Agentur an und warb mit dem „Eisprung-Rabatt“. Möchtegern-Großmütter, so die Werbe-Botschaft des zweiten Films, könnten mit Reisegutscheinen für ihre Kinder ein bisschen Gott spielen und das Enkelkindermachen beflügeln. So, als hätte eine Generation den Geschlechtsakt verlernt. Neun Monate später würde würde es für die edlen Spender dann vielleicht süße Souvenire regnen. Und auch der nationale Heiligtum, der Sozialstaat, könne auf diesem Wege im Herbsturlaub mitgerettet werden.

Die erste Kampagne unter dem Motto „Do it for Denmark“ verzeichnete zwar Buchungserfolge, zeigte aber keine nennenswerte Wirkung im Kreißsaal.  Mit „Do it for Mum. Do it for Denmark" im vergangenen Oktober geht zehn Monate später ein Geburtenboom einher. Es scheint, als hätten die Dänen zugehört. Um 14 Prozent sind die Geburten gestiegen. Zum ersten Mal seit Jahren könnte 2016 demnach die Marke von 60.000 Geburten geknackt werden. Mancherorts ist der Boom ausgeprägter als anderswo. Im Westen der Region Mitteljütland zwischen Herning und Holstebro werden allein im August ein Viertel mehr Babys erwartet als vor einem Jahr.

„Ich habe in meiner Zeit als Hebamme noch nie einen vergleichbaren Boom erlebt“, sagte die dortige Chef-Hebamme Ann Fogsgaard, die ihren Beruf seit über drei Jahrzehnten ausübt, der Zeitung „Politiken“. „Es ist normal, dass es im Sommer mehr Geburten gibt als im Winter, aber ein so großer Anstieg ist völlig verrückt.“

Für den Kindersegen könnte auch das Fernsehen verantwortlich sein. Mit der Sendung „Knald for Danmark“ („Bumst für Dänemark!“) wollte der öffentlich rechtliche Sender DR seinen Zuschauern im Herbst eine „qualifizierte Grundlage bieten, um zu entscheiden, ob Platz für mehr Kinder in Ihrem Leben ist“, sagte Redakteurin Dorthe Thirstrup damals.

Auch wenn der Aufruf mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist - manche potenzielle Mütter hat er motiviert, dem Kinderwunsch nachzugeben. „Ich mag es sehr, schwanger zu sein“, sagt Ulla Kobberø aus Kopenhagen, die gerade Mutter von Zwillingen geworden ist. „Als dazu aufgefordert wurde, dass wir mehr Kinder bekommen sollen, habe ich gedacht: Das könnte ich doch eigentlich wirklich.“ Eine größere Rolle als Fernsehshows und gesellschaftliche Verantwortung hat aber wohl gespielt, dass einige Freundinnen zur selben Zeit schwanger wurden - und dass die 37-Jährige und ihr Mann ohnehin überlegt hatten, nach ihren beiden Töchtern (sechs und drei) noch ein Kind zu bekommen.

„Wenn wir gewusst hätten, dass es gleich zwei würden, hätten wir es uns vielleicht nochmal überlegt“, sagt Kobberø und lacht. Die Dänin glaubt, dass Mutter-Sein gerade auch einfach „in“ ist: „Es hat wieder mehr Prestige bekommen, ein Baby zu kriegen“, sagt sie. „Viele legen Wert darauf, eine Familie zu haben.“

Wenn es nach Experten geht, sollten die Dänen unbedingt so weitermachen. Laut Forschern bekommen die Menschen in Deutschlands nördlichem Nachbarland nämlich trotz des Baby-Booms bislang im Durchschnitt nur 1,7 Kinder - noch zu wenig, um die Bevölkerungszahl und damit den teuren dänischen Sozialstaat auf Dauer aufrechterhalten zu können.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 11:33 Uhr

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