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Boulevard

03. Dezember 2016 | 14:47 Uhr

Film : «Zero Days»: Spurensuche nach Computer-Superwurm

vom

Der Computer-Wurm «Stuxnet» versetzte 2010 die IT-Branche in Aufruhr: Da war eine Software, die nach Belieben die Kontrolle über Industrieanlagen übernehmen konnte.

Zudem konnte das Programm seine Spuren so gründlich verwischen, dass es erst spät eher zufällig von einem IT-Sicherheitsexperten in Weißrussland entdeckt wurde.

Relativ schnell war klar, dass «Stuxnet» geschaffen wurde, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Das Programm beschränkte sich von allem, was ein Angreifer mit gekaperten Industrieanlagen so anstellen kann, darauf, Zentrifugen zur Uran-Anreicherung durcheinanderzubringen - und auch nur die in einer bestimmten Konfiguration. Alle restlichen infizierten Maschinen blieben verschont.

Als Urheber wurden schnell die Geheimdienste Israels und der USA vermutet, später bestätigten namentlich nicht genannte Regierungsmitarbeiter das in Medienberichten.

Nun ging Jahre später der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer Alex Gibney auf Spurensuche - und stieß auf eine Mauer des Schweigens. Weiterhin sagt niemand offiziell, wo die Software herkam. Und auch unbeteiligte Experten halten sich bei Kommentaren auffällig zurück.

Zugleich kommen zentrale Akteure der «Stuxnet»-Nachforschungen zu Wort, wie den weißrussischen Entdecker des Wurms - zumindest via Videoanruf. Da ist auch der Hamburger Experte Ralph Langner, der zu den ersten «Stuxnet»-Analysten gehörte. Er sei schockiert gewesen, sagt Langner in die Kamera. «Es hat unsere schlimmsten Albträume übertroffen.»

Eric Chien von der IT-Sicherheitsfirma Symantec klingt ehrfürchtig: Normalerweise könnten er und seine Kollegen ein Stück Schadsoftware binnen Minuten sezieren - hier seien sie erst nach rund einem Monat zur eigentlichen Funktion des Programms vorgedrungen. «Und es enthielt so gut wie keine Fehler. Das ist extrem selten.»

Zusammen mit den Experten zeichnet Gibneys Film die Detektiv-Arbeit nach, die schließlich den Zweck von «Stuxnet» enthüllte und sie glauben ließ, dass Staaten dahintersteckten. Unter anderem nutzten die Autoren dafür ganze vier sogenannte «Zero-Day»-Schwachstellen aus - so werden Sicherheitslücken genannt, die bisher unbekannt sind und deshalb offenstehen. Auf dem Software-Schwarzmarkt sind sie so teuer, dass typische Online-Kriminelle sie sparsamer einsetzen würden.

Was «Stuxnet» selbst angeht, ist man am Ende des Films nicht viel schlauer als die aufmerksamen Leser von Medienberichten der vergangenen Jahre. Aber Gibney liefert auch ausführliche Hintergründe zum iranischen Atomprogramm samt vieler Archivbilder - und sogar zur Funktionsweise der Atomzentrifugen. Und man bekommt ein besseres Bild davon, wie Cyber-Angriffe die Kriegsführung der Zukunft prägen könnten.

Zero Days

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erstellt am 29.Aug.2016 | 11:32 Uhr

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