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Boulevard

03. Dezember 2016 | 03:32 Uhr

Medien : Ziemlich beste Gegner

vom

Das deutsch-französische Verhältnis war nicht immer einfach, auch nicht im Fußball. Oft gab es Anlass für Ärger, Wut und Trauer. Andererseits sind französische Spieler im deutschen Profifußball Normalität - und deutsche Torjäger bei französischen Clubs.

Kurz bevor in Frankreich die Europameisterschaft angepfiffen wird, zeigt Arte an diesem Dienstag um 20.15 Uhr die sehenswerte Dokumentation «Ziemlich beste Gegner: Fußball in Deutschland und Frankreich». Sie bietet einen 90-minütigen Überblick über Höhe- und Tiefpunkte der gemeinsamen Fußballgeschichte. Und die Möglichkeit, viele Ex-Profis wiederzusehen, die sie mitgeschrieben haben.

Der Doku-Titel ist eine Anspielung auf «Ziemlich beste Freunde», die großartige französische Komödie von 2011. Dieses Unterhaltungsniveau erreicht der Arte-Film von Albert Knechtel natürlich nicht. Er erzählt eher gemächlich, aber mit vielen interessanten Gesprächspartnern über den Fußball in beiden Ländern.

Zu den hässlichsten Erinnerungen für Franzosen gehört die «Nacht von Sevilla»: Im Halbfinale der WM 1982 stand es im Spiel der deutschen gegen die französischen Nationalelf 1:1, als der deutsche Torwart Toni Schumacher durch eine ruppige Attacke den gerade eingewechselten Patrick Battiston zu Fall brachte. Der Spieler verlor zwei Zähne und das Bewusstsein. Die Emotionen kochten hoch.

Die Franzosen gingen in der Verlängerung 3:1 in Führung, den Deutschen gelang der Ausgleich. Und gewonnen haben sie dann im Elfmeterschießen. «Ich drücke den Italienern für das Finale die Daumen», sagte Kapitän Michel Platini nach dem Abpfiff - nett war das nicht. Die französische Presse beschrieb das Spiel als «dritten Weltkrieg» und sprach von einem «Attentat auf Battiston», Toni Schumacher bekam Personenschutz.

Ein Tiefpunkt der deutsch-französischen Fußballbeziehungen. Einer, der in Frankreich unvergessen ist. Bei Schumacher übrigens auch - er kommt in der Arte-Doku ausführlich zu Wort. Wie auch Daniel Cohn-Bendit, Experte für alles, was mit Deutschland und Frankreich zu tun hat. Für ihn war der deutsche Sieg in Sevilla «der Beweis, dass es Gott nicht gibt».

Eine Stärke des Dokumentarfilms: Er beleuchtet das Thema aus vielen Perspektiven. Prominente wie Bixente Lizarazu kommen zu Wort, französischer Profispieler, der lange für Bayern München auf dem Platz stand oder Willy Sagnol, den es ebenfalls nach München zog. Alle beide haben zum deutsch-französischen Fußball-Verhältnis einiges zu sagen.

Das gilt auch für den in Mannheim geborenen Gernot Rohr. Er spielte erst für die Bayern und wechselte dann zu Girondins Bordeaux. In Frankreich lebt er noch heute - ein Arbeitsmigrant mit gelungener Integrationsgeschichte. Und einer, der es seinem Großonkel Ossy nachmachte: Der war ebenfalls Bayernspieler und später der erste deutsche Fußballer, den es als Profi nach Frankreich zog. «Es sind zwei wunderbare Fußballnationen», sagt Gernot Rohr diplomatisch. «Ich freue mich auf die EM, weil beide Mannschaften dazu beitragen werden, dass es ein Fußballfest wird.»

Starke Leistung des Filmteams, dass so viele interessante Ex-Profis vor der Kamera zu Wort kommen: Karlheinz Förster etwa oder Klaus Allofs, die beide nicht nur lange in der Bundesliga, sondern auch in Marseille gespielt haben. Oder Jürgen Klinsmann, der Ex-Nationaltrainer, der zu den Spielen gegen Frankreich einige Einschätzungen beitragen kann. Aber auch weniger prominente Stimmen sind zu hören. Die von Clément Tomaszewski zum Beispiel, einem Hardcore-Fan der französischen Nationalelf, der bei jedem Spiel dabei ist. «Die Blauen sind mein ein und alles», sagt er.

Am Ende der Dokumentation geht es um den islamistischen Anschlag vom 13. November 2015. An dem Abend, an dem 130 Menschen starben, standen sich Deutschland und Frankreich in Paris bei ihrem 27. Länderspiel gegenüber. Die Bomben der Selbstmordattentäter waren im Stade de France zu hören - die Terroristen hatten es zum Glück nicht bis in die Zuschauerreihen geschafft. Deutsche und Franzosen hat diese Erfahrung noch enger zusammenrücken lassen.

"Ziemlich beste Gegner"

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erstellt am 07.Jun.2016 | 00:01 Uhr

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